Alle Artikel von Lara Broerken

Hamburg, was geht?

Im Sommer wird eines immer gebraucht und das ist Erfrischung. Die aktuellen Ausstellungen in Hamburg kennen sich damit aus. Es wird luftig leicht, Geschirr abgewaschen, ein skurriles Picknick gemacht und neben Kunst getanzt. Sechs Ausstellungstipps für einen erfrischenden Hamburg-Besuch.

Der Marktwert tritt den Wünschenswert

Das Maximum rausholen, haben ist besser als brauchen, aber die Leerstelle ist auch geil – hä? Die 15 Positionen der Gruppe “Kapitalistischer Surrealismus”, die sich rund um Christian Kölbl formiert hat, vermählt sich erstmals in einer Show im Projektraum 145, feiert “Hoch-Zeit” und die ästhetischen Absurditäten des Kapitalismus.

Bilder lesen

“Berlin Childhood + The Angel of History” von Aura Rosenberg bei RL16 ist ein offenes Buch. Ihre überwiegend fotografischen, aber auch skulpturalen und filmischen Arbeiten sind immer ein Verweis auf einen Text Walter Benjamins, schalten dabei aber eine Aktualität dazu. Aus den Werken können mehrere Geschichten herausgelesen werden.

Fließen lassen

Mit 80 Prozent Wasseranteil sind unsere Körper im Kern eher flüssig als fest. Wasser ist im Fluss, Wasser lässt Grenzen verschwimmen, klammert Hierarchien aus und treibt Zyklen an. 13 Künstler*innen sind Open Berlins Einladung gefolgt, sich dem Konzept des Hydrofeminismus kreativ zu nähern.

Gewächs-House

Diskolicht, Bass und Bewegung – ein wirksames Glücksrezept, dem lange nicht nachgegangen werden durfte. Wie sehr es an Tanz mangelt, wird Besucher*innen von Rachel Youns “Revival” bei Soy Capitán schlagartig bewusst. Ihr auf Massagegeräten zappelndes Blumenmeer lässt das Herz mithüpfen und regt existenzielle Gedanken an.

Die Umnachtung der Gurke

Die Romantik bietet ein belebendes, weil leicht toxisches Wechselbad der Gefühle – früher Natur und Wetter, heute eher so Plastik und Sauna. Jagoda Bednarsky und Felix Kultau schlagen mit “Nachtstücke” bei Grisebach ein eigenes schauderhaft melancholisches Kapitel auf.

Titten auf den Tisch

Hinter das für viele Menschen unpassende, aber gesellschaftlich vorherrschende Familienkonzept setzen die ausstellenden Künstler*innen bei Alpha Nova & Galerie Futura ein feministisches Fragezeichen. Mit “Beyond Nuclear Family” gucken Mothers Artlovers, Sophia Süßmilch, Sophie Utikal und viele weitere über den Tellerrand.

Schmalz the pain away

Ohrenschmalz als Filter, als Türsteher vor dem Gehörgang, das wäre praktisch. Akustischer Dreck? Du kommst hier nicht rein. Wong Pings Soloshow “Earwax” im Times Art Center Berlin setzt das als ekelig konnotierte Sekret in einen anderen Kontext. Es bröckelt von der Wand, und schießt als Pingpongball unkontrolliert in den Raum.

Bremen, was geht?

Wir nehmen Bremen in den Fokus: In der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst tut sich eine Art Heute-Höhle auf, das Künstlerhaus zeigt Jimmy Robert. Mehr zeitgenössische Kunst gibt es in der Städtischen Galerie Bremen, im Projektraum „From the A“, im Weserburg Museum, der Galerie Mitte im Kubo und bald auf der MS Dauerwelle.

Und bleiben Sie zuversichtlich

Was hat die Pandemie mit uns, aus uns gemacht? Feststeht leider, dass sie einen besonders fruchtbaren braunen Nährboden geschaffen hat. Erschreckend viele haben sich aus ihm herausgeschwurbelt. Von der verrückten Gesellschaft berichten die neun Positionen der “Tagesschau” bei Mountains ernsthaft humorvoll.