Münchner Kunstgriff
10.04. – 24.04.19

10. April 2019 • Text von

Frühling auf Pause, Kunst voll am Start. Zu sehen: Die Arbeiten des Künstler und Filmemachers Amar Kanwar im Espace Louis Vuitton, die Gruppenausstellung SUPPLICA PER UN’APPENDICE” mit Jeewi Lee, Anna Möller, Lerato Shadi, Eske Schlüters und Ketty La Rocca im Kunstraum und „Hexamiles (Odyssee)“ von Batia Suter im Kunstverein.

Batia Suter: Hexamiles (Odyssee), Kunstverein München.

Enzyklopädien, Atlanten, Schulbücher, wissenschaftliche Publukationen, technische Handbücher, Kataloge, Kunstbücher, Geschichtsbücher, Zeitschriften. Batia Suter ist eine engagierte Sammlerin von Bildern, die sie aus unterschiedlichsten Quellen bezieht und in ihren Fotografien, Installationen und Publikationen verwendet, kombiniert, ordnet und verändert. So schafft sie Assoziationen, poetische und spontane Gegenüberstellungen. In Suters Ausstellung „Hexamiles (Odyssee)“ im Kunstverein München werden Landschaftsdarstellungen vor allem als historisches Genre und als ideologisches Werkzeug für die Inanspruchnahme von Territorium, Geschichte und die Organisation von Beziehungen zwischen Mensch und Natur betrachtet.

WANN: Die Eröffnung ist am 16. April ab 19 Uhr (Schaufenster am Hofgarten und Foyer), zu sehen bis 25. August.
WO: Kunstverein München, Galeriestraße 4, 80539 München.

SUPPLICA PER UN’APPENDICE, Ketty La Rocca, Jeewi Lee, Anna Möller, Lerato Shadi, Eske Schlüters, Kunstraum München.

Es gibt KünstlerInnen, die von anderen KünstlerInnen verehrt werden aber vom breiten Publikum nicht oder erst sehr spät gewürdigt werden. Ketty La Rocca ist so ein „artists’ artist“. 1972 zeigte sie auf der Biennale in Venedig den tonlosen schwarz-weißen Videofilm „Appendice per una supplica“ (Anhang für eine Bittschrift): er zeigt Hände in einfachen Gesten, ausgestreckt, ineinander greifend, als Faust, umzingelt von anderen Händen, die Finger abzählend. Ihr Oeuvre, das in der kurzen Zeit zwischen 1964 und 1976 entstand, umfasst Collagen, Skulpturen, Fotografien, Videofilme, Performances, Zeichnungen und Texte. Es kreist stets um die Differenz von Zeichen und Körper, Aneignung und Übertragung, Macht und Widerstand. Mehr als 40 Jahre später werden ihre Arbeiten nun in einem neuen Kontext gezeigt. Im Kunstraum München werden ihre Werke zusammen mit den Arbeiten von vier Villa Romana-Preisträgerinnen aus den Jahren 2012 und 2018 präsentiert. Unter dem Titel “SUPPLICA PER UN’APPENDICE” treten Jeewi Lee, Anna Möller, Lerato Shadi, Eske Schlüters mit Ketty La Rocca in einen Diskurs.

WANN: Die Eröffnung ist am 10. April ab 19 Uhr, zu sehen bis 12. Mai.
WO: Kunstraum München, Holzstr. 10 Rgb. 80469 München.

AMAR KANWAR: Still from Henningsvaer, 2006, Courtesy Amar Kanwar and Galerie Marian Goodman, New York, Paris, London, photo: Amar Kanwar ©2019.

Dokumentarische Erzählung und Lyrik passen hervorragend zusammen. Zumal, wenn sich persönliche Erfahrungen darin verwoben finden. Das ist der Stoff, aus dem Amar Kanwars Werke sind. Der Espace Louis Vuitton zeigt zwei seiner Filme. Sein Heimatland Indien prägt Kanwas künstlerisches Schaffen. Seine Eltern waren geflüchtet, als Student erlebte er Gewalt. Diese Ereignisse klingen in Kanwas Filmen nach. Er hat es sich zur Aufgabe gemacht, sich den Themenfelder Politik, Gewalt und Nationalismus auf visuelle Weise zu nähern. Kanwa geht es immer auch um politisches Bewusstsein. Seine Zuschauer sollen durch seine Filme ein persönliches Moment erleben, andere Künstler hofft er, für die sozialen Konsequenzen ihrer Arbeit zu sensibilisieren. Es geht um die Verbindung von Kunst, Dokumentation und Aktivismus.

WANN: Ab dem 24. April, zu sehen bis 22. Juni 2019.
WO: Espace Louis Vuitton München, Maximilianstraße 2a, 80539 München.

Der Absatz zur  Ausstellungen im Espace Louis Vuitton wurde von Anna Meinecke verfasst und ist Teil der April-Ausgabe des Superpapers.

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