Münchner Kunstgriff
19.04. – 25.04.17

19. April 2017 • Text von

Drei Dekaden Kunst im Kunstverein und Ian Cheng im Espace culturel Louis Vuitton. Kino der Kunst in fast ganz München und die Ausstellung „Stop making sense, it’s as good as it gets.“ im BNKR.

Ludwig Engel

Fotografie: Ludwig Engel, 2017.

Bedaure nicht die Vergangenheit, plane kein Morgen. Sei ganz hier, ganz da. Auf den Gedanken sollte man sich ohnehin öfters mal einlassen. Einen konkreten Anlass dazu bietet die Ausstellung „Stop making sense, it’s as good as it gets.“ im BNKR. Dort hat man sich Tom McCarthys Roman „Satin Island“ vorgenommen und davon ausgehend künstlerische Perspektiven auf das Konzept Gegenwart entworfen. „Nennt mich U. – Call me you“, heißt es am Anfang von „Satin Island“. An den Protagonisten mit der schwammigen Identität erinnert im BKNR sein Arbeitszimmer. McCarthy selbst hat es im Untergeschoss reinszeniert, um dort etwa die Schönheit von Ölflecken zu erörtern. In einem Netz aus Seilen, das Johanna Meyer-Grohbrügge über die Etagen des Kunstraums gespannt hat, läuft außerdem Glotze. Mel Chin & The GALA Committee arbeitet sich an der Kultserie „Melrose Place“ ab. Die Ausstellung im BKNR ist reich von allem und doch ist zur Eröffnung am Mittwoch noch viel Raum. Schließlich soll sie sich über das Jahr hin weiterentwickeln. Es gibt zum Beispiel Totalschaden-Kunst, hörbares Buffering und Experimente mit Wahlmanipulation. Vielleicht müsst ihr einfach zweimal vorbeischauen.

WANN: Die Eröffnung ist am 19. April ab 19 Uhr.
WO: BNKR, Ungererstraße 158, 80805 München.

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Wong Ping: Jungle of Desire, 2015, 6’50’’. Courtesy of the artist and Edouard Malingue Gallery, Hong Kong.

Man könnte es als Chimäre beschreiben, als Mischwesen oder Hybrid. Jedenfalls hat es sich im kulturellen Kalender Münchens fest etabliert. Bereits in der dritten Ausgabe findet ab Mittwoch Kino der Kunst statt. Es ist eine Verbindung von Filmfestival und Ausstellung und präsentiert ausschließlich Filme von bildenden Künstlern. Neueste Technologien und fiktive Erzählungen, Kurz- und Langfilme, Ausstellungen und Diskussionen. Dieses Jahr steht auch eine spezielle Zusammenarbeit mit dem im Bau befindlichen Museum M+ aus Hongkong auf dem Programm. Durch Kooperationen mit Galerien und anderen Institutionen bespielt Kino der Kunst gefühlt die ganze Stadt: Ganz München ein Kino der Kunst.

WANN: Kino der Kunst findet zwischen dem 19. und 23. April statt.
WO: In unterschiedlichen Institutionen, Kinos und Galerien. Das Programm findet man unter www.kinoderkunst.de.

Ian Cheng: Thousand Islands Thousand Laws, Videostill, Espace culturel Louis Vuitton München.

Die Kunstwelt übt sich noch daran, virtuelle Realitäten abzubilden. Ian Cheng ist einer, der mit seinem Handwerk besonders zu bestechen weiß. Seine Videoinstallationen erinnern an die Computerspielgrafik der frühen 2000er Jahre. Unfertige Hunde durchstreifen die Ödnis zerpflückter Landschaften. Kraniche picken in nebelgrauem Saft, während sich die Welt in Scherben über sie legt. Scheitern muss, wer in dem Treiben logische Struktur zu erkennen sucht. Der Amerikaner Cheng hat in den vergangenen Jahren viel Aufmerksamkeit erfahren. Im Rahmen von Kino der Kunst wird er nun für sein Werk geehrt. Im Espace Louis Vuitton werden ab Freitag drei Arbeiten zu sehen sein.

WANN: Die Eröffnung ist am 21. April, zu sehen bis 9. September.
WO: Espace culturel Louis Vuitton München, Maximilianstraße 2a, 80539 München.

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Jos de Gruyter & Harald Thys, film still from ‘Ten Weyngaert’, 2007, 26’. Courtesy of the artists and Galerie Isabella Bortolozzi, Berlin.

Wie arbeitet ein fiktionaler Kurator? Das wüssten wir auch gerne. So trifft es sich denn gut, dass ein solcher sich verantwortlich zeichnet für „30 Jahre Kunst“ im Kunstverein München. Die Ausstellung nimmt sich das Werk des belgischen Künstlerduos Jos de Gruyter und Harald Thys vor. Seit 1987 arbeiten Gruyter und Thys bereits zusammen. Im Zentrum ihres Schaffens standen und stehen bis heute Videoarbeiten und Performances. Laiendarsteller und Puppen bespielen den absurden Erfahrungsraum, den die Künstler eröffnen. Immer irgendwo zwischen Tragik und Komik werden kulturelle Erwartungshaltungen oder Machtstrukturen verhandelt. Die Mid-Career-Retrospektive im Kunstverein wartet ab Freitag mit üppigem Programm auf. Irgendwie muss man ja mit den Gruyter-Thysschen Parallelwelten in Kontakt kommen. Wir empfehlen euch, eins der Abendscreenings zu besuchen.

WANN: Die Eröffnung ist am 21. April ab 19 Uhr, zu sehen bis 25. Juni.
WO: Kunstverein München, Galeriestraße 4, 80539 München.

Die Absätze zur Ausstellung im BKNR, im Kunstverein und im Espace culturel Louis Vuitton wurden von Anna Meinecke verfasst und sind auch in der April Ausgabe des Superpaper erschienen.

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