Münchner Kunstgriff
10.07. – 23.07.19

10. Juli 2019 • Text von

In der zweiten Julihäflte geht es schwerelos in die ERES-Stiftung, zu Caro Jost in die Galerie Britta von Rettberg und zu Miriam Cahn ins Haus der Kunst. Außerdem findet am 13. und 14. Juli das Kunstareal-Fest statt, es gibt einiges zu erleben.

Miriam Cahn: Ich als Mensch, Haus der Kunst, München.

Irgendwie sanft, aber immer auch bedrohlich, farbenfroh und verstörend – so starren einen die Figuren von Miriam Cahn an. Die Schweizer Künstlerin scheint spätestens seit der documenta14 wieder omnipräsent – vielleicht ist da auch einfach eine neue Aufmerksamkeit für ihr Werk. Nun wird die Künstlerin 70 Jahre alt. Zu diesem Anlass widmet ihr das Haus der Kunst eine große Ausstellung. Unter dem Titel „Miriam Cahn: Ich als Mensch“ sind Arbeiten aus Cahns verschiedenen Schaffensperioden zu sehen. Gezeigt werden frühe Filme, Skulpturen und überlebensgroße Kreidezeichnungen, selbstverständlich auch ihr malerisches Hauptwerk. Eine typische Cahn lockt mit ansprechender Farbgebung, drängt den Betrachter dann aber in eine reflektierende Distanz zum Werk. Cahns Themen sind nicht schön anzusehen. Sie verarbeitet in ihren Arbeiten ihre eigene Familiengeschichte gezeichnet von Flucht und Vertreibung, aber auch aktuelle Ereignisse wie internationalen Terror oder den Syrienkrieg. Cahn hinterfragt Machtstrukturen. Sie politisiert den weiblichen Körper, spielt mit Geschlechterkonstruktionen. Ihr Werk könnte nicht aktueller sein.

WANN: Die Eröffnung ist am 11. Juli ab 19 Uhr, zu sehen bis 27. Oktober.
WO: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München.

Caro Jost: Stop being nice, Galerie Britta von Rettberg.

Die Zeit vergeht schneller, als man denkt, und die Technik verändert sich noch rasender. Im Jahr 2001 studierte die Künstlerin Caro Jost in der Stadt, die niemals schläft und die Schlafenden bisweilen auffrisst, New York. Eine ihrer ersten Aktivitäten dort war es, mittels der damals noch eher neuen und ungewöhnlichen Internet-Kommunikation, tägliche Fotomessages an zwei öffentliche Terminals in München zu senden. Proto-Instagram sozusagen. Auszüge dieser digitalen Fotos sind nun Teil der Ausstellung „walk the talk“ in der Galerie Britta von Rettberg. Die Zeit in New York war für die Entwicklung der künstlerischen Praxis von Jost bis heute wegbestimmend und steht deshalb im Fokus dieser Einzelausstellung. Sie verarbeitet ausgesuchtes Material aus ihrem NY-Archiv und greift das immer aktuelle Thema der permanenten Selbstoptimierung in einer auf Erfolg, Glück und Ruhm getrimmten Gesellschaft auf. Denn in Zeiten von Instagram schläft nicht nur New York nie, wenigsten einer der eigenen Follower ist zu jeder Uhrzeit wach und gierig nach Content.

WANN: Das Eröffnungswochenende ist am 13. und 14. Juli 2019 zum Kunstareal-Fest München.
WO: Galerie Britta von Rettberg, Gabelsbergerstraße 51, 80333 München.

Peter Kogler, Ohne Titel, 2019 Digitaldruck auf Aluminium, © ERES-Stiftung.

Space seems to be the place. Nicht nur der BNKR widmet sich in seiner aktuellen Ausstellung dem Weltall, auch die ERES-Stiftung nähert sich diesem Thema. Unter dem Titel „ZERO GRAVITY“ wird eine Gruppenausstellung über Zukunftsoptimismus, „Space“-Ästhetik und neuen Grenz- und Raumerfahrungen eröffnet. Vor 50 Jahren, in der Nacht vom 20. auf den 21. Juli 1969, betritt zum ersten Mal ein Mensch den Mond. Der Erfolg von Apollo 11 ist der Höhepunkt eines globalen Wettlaufs und gleichzeitig die Spitze eines euphorischen Hypes. Innovative Technologien und Materialien erobern die Welt, den Alltag und die Kunst. Der Blick und die Bilder aus dem All schärfen das Bewusstsein für die Begrenztheit und Fragilität der Erde. Die ERES-Stiftung, als Plattform und Kunst und Wissenschaft, zeigt Positionen im Rahmen einer speziell für die Schau entwickelten Rauminstallation des Medienkünstlers Peter Kogler. Ein verspiegeltes Environment ermöglicht es dem Besucher, in einen virtuellen Kosmos einzutauchen, der raumreflektive Arbeiten der 60er-Jahre von Andy Warhol, Robert Rauschenberg oder Sol LeWitt mit aktuellen Werken von Gregor Hildebrandt, Hans Schabus oder Sonia Leimer schwerelos verbindet. Auch wenn der globale Hype um die Raumfahrt spätestens in den 1980er Jahren abgeflaut ist, so hauchen Initiativen wie die von Elon Musk der Erforschung des Weltalls neue Energie ein. Space is still the place to be.

WANN: Die Eröffnung ist am 20. Juli ab 19 Uhr, zu sehen vom 23. Juli bis zum 30. November.
WO: ERES-Stiftung Römerstraße 15, 80801 München.

Der Absatz zur Ausstellung im Haus der Kunst wurde von Anna Meinecke verfasst und ist Teil der Juli-Ausgabe des Superpapers.

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