Alle Artikel von Julia Stellmann

Kunst-Wochenende in Thüringen

Dank des 9-Euro-Tickets können Bahnreisende noch immer günstig durch Deutschland fahren. Warum also nicht mal einen Abstecher nach Thüringen machen? In Erfurt, Jena und Weimar lässt sich nicht nur herrlich sommerlich flanieren, sondern auch eine Menge Kunst entdecken. Wir haben ein paar Tipps für euch zusammengestellt.

Faustschlag ins Gesicht

Nackte Körper, sexuelle Gewalt und sterbende Menschen. Die Bilder der Schweizer Künstlerin Miriam Cahn treffen wie ein Faustschlag mitten ins Gesicht. Die Ausstellung “MEINEJUDEN” im MGKSiegen erzählt von Flucht und Vertreibung, zeigt wie mutig und weitsichtig Cahns Kunst war und immer noch ist.

Im Dazwischen zuhause

Grau ist die Ausstellung im GOLD+BETON am Kölner Ebertplatz. Grau wie die Stadt, um die es geht: Troisdorf. Der Heimatort der Künstlerin Anna Ley liegt irgendwo dazwischen. Ähnlich der Ausstellung, die zwischen subjektiven Erinnerungen und objektiven Wahrzeichen changiert.

Wem gehört Deutschland?

Was zeichnet das Land der Dichter und Denker aus? Currywurst, Raufasertapete und Beamtentum? Landsberg-Preisträger Alex Wissel sucht im Düsseldorfer NRW-Forum zwischen Playmobil-Dürer und Schlagstock-Germania Antworten auf die drängenden politischen wie gesellschaftlichen Fragen unserer Zeit.

Sturzflug auf Shrimpboy

In der Kölner Galerie Petra Martinetz hat das große Krabbeln begonnen. Künstlerin Mary-Audrey Ramirez löst Widersprüche nicht auf, lässt hybride Fabelwesen ihre Klauen nach dem schlaftrunkenen Unterbewusstsein ausstrecken und verwehrt sich mit weißen Objekten vor weißer Wand dem unaufhörlichen Bildersturm sozialer Medien.

Bin ich schön genug?

In der pastellfarbenen Scheinwelt von Instagram-Werbeanzeigen wird eine vermeintliche Notwendigkeit der präsentierten Produkte suggeriert. Gretchen Andrew stellt sich dieser Logik entgegen, platziert ihre eigene ungewöhnliche Botschaft. In der Kölner Galerie Falko Alexander lautet sie: “I already have everything I need to be beautiful”.

Gefallene Heldenfiguren

Es ist eine kurze Bootsfahrt nach San Giorgio Maggiore, aber nur wenige Besuchende der 59. Venedig Biennale verirren sich hierher. Vorbei an der pompösen, gleichnamigen Kirche verbirgt sich in der Fondazione Giorgio Cini eines der offiziellen kollateralen Events der Biennale: Kehinde Wiley untersucht die “Archäologie der Stille”.

Der strauchelnde Mensch

Richie Culver polarisiert, wenn er in großformatigen Schriftbildern Einblick in sein Innenleben gewährt. Seine jüngste Serie von Gemälden manifestiert die Zwiesprache mit dem eigenen Ich, die nun in einer Soloausstellung bei Ruttkowski;68 auch für das Außen erlebbar wird.

Freude in Zeiten von Pandemie & Krieg?

Der Titel, den die Kunsthalle Düsseldorf für ihre Ausstellung gewählt hat, sorgte noch vor Eröffnung für Entrüstung: “Happiness Is a State of Mind”. Angesichts einer sich dramatisch zuspitzenden Lage in der Ukraine klingt das grenzwertig. Man entschied sich, die Worte durchzustreichen. Freude in Zeiten von Pandemie und Krieg – geht das?

Futter für die Seele

Wer dieser Tage nach Futter für die Seele sucht, sollte nach dem Ausstellungsbesuch einen Abstecher in den Museumsshop machen. Denn mit etwas Glück finden sich seltene Perlen von bildenden KünstlerInnen gestalteter Bücher, die nicht nur jungen Lesenden Freude bereiten.