Art Cologne: 10 Highlights der Kunstmesse
Diese Galerien solltet ihr nicht verpassen

15. November 2023 • Text von

Zum Start der Kunstmesse Art Cologne gibt es von uns vorab ein wenig Navigationshilfe. Inmitten der diversen Stände lohnt es, nach einigen Galerien gezielt Ausschau zu halten. Wir empfehlen: Harlan Levey, House of Chappaz, Berthold Pott, Galleri Opdahl, Valeria Cetraro, Lange + Pult, Martinetz, Klemm’s, Judin und Layr.

Harlan Levey Emmanuel Van der Auwera art cologne 2023 gallerytalk
Emmanuel Van der Auwera: VideoSculpture XXVIII, 2023. LCD Screens, polarization filter, Raspberry Pi, metal, cables, HD video, 250 x 190 x 140 cm. Photo: Adrian Hauweart.

Harlan Levey Projects, Brüssel

Fünfmal sechs Bildschirme nebeneinander hat Emmanuel Van der Auwera zu seiner “VideoSculpture XXVIII” montiert. Darauf läuft dokumentarisches Bewegtbildmaterial – fragmentiert und verfremdet mittels eines digitalen Streifen-Filters, der gebietet, schnell irgendetwas in Richtung malerischer Gestus zu postulieren. Der Künstler beschäftigt sich mit der Zirkulation von Bildern in der heutigen Zeit. Die Brüssler Galerie Harlan Levey Projects zeigt seine Arbeiten neben Werken von Marcin Dudek und Willehad Eilers.

house of chappaz Antonio Fernandez Alvira berthold pott Lucia Sotnikova art cologne 2023 gallerytalk
Antonio Fernández Alvira: El fluir en lo fijado 1, 2021. Alphamold plaster and pigments, 65 x 20 x 15 cm. // Lucia Sotnikova: Untitled (Portrait), 2023. 130 x 90 cm, edition of 4 + 2 AP- Fine art print, black wooden frame non reflecting museum glass. Courtesy Berthold Pott und Lucia Sotnikova.

House of Chappaz, Barcelona

Anmutig wie historisches Gebäudedekor, zerknautscht wie eine ramponierte Leitplanke – die Skulpturen von Antonio Fernández Alvira muten steinern an und gebaren sich doch wie Körper. Die organische Verformung der Versatzstücke naturgemäß doch eher fester Architektur inszeniert die spanische Galerie House of Chappaz mit Ablegern in Barcelona und Valencia auf der Messe im Rahmen einer Solopräsentation.

Berthold Pott, Köln

Diese Barbie hat auch schon mal frischer ausgesehen, aber das macht rein gar nichts. Lucia Sotnikova versteht sich auf angenehm unaufgeregte Darstellungen des Grotesken. Diese Barbie hat kaum noch Iris vor lauter Pupille und vermutlich einfach schon einiges erlebt. Unzufrieden sieht sie nicht aus. Die Kölner Galerie Berthold Pott zeigt neben Sotnikova unter anderem Isabelle Andriessen.

Hanne Tyrmi galleri opdahl art cologne 2023 gallerytalk
Hanne Tyrmi: In the morning at freezing point, 2020. 130 x 500 x 70 cm. Foto: Uli Holz.

Galleri Opdahl, Stavanger

Ganz schön dramatisch mutet der Faltenwurf an für so ein unfunktionales Störobjekt – Störobjekt ist an dieser Stelle im allerbesten Wortsinn zu verstehen. Mit ihrer Arbeit “In the morning at freezing point” nimmt Hanne Tyrmi Raum ein am Stand der Galleri Opdahl aus dem norwegischen Stavanger. Die Erfahrung von Macht und Ohnmacht am Körper des Individuums wie der Gesellschaft sind seit Jahrzehnten zentral für Tyrmis Werk. Auf der Art Cologne sind ihre Arbeiten neben denen von Rebecca Ackroyd, Jimmie Durham, Tom Howse und Franka Hörnschemeyer zu sehen.

Update: Statt der Arbeit “In the morning at freezing point” zeigt die Galleri Opdahl die Arbeit “The first Snowfall” von Hanne Tyrmi.

Valeria Cetraro Angelique Aubrit Ludovic Beillard delphine reist lange pult art cologne 2023 gallerytalk
Angélique Aubrit & Ludovic Beillard: Le sort des Labourgue (Pascal Labourgue), 2023. Linen, wool, wadding, cotton, cedar, latex, acrylic, 160 x 60 x 20 cm, 200 x 110 x 45 cm (with trolley). Courtesy of the artists and Galerie Valeria Cetraro, Paris. // Delphine Reist: Flottant, 2022. Cyanotype on chiffon paper 105 x 80 cm.

Valeria Cetraro, Paris

Wer auf die Holzpuppen von Angélique Aubrit und Ludovic Beillard das eigene Spiegelbild projizieren möchte, wird im konturenarmen Holz Maserungen eines eher unbehaglichen Ich-Zustands erkennen können. Angelehnt oder abgelegt scheinen die künstlichen Leiber darauf zu warten, belebt zu werden. Die Pariser Galerie Valeria Cetraro zeigt Teile des Rollenspiel-Projekts “Le sort des Labourgue” am Messestand. Wer mehr davon sehen will, könnte sich aufmachen gen Haus Mödrath in Kerpen. Dort sind mehr Arbeiten von Aubrit und Beillard als Teil der Ausstellung “Home Is Where You’re Happy” zu sehen.

Lange + Pult, Zürich

Künstlerische Weiterverwertung hin oder her, das Objekt bleibt, was es nun einmal ist: ein Bürostuhl, ein Einkaufswagen, eine Dose. So hält es Delphine Reist seit Jahren. Entsprechend zeigt ihre Zyanotypie am Messestand von Lange + Pult aus Zürich ein aufwendiges Collier – oder nein, vielleicht doch eher Schneeketten denn feines Geschmeide? Mit der gewählten Darstellungsform bringt Reist verborgene Qualitäten ihres erwählten Objekts zum Vorschein. Am Stand der Galerie verlangt übrigens ein weiteres Objekt besondere Aufmerksamkeit: eine großartige Maxi-Puderdose von Sylvie Fleury.

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Emma Adler: Softshell (57.110), ceramic and varnish, 2022. Courtesy of the artist and MARTINETZ, Cologne. // Jonas Roßmeißl: Shredder L, 2021. Curved 65” Ultra-HD screen, grey cast, 1,2kw gear motor [230V], diode [B/2.1V], PMMA glass, white lithium grease 145 x 84 x 25 cm. Copyright: courtesy of the artist and Klemm’s, Berlin.

Martinetz, Köln

Weiche Schale, hart wie ein Waschbecken. Emma Adler bringt vermeintliche Gewissheiten ins Wanken. Wer nicht in jedes Rabbithole für Verschwörungstheoretiker:innen mit hinabsteigen mag, kann sich an der neugewonnenen Erkenntnis erfreuen, dass so ein belangloser Keramikkörper verdoppelt und an sein Gegenüber geschmiegt von wirklich rührender Schönheit ist. Die Kölner Galerie Martinetz zeigt Adler im Duo mit der Künstlerin Mary-Audrey Ramirez.

Klemm’s, Berlin

Den Finger nicht in die Arbeit stecken! Das mit dem “die Kunst nicht anfassen” lässt sich bei Jonas Roßmeißls “Schredder L” ausnahmsweise mal gut begründen: Im hochkant montierten Fernsehbildschirm ist ein potenzielles Mahlwerk eingelassen. Roßmeißls ausgeklügelte Skulpturen wirken wie einer dystopischen Zukunft entlehnt. Technik, die auf den ersten Blick bedrohlich anmuten mag, erweist sich bei ihm jedoch schnell als Ausdruck spielerischer Schläue. Die Berliner Galerie Klemm’s zeigt seine Arbeiten im Rahmen der New Positions der Art Cologne. Neben der Förderkoje lohnt es unbedingt auch, den regulären Messestand von Klemm’s zu besuchen, etwa für die Malereien von Renaud Regnery.

galerie judin alexander basil layr Benjamin Hirte art cologne 2023 gallerytalk
Alexander Basil: Untitled 2023. Oil on canvas, 24 x 28 cm. © The artist. Courtesy Galerie Judin, Berlin. // Benjamin Hirte: Niobe’s Nightmare, 2023, Untersberg Marble, 90 x 40 x 30 cm. Courtesy the artist & Layr, Vienna. Photo: Michael Uecke.

Judin, Berlin

Einen neuen Blick auf ein vertrautes Gesicht gewährt die Berliner Galerie Judin an ihrem Stand auf der Kölner Messe: Alexander Basils Alter ego hat sich dieses Mal in einen Tuschkasten verirrt. Alle, die es besonders auf Malerei abgesehen haben, werden bei Judin auf ihre Kosten kommen. Neben Basil zeigt die Galerie unter anderem Ellen Akimoto und Ian Davis.

Layr, Wien

Wie genau es denn um die formalen Qualitäten so eines Heizkörpers bestellt sei, könnte man ihn mal fragen. Schließlich ist es Benjamin Hirtes Spezialgebiet, die entsprechenden Vorzüge diverser Objekte mit seinen Skulpturen einzufangen, oder – ganz konkret und noch deutlich komplexer – niederschmetternde Schicksale der griechischen Mythologie in Untersberger Marmor zu meißeln. Wieso Niobe bei dem Vater (es war Tantalos) mit rosiger Zukunft ohnehin gar nicht erst zu rechnen hatte, könnt ihr vor dem Besuch bei der Wiener Galerie Layr ja noch schnell googeln.

WANN: Die Kunstmesse Art Cologne eröffnet am Donnerstag, den 16. November. Sie läuft bis Sonntag, den 19. November.
WO: Köln Messe, Messeplatz 1, 50679 Köln.

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