Ornament und Identität
Elif Saydam in der Galerie Rüdiger Schöttle

22. März 2024 • Text von

Unter dem Titel “Stealth” zeigt Elif Saydam in der Galerie Rüdiger Schöttle eine kompakte Auswahl von Rundbildern. In diesen farbenfrohen Tondi werden unterschiedliche Symbole und ornamentale Elemente miteinander verwoben. Die Bilder sind dabei gleichzeitig lieblich wie enigmatisch.

Elif Saydam, A song of love, 2024, 22.5 k Gold, Öl und UV Print auf Dibond. Ø 50 cm; photo: Joanna Wilk. 

Es sind die feinen Details. Sich wiederholende ornamentale Muster, die sich auf architektonische Elemente aus dem spanischen Andalusien beziehen, auf Marmorböden und Kassettendecken. Daneben florale Formen, die verspielt wirken, fast kitschig. Und vergoldete Umrahmungen, die ihre Wurzeln in der islamischen Miniaturmalerei haben. Unter dem Titel “Stealth” zeigt Elif Saydam eine Auswahl von runden Bildern, auf denen sich unterschiedliche Ebenen und Schichten überlagern. In den Arbeiten werden die Mechanismen des Dekorativen unterlaufen, indem in dieser erweiterten Malerei verschiedene Techniken, Materialien, Inhalte und Stile kombiniert werden.

Elif Saydam: Stealth, Installation view. Galerie Rüdiger Schöttle, Photo: Dirk Tacke.

In ihrer zweiten Einzelausstellung in der Galerie Rüdiger Schöttle zeigt Elif Saydam eine konzentrierte Auswahl farbenfroher Tondi, die auf den ersten Blick gleichzeitig reizend wie undurchdringlich wirken. Kunsthistorische Bezügen werden gespannt und Symbole aus unterschiedlichen Referenzräumen verbunden. Auch Slogans und Fahnen der politischen Linken oder der Queer-Communities genauso wie popkulturelle Verweise in Form von nostalgischen Stickern aus den 1980er Jahren werden genutzt. Elif Saydam verbindet hoch- und subkulturelle Ästhetik aus unterschiedlichen kulturellen Kontexten.


Elif Saydam: Stealth, Installation view. Galerie Rüdiger Schöttle, Photo: Dirk Tacke.

Elif Saydam konfrontiert die Betrachter*innen mit unkonventionellen Kompositionen, in denen unterschiedliche Ebenen übereinanderlegt werden. Konkrete Bildaspekte werden mit abstrahierten Formen kombiniert und unterschiedliche Symbole in neue Kontexte transportiert. Methoden von Ornamenttraditionen, auch von außerhalb des europäischen Kanons, werden dabei zwar genutzt, aber als Werkzeug, um eine individuelle pluralistische Bildsprache zu entwickeln.

Elif Saydam: Stealth, Installation view. Galerie Rüdiger Schöttle, Photo: Dirk Tacke.

Neben der Ausstellung von Elif Saydam werden in der Galerie Rüdiger Schöttle gerade auch Arbeiten von Florian Süssmayr gezeigt. Der deutsche Maler, der in Genua lebt, präsentiert dabei erstmalig in Italien entstandene Werke. Die Bilder oszillieren zwischen Fotorealismus, gestischer Abstraktion und impressionistischen Anleihen. Süssmayr nutzt eine zurückgenommenen Farbpalette, komponiert ein komplexes Spiel aus Licht und Schatten und schafft so Bildräume die immersiv wirken und narrative Qualitäten haben. Wie in einem narrativen Bogen verbinden sich die gezeigten Bilder zu einer fast filmischen Erzählung aus Andeutungen und Indizien. Scheinbar nebensächliche Aspekte treten in den Vordergrund, subtil und unbehaglich.

WANN: Die Ausstellung “Elif Saydam: Stealth” ist noch bis zum 6. April zu sehen.
WO: Galerie Rüdiger Schöttle, Amalienstraße 41, 80799 München.

Weitere Artikel aus München