Münchner Kunstgriff
27.11. – 10.12.19

27. November 2019 • Text von

Der Advent kann kommen! Wir gehen zu den alljährlichen Jahresgaben in den Kunstverein, zu Judith Egger ins MaximiliansForum, sehen uns die großformatigen Bilder von Lola Sprenger bei JO VAN DE LOO an, bestaunen die Arbeiten von Gregor Hildebrandt in der Galerie Klüser und lassen uns von Plastique Fantastique im Kunstraum GiG in die Zukunft führen.

Plastique Fantastique: Zero Time, GiG Munich.

Manchmal wird aus Science-Fiction eine ganz reale Utopie, manchmal gar eine Dystopie. Mit unterschiedlichen Medien thematisiert das in London ansässige Kollektiv Plastique Fantastique das, was einst Science-Fiction war, heute aber für die Nachrichten wichtig ist: Das Dilemma, Wege zu finden, mit den Problemen auf der Erde zu leben oder Zukünfte außerhalb der Welt zu verfolgen. Plastique Fantastique nutzt dabei eine glamourösen Low-Fi-Ästhetik und einen multidisziplinären Ansatz, dessen Praxis Musik, Fiktion, Installation, Video und Performance kombiniert. Im Kunstraum GiG zeigen sie „Zero Time“, ein Video und eine Performance mit Science-Fiction-Elementen

WANN: Die Eröffnung ist am Samstag, den 30. November, ab 19 Uhr. Zu sehen bis zum 17. Januar.
WO: GiG Munich, Baumstr. 11, 80469 München.

Gregor Hildebrandt: Der blaue Klassiker (Die Geschirrhandtücher meines Vaters), 2019, start and end pieces of audiotape and acrylic on canvas, 58 x 52 cm (Detail).

Tonträger sind Chimären: Sie sind als Objekte stumm und doch sind in ihnen Töne, Stimmen und Musik konserviert, gespeichert, im Material gebannt. Seit mehr als zwei Jahrzehnten beschäftigt sich der Künstler Gregor Hildebrant mit Musik in Form analoger Datenträger: Tapes und Schallplatten nutzt er als materiellen Ausgangspunkt für seine künstlerische Praxis. In der Galerie Klüser zeigt er nun ab Dezember eine Auswahl von Werken, die unterschiedliche Passagen aus dem Leben und Schaffen des Künstlers verknüpfen. Video- und Kassettentapes auf Leinwand verbinden sich zu kalligrafisch oder floral anmutenden Bildern, das Material bildet Muster und Pattern. Verformtes Vinyl, gestapelt und arrangiert, wird skulptural. Die (gespeicherte) Musik ist dabei immer das verbindende Element und Medium der Erinnerung.

WANN: Die Ausstellung ist vom 19.November bis zum 1. Februar 2020 zu sehen. 
WO: GALERIE KLÜSER, Georgenstr. 15, 80799 München.

Lola Sprenger: Hear Say, 2019, diptych, mixed media, 72 x 103 cm each, Galerie JO VAN DE LOO.

Die Malerei ist ein hartes Gewerbe mit langer Geschichte und komplizierter Gegenwart. Eine Leinwand kann eine nostalgische Projektionsfläche sein oder sich auf futuristische Realitäten beziehen. Anspielungen auf Vergangenes und undefinierbare Orte, Transformationen und Erinnerungen bedingen ein Bild. Lola Sprenger, die 1983 in Starnberg geboren ist, hat in München, Wien und Belgrad Malerei studiert und sich schnell ihren eigenen Duktus erarbeitet. In ihrer künstlerischen Praxis sucht sie nach einer visuellen Reflexion einer nicht-visuellen Welt, belebt die Zwischenräume, in denen wir existieren, und spielt mit den Grenzen unserer Wahrnehmung. Unter dem Titel „Homecoming“ zeigt sie nun neue Arbeiten in der Galerie JO VAN DE LOO.

WANN: Die Ausstellung ist vom 22. November bis zum 1. Februar 2020 zu sehen.
WO: Galerie JO VAN DE LOO, Theresienstrasse 48, 80333 München.

Judith Egger: Transmission Waves, 2019, Videostill.

Irgendwo zwischen Wildnis und Zivilisation, da arbeitet Judith Egger. In einer Zeit, die den Mythos aus der Welt verbannt zu haben scheint, löst sie sich von einer rationalistischen Sicht aufs Leben. Ihre Kunst nährt sich dem Unkontrollierbaren, stellt womöglich eine neue Nähe dazu her. Das mag jetzt erst einmal furchtbar durchintellektualisiert klingen, doch Eggers Arbeiten wirken tatsächlich mehr aus einem Gefühl heraus. Da ist ganz viel Ruhe in ihren Arbeiten – eine Straße bei Nacht, der Blick aufs Meer. „Lauschen und Lauern“ heißt Eggers Ausstellung im Maximiliansforum. Besucher*innen sollen beobachten, durch ihre Beobachtungen etwas erfahren. Das klingt doch angenehm nach vorweihnachtlicher Entschleunigung.

WANN: Die Eröffnung ist am Mittwoch, den 4. Dezember, ab 19 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Februar 2020.
WO: MaximiliansForum, Passage Maximilianstrasse / Altstadtring, 80539 München.

Kunstverein München, Jahresgaben.

Kunst-Kaufen ist ein echtes Luxus-Hobby. Jedenfalls sieht es häufig danach aus. Tatsächlich muss man regelmäßig Tausender versenken wollen, um wirklich an diesem Zirkus teilzuhaben. Denkbar zugänglich und gar nicht mal unerschwinglich kommen da die Jahresgaben daher. Seit 1823 bietet der Kunstverein München seinen Mitgliedern die Möglichkeit, zur Kunst zu kommen. Damals gab es jährlich einen Druck. Heute läuft es etwas anders. Künstler*innen – zumeist solche, die in München leben – steuern Arbeiten zu einer Gruppenausstellung bei, die einen Überblick über die zeitgenössische Szene der Stadt ermöglicht. Kunstliebhaber*innen können zuschlagen. All das hilft dem Kunstverein, der lokalen Produktion und vor allem denjenigen, die im Kontext der Jahresgaben mal einen richtigen Schnapper machen.

WANN: Eröffnung ist am 6. Dezember um 19 Uhr. Die Ausstellung läuft bis Sonntag, den 15. Dezember.
WO: Kunstverein München, Galeriestr. 4, 80539 München.

Die Absätze zu den Ausstellungen im Kunstverein und im Maximilians Forum wurden von Anna Meinecke verfasst und sind Teil der November-Ausgabe des Superpapers.

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