Wilde Wechselwirkung
Hunde und Pflanzen, Wanderer und Sediment

28. September 2018 • Text von

Die Fotografin Laila Auburger und der Maler Ludwig Hanisch bestreiten die gemeinsame Ausstellung „Trails used by wild animals“ in der Galerie Sima. Die künstlerischen Genres verschwimmen.

Vorne: Laila Auburger – „delay III“ und „delay IV“, 2018 © the artist; hinten: Ludwig Hanisch – „Portal“ und „Tau“, 2018 © the artist

Es ist Laila Auburgers großformatige Schwarzweißfotografie von Wildhunden, die dem Besucher als erstes in der Galerieräumen begegnet. Dunkel heben die Schattenrisse der Tiere sich vor der dämmrigen Steppe ab, sie blicken wachsam und steif, beinahe wie präpariert, auf die graue Ebene. Das Bild ist zutiefst widersprüchlich, gleichzeitig poetisch und steril, mystisch und abstrakt, pathetisch und teilnahmslos. Es zieht einen auf surreale Weise in die Erzählung hinein, die sich mit den vorgefundenen Informationen aber nicht auflösen lässt. In dieser poststrukturalistischen Überkomplexität liegt die verbindende Nabelschnur zum Werk von  Ludwig Hanisch, dessen Gemälde ebensolche Grenzgänger zwischen Erzählung und Material, Nostalgie und Konzept, Raum und Schichtung sind.

Laila Auburger – „Schauplatz“, 2017 © the artist

Die komplexe Verbindung der beiden Genres zeigt sich auch in überraschenden und intelligenten Blickbeziehungen in den Galerieräumen:  blickt man vom westlichen Kabinett in den Hauptraum ergibt sich die faszinierende Wechselwirkung, dass Auburgers kleinformatige, aber großzügig weiß gerahmte Polaroids „delay III“ und „delay IV“  im Vordergrund in der Rahmung nahezu mit der weißen Wand verschmelzen und zu dunklen Relikten in der Architektur werden, während Hanischs großformatiges, mit Leuchtrahmen versehenes „Portal“ und das aus dem Dunkel der Türnische herausblickende „Tau“ sich in einem komplexen perspektivischen Wechselspiel in der Blickachse aneinanderreihen. Die komplexen Beziehungen von Vorne und Hinten, Licht und Schatten, Rahmen und Bild werden so zum übergreifenden Thema der Ausstellung, grundlegende Fragen nach dem Wesen der Kunstgattungen werden gestellt.

Laila Auburger – „Lack of Transparency“, 2018 © the artist

Überhaupt ist Ludwig Hanischs „Portal“ ein überraschendes Werk. Durch den beleuchteten Rahmen wirkt die helle Grundschicht beinahe transparent, die sedimenthafte, rote Wolke scheint von Innen zu leuchten, durchbrochen von geometrischen Scharten, die weitere Durchblicke suggerieren. Wie in den Fotografien bleibt das Motiv rätselhaft, durch die modulare Pyramide in „Tau“ verstärkt der Effekt sich.

Ludwig Hanisch – „Portal“, 2018 © the artist

Die Ausstellung wird dadurch im Wortsinn vielschichtig; vielerorts treten Naturmotive hervor, durch Farben und Formen werden Landschaften und Lebewesen erschaffen, beobachtet und verwandelt. Dabei fällt auf, dass viele Motive immer dann schlüssiger werden, wenn man sie in ihrer paarweisen Anordnung betrachtet, die sich auch als subtile zweite Gliederung, als Kleinschreibung der Ausstellung durch die Hängung zieht. So werden die beiden abstrakten Studien „Lack of Transparency“ von Laila Auburger erst gemeinsam zu jenem räumlichen Kontinuum, zur Parallelwelt hinter der Wand, aus der die Gewächse sich beinahe bedrohlich nach vorne in unser Sichtfeld drücken.  Und genauso werden die beiden kleinformatigen Werke „Wanderer“ und „ohne Titel (PAD)“ von Ludwig Hanisch erst gemeinsam zur kryptischen Fabelwelt, die offenbar von skizzenhaften Strichmännchen und einem sehr verwitterten Bären bevölkert wird.

Ludwig Hanisch – „Wanderer“, 2018 (li.) und „ohne Titel (PAD)“, 2018 (re.) © the artist

„Trails used by wild animals“ ist dadurch nicht nur ein poetisches Bild, das Erinnerungen an unberührte Natur und ungezähmte Lebewesen heraufbeschwört. In dem Ausstellungstitel versteckt sich ein energiehaltiges Konzept, eine Philosophie der Atmosphäre, die sich in den einzelnen Werken, in der Mischung der beiden Genres, bis zur Raumkonfiguration der Galerie spiegelt.

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis zum Samstag, den 17. November.
WO: In der Galerie Sima, Hochstraße 33, 90429 Nürnberg. Geöffnet ist Dienstag und Mittwoch von 17 bis 19 Uhr und Samstag von 11 bis 14 Uhr.

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