Alle Artikel von Lara Broerken

Gewächs-House

Diskolicht, Bass und Bewegung – ein wirksames Glücksrezept, dem lange nicht nachgegangen werden durfte. Wie sehr es an Tanz mangelt, wird Besucher*innen von Rachel Youns “Revival” bei Soy Capitán schlagartig bewusst. Ihr auf Massagegeräten zappelndes Blumenmeer lässt das Herz mithüpfen und regt existenzielle Gedanken an.

Die Umnachtung der Gurke

Die Romantik bietet ein belebendes, weil leicht toxisches Wechselbad der Gefühle – früher Natur und Wetter, heute eher so Plastik und Sauna. Jagoda Bednarsky und Felix Kultau schlagen mit “Nachtstücke” bei Grisebach ein eigenes schauderhaft melancholisches Kapitel auf.

Titten auf den Tisch

Hinter das für viele Menschen unpassende, aber gesellschaftlich vorherrschende Familienkonzept setzen die ausstellenden Künstler*innen bei Alpha Nova & Galerie Futura ein feministisches Fragezeichen. Mit “Beyond Nuclear Family” gucken Mothers Artlovers, Sophia Süßmilch, Sophie Utikal und viele weitere über den Tellerrand.

Schmalz the pain away

Ohrenschmalz als Filter, als Türsteher vor dem Gehörgang, das wäre praktisch. Akustischer Dreck? Du kommst hier nicht rein. Wong Pings Soloshow “Earwax” im Times Art Center Berlin setzt das als ekelig konnotierte Sekret in einen anderen Kontext. Es bröckelt von der Wand, und schießt als Pingpongball unkontrolliert in den Raum.

Bremen, was geht?

Wir nehmen Bremen in den Fokus: In der GAK Gesellschaft für Aktuelle Kunst tut sich eine Art Heute-Höhle auf, das Künstlerhaus zeigt Jimmy Robert. Mehr zeitgenössische Kunst gibt es in der Städtischen Galerie Bremen, im Projektraum „From the A“, im Weserburg Museum, der Galerie Mitte im Kubo und bald auf der MS Dauerwelle.

Und bleiben Sie zuversichtlich

Was hat die Pandemie mit uns, aus uns gemacht? Feststeht leider, dass sie einen besonders fruchtbaren braunen Nährboden geschaffen hat. Erschreckend viele haben sich aus ihm herausgeschwurbelt. Von der verrückten Gesellschaft berichten die neun Positionen der “Tagesschau” bei Mountains ernsthaft humorvoll.

Die Drag-Maschine

Vaginal Davis ist eine Institution. Seit den späten Achzigerjahren performt sie, provoziert auf erotische Weise und macht Lärm in all den Facetten ihrer Persönlichkeit. Ihr Drag ist radikal. Schonungslos ballert “The Wicked Pavilion” Besucher*innen bei Bortolozzi und Eden Eden ihr extrem intimes und multimediales Oeuvre entgegen.

Der Giftzwerg hat sich Glück gekauft

Wer kennt sie nicht, die Latte Macchiato-Wandtattoos in Coffee-Shops oder die Backstein-Motivtapete. Shopping-Malls sind zugepflastert mit sinnloser Symbolik und schlechter Illusion. Kamilla Bischofs “Arthouse” bei Sandy Brown spitzt es zu. Ihre Kunst ist die den Konsum-Wahnsinn entlarvende Ware. Come in, we are open!

Internet Explorer: Kunst online #11

Banz & Bowinkel schaffen bei Priska Pasquer einen mathematischen Raum und der “Almanac for Refusal” des Festivals Transmediale ein sich progressiv verweigerndes Universum. Leon Roth konfrontiert mit der eigenen Konsumgier und die “New Viewings 37” bei Barbara Thumm überschreiten die Grenze von Natürlichem und Künstlichem.

Vom Eingefädeltwerden

Niclas Riepshoff interessiert sich für den Übergang von Liebe zu Gewalt. In seiner Solo Show „A Stitch In Time“ bei 14a in Hamburg verfolgt der Künstler seinen eigenen pädagogischen Faden zurück. Er portraitiert seine Einfädler*innen auf gegossenen Alu-Einfädlern und näht die Patchwork-Familie schlechthin.