Münchner Kunstgriff
Januar 2018

6. Januar 2019 • Text von

Die Kunst in München legt einen fulminanten Jahresstart hin. Wir schicken Euch zu Konrad Klapheck und Thomas Arnolds in der Galerie Jahn und Jahn und zu Hell Gette in die Galerie Karl Pfefferle. In der Galerie der Künstler werden die Gewinner des Bayerischen Kunstförderpreises präsentiert und im Haus der Kunst warten die Kapseln 09 und 10 darauf, entdeckt zu werden.

Raphaela Vogel: „A Woman’s Sports Car“, 2018 (Videostill) Courtesy BQ, Berlin und Raphaela Vogel.

Sollte euch der Begriff “Spitfire Triumph” etwas sagen: Glückwunsch! Ansonsten lasst uns anerkennen, dass das ein wirklich cooler Name für ein Auto ist. Eine kanariengelbe Variante wird zum Schlüssel von Raphaela Vogels „A Woman’s Sports Car“. Mit ihrer Arbeit für die Kapsel 09 im Haus der Kunst stellt Vogel ein für alle Mal klar, dass so eine Karre nicht nur was für Typen ist. Geschlechterstereotypen haben keinen Platz in Vogels Arbeiten. Allenfalls verbleiben sie als Fragmente, werden abgewandelt, vermengt und Teil eines neuen, aufregenden Ganzen. Im Haus der Kunst kann man durch die Scheinwerfer des gelben Autos einer Frau und ihrem Pudel folgen. Insgesamt soll das alles hypnotisch wirken und verstörend. Das will getestet werden. Übrigens war es das noch nicht. Zeitgleich mit Vogels Ausstellung zeigt die Kapsel 10 ab dem 17. Januar „Popil“, eine Arbeit des kambodschanischen Künstlers Khvay Samnang, die ebenfalls für die Ausstellung eigens entwickelt wurde. Es geht um Süd-Ost-Asien und darum, wie die Globalisierung die Region verändert hat, welche Verbindungen zum Kolonialismus bis heute bestehen und was dies für das Thema Migration bedeutet.

WANN: Die beiden Ausstellungen eröffnen am 17. Januar um 19 Uhr und sind dann bis zum 30. Juni zu sehen.
WO: Im Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München.

Galerie der Künstler München.

In Österreich gilt der Titel “Staatskünstler” als Schmähbegriff für Kulturschaffende, die sich vom und durch das politische System fördern und füttern lassen. Damit geht man in Bayern durchaus unbefangener um. Jedes Jahr zeichnet das Bayerische Ministerium für Wissenschaft und Kunst junge und begabte KünstlerInnen mit dem Bayerischen Kunstförderpreis aus. Der Staat will damit Anerkennung für das bisher Geleistete zollen, der Preis soll gleichzeitig Ansporn sowie ideelle und materielle Unterstützung für neue Projekte sein. Dieses Jahr wurde auch der Spezialpreis „Künstler als Kuratoren” vergeben. Wer sich von der Bandbreite der jungen bildenden Kunst in Bayern selbst überzeugen will, kann dies ab dem 22. Januar in der Galerie der Künstler tun.

WANN: Die Eröffnung der Ausstellung ist am Dienstag, den 22. Januar ab 19 Uhr, zu sehen bis 24. Februar.
WO: Galerie der Künstler, Maximilianstraße 42, 80538 München.

Hell Gette: #Landscape 3.0, Galerie Karl Pfefferle.

Was macht ein Ufo unter Palmen? Und wer feuert mit Wasserpistolen auf Space Invaders? Und bekommen Gorillas wirklich Stielaugen, sobald sie eine Meerjungfrau entdecken? Wer in den Arbeiten von Hell Gette ein Narrativ entdecken will, muss Fantasie haben oder mit whatsappender Selbstverständlichkeit bereits der Omnipräsenz von Emojis ergeben sein. Gette entwirft irre Welten, ästhetisch angesiedelt irgendwo zwischen frühen Paint-Exkursen, Freisteller-Ästethik und Chatverlauf. Ihre Arbeiten sind voller digitaler Referenzen, dabei gewichtig wie klassische Ölgemälde. Karl Pfefferle zeigt die Arbeiten der Künstlerin ab dem 24. Januar unter dem Titel „#Landscape 3.0“. Völlig frei erfunden wirken Gettes Szenerien stets vertraut. Die Künstlerin collagiert bekannte Motive und Bildelemente so, dass der Betrachter sich in ihnen leicht wiederfindet, dann aber noch eine Menge Neues entdeckt. Wenn das als Landschaftsmalerei durchgeht, dann macht Landschaftsmalerei jetzt wieder Laune.

WANN: Die Eröffnung ist am Donnerstag, den 24. Januar ab 19 Uhr, zu sehen bis 9. März.
WO: Galerie Karl Pfefferle, Reichenbachstr. 47 – 49 RG, 80469 München.

Konrad Klapheck: The Audience, 2008, VG Bild-Kunst, Bonn, Galerie Jahn und Jahn.

Auch 2019 geht es bei Jahn und Jahn mit einer fulminanten Doppel-Ausstellung weiter. In der Baaderstraße 56 B werden Arbeiten von Konrad Klapheck gezeigt. Der Maler, der an mehreren documentas teilgenommen hat und über Jahrzehnte eine Professur in Düsseldorf innehatte, spielt in seiner Arbeit mit dem Rätselhaften und Surrealen. Subversiv und eigensinnig verwebt er autobiographische Züge mit Beobachtungen und schafft anthropomorphe Bildwelten. Thomas Arnolds, dessen Ausstellung “Ort und Hall” in der Baaderstraße 56 C gezeigt wird, gehört zu einer Generation von KünstlerInnen, die die Malerei einer kritischen und durchaus ganzheitlichen Überprüfung und Aktualisierung unterziehen wollen. In seiner künstlerischen Praxis versucht er, die Malerei neu zu vermessen und auch um digitalen Zeitalter zu verorten. Zwei Positionen die beweisen: Malerei lebt und erfreut sich frischester Gesundheit.

WANN: Die Eröffnung der beiden Ausstellungen findet am 24. Januar ab 18 Uhr.
WO: Jahn und Jahn, Baaderstraße 56 B und C, 80469 München.

Diese Empfehlungen wurden bereits in der Januar-Ausgabe des Superpaper veröffentlicht und wurden von Anna Meinecke und Quirin Brunnmeier verfasst.

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