Review

gallerytalk.net bespricht Kunstausstellungen, Publikationen & alles, was im Kunstbereich nach einer klaren Haltung verlangt.

Binäres System? Nein, danke!  

Das C/O Berlin zeigt mit “Queerness in Photography” drei Ausstellungen, die sich mit queeren Lebensrealitäten, Fragen nach Geschlecht, Identität und Sexualität auseinandersetzen. Anhand historischer Bilder, Filmen und zeitgenössischen Positionen wird der Kampf gegen konstruierte Geschlechterrollen sichtbar gemacht.

Wellness-Oase der Imperative

In der Galerie Mitte in Bremen verschmelzen Arbeiten von Ju Aichinger, Ada Hillebrecht, Theresa Rothe, Jenny Schäfer und Theresa Weber zu einem installativen Wohnzimmer. Zugunsten von Live Love Laugh wird in der Gruppenausstellung “jelly is sticky on steam” das Private entpolitisiert.

Athene verformt sich

Marianna Simnetts Ausstellung “OGRESS” bei Société beschäftigt sich mit Monstrositäten, Frauenkörpern und tierischen Gestalten. Anhand von Video- und Soundarbeiten sowie Aquarellen und Skulpturen verbindet die Künstlerin persönliche und mythologische Welten. Ganz nebenbei inspiriert die Schau zu ungewöhnlichen Grimassen.

Aufsässiges Leben in der Gezeitenzone

Sie trotzen den Gezeiten, setzen Landstreifen ihren eigenen Stempel auf und sind Minivulkane, aus denen unerwartetes Leben herausbricht. Seine Faszination für Seepocken teilt Philipp Modersohn derzeitig mit “The Selfish Shellfish” in der Galerie Guido W. Baudach. Sehr reduziert, aber pointiert werden Besucher*innen zu Fans der passiven Filtrierer.

In Schale geworfen

Was vor sechs Jahren unter dem Namen Sans titre (2016) als nomadisches Projekt seinen Anfang nahm, ist nun in frisch renovierten Räumen als fester Bestandteil der Pariser Galerieszene im Marais angelangt. Marie Madec und Eloi Boucher eröffnen ihre neuen Räume mit der Gruppenausstellung “Mon palais, choir”.

Selbstbestimmung vs. Fremdeinwirkung

Der Schinkel Pavillon zeigt mit “FAKE-ESTATE” die erste institutionelle Einzelausstellung von Anna Uddenberg in Berlin. Die skulpturalen und performativen Werke sind künstlerische Reaktionen auf Fragen nach Körperlichkeit, Verhaltensweisen und Grenzerfahrungen zwischen freiem Willen und Kontrollverlust.

SUMO: Gemeinsam weiter

Nach zwei seltsamen Jahren muss es weitergehen. So firmiert das Kunstfestival SUMO in Prag im dritten Jahr unter dem Titel “Co-Exist”. Galerien und Off-Spaces setzen auf junge Positionen – und die Zusammenarbeit mit Partner*innen aus dem Ausland.

Auf den Zahn gefühlt

Johannes Bendzulla zeigt in der Galerie Petra Rinck Zähne, wenn seine Arbeiten von glänzend weißen Kauwerkzeugen durchsetzt sind. In digitale Collagen eingebaute malerische Details, vermeintliche Passepartouts und Zahnimplantate täuschen dabei Echtheit vor, fordern die gewohnte Wahrnehmung der Betrachtenden heraus.

2 Zimmer, Küche, Pollock

Kunst und Kommerz: eine wertvolle Symbiose? Eine fatale Co-Abhängigkeit? Die Ausstellungsreihe „Castle for Rent“ konfrontiert realen Ausstellungsraum mit drei virtuell begehbaren Luxusimmobilien, in der die Kunst bereits wohnt. Sie hebt die Immobilie auf ein exquisiteres Level – oder andersherum?

Das Spiel mit dem Feuer

In der Langen Foundation in Neuss schlägt das Wasser Flammen, ummanteln Eiskristalle Orchideen, werfen Feuerwerkskörper Schlaglichter auf eine implodierende Realität. Wenn bei Julian Charrière selbst Brunnen Feuer tragen, entzündet sich vielleicht ein Funke, tief im Innern, der fragt: Was tun wir hier eigentlich?