Wiener Kunstgriff
17.05. - 31.05.19

17. Mai 2019 • Text von

Ein Fonds zur Finanzierung künstlerischer Arbeit, wuchernde Pflanzen über den Trümmern der Nachkriegszeit, Hyperreality im Wiener Wald, uncanny objets im ersten Bezirk und queere Kunst, Clubnächte und Kuration – wer behauptet, dass der Mai grau und eintönig ist?

Dorothee Diebold: Silent Pilot, 2019. Zweiteilig, 125 x 67 x 60 cm/ 80 x 50 x 25 cm, Acrylic and pigments on shaped canvas. © Dorothee Diebold 2019.

Schon mal überlegt, dein Kunstwerk von einem Fonds oder durch den Verkauft von Wertpapieren finanzieren zu lassen? Das kollaborative Kunstprojekt „AINEX“ von Xenia Lesniewski stellt genau diese Frage. „Committed to investing and mobilizing in the field of sensual visual creation“, heißt es auf der Webseite, die Design und Rhetorik von sogenannten Fin-Tech Start-Ups imitiert. Startkapital wurde aus dem Verkauf von Zeichnungen (AINEX Papers) akquiriert; der AINEX Fonds, in den investiert werden kann, besteht aus neun Kunstwerken, die dieses Jahr in drei Ausstellungen im kunstbuero präsentiert werden. Mit Arbeiten von Toni Badrutt, Dorothee Diebold und Zoe Claire Miller eröffnet die zweite Show diesen Freitag in der Schadekgasse.

WANN: Das Opening beginnt am 17. Mai um 19:00 Uhr.
WO: kunstbuero, Schadekgasse 6-8, 1060 Wien. Details hier.

Leone Contini: Bivacco tra le macerie (Biwak in den Trümmern), 1943/2019. Foto-Druck auf selbsthaftendem Papier, 127 x 100 cm. Courtesy of the artist and Kevin Space.

Mit der Erschaffung von physischen Orten, im Gegensatz zu immateriellen Finanzierungszusammenhängen, beschäftigt sich der italienische Künstler Leone Contini. Im Kevin Space im zweiten Bezirk sind seit Donnerstagabend seine Recherchen zu architektonischen Orten zu sehen, die aus den Ruinen, Trümmern und Leerstellen nach dem 2. Weltkrieg entstanden sind. Continis‘ künstlerische Verarbeitung in Installation, Video, Zeichnung und einer Eröffnungsperformance drückt Skepsis gegenüber der reinigenden Kraft des Neuanfangs aus: Nach der Katastrophe verbleiben nur noch nicht-menschliche Zeugen; die Biosphäre umschließt Stahl und Stein mit organischer Selbstverständlichkeit.

WANN: Die Ausstellung läuft bis zum 15. Juni und ist Freitag und Samstag von 15 bis 18 Uhr geöffnet.
WO: Kevin Space, Volkertstraße 17/4, 1020 Vienna. Mehr online.

Hyperreality 2019, Sophienalpe. ©Apollonia Theresa Bitzan.

Bereits zum dritten Mal, allerdings zum ersten Mal unabhängig von den Wiener Festwochen, versammelt sich dieses und nächstes Wochenende Österreichs‘ Clubszene bei HYPERREALITY. Das Festival für Clubkultur verlässt den urbanen Raum und richtet sich zwischen Wandvertäfelung und dackelförmigen Zugluftstoppern auf der Sophienalpe im 14 . Bezirk ein. Eine kritische Auseinandersetzung mit Repräsentations- und Produktionszusammenhängen in der Musikszene bestimmt das Programm: 70 % der Künstler*innen sind weiblich, non-binary, inter- oder transsexuell.  Geförderte Auftragsarbeiten und Showcases geben lokalen Musiker*innen die Möglichkeit an neuer Musik und Livesets zu arbeiten oder internationale Kooperationen zu vertiefen. All das gilt es zu bedenken, wenn Anreise (Shuttelbusse!) oder Preise für Tags- oder Wochenendtickets die eigene Schmerzgrenze zu strapazieren scheinen.

WANN: HYPERREALITY ist dieses Jahr in den Nächten vom 17. und 18. Mai, sowie vom 24. und 25. Mai .
WO: Sophienalpe Wien, Sofienalpenstraße 113, 1140 Wien. Line-Up, Anreise, alles hier.

Sydney Shen: Onion Master, 2019. Exhibition view: New Museum, New York. Photo: Charles Benton.

Am darauffolgenden Kunstwochenende eröffnet die Galerie Sophie Tappeiner eine Einzelausstellung der amerikanischen Künstlerin Sydney Shen. 1989 geboren, sind ihre Arbeiten aktuell im New Museum in New York zu sehen. Shen stellt räumliche Konstellationen zusammen, die westliche und östliche Umgangsformen mit dem Unkontrollierbaren, dem Tod verknüpfen. Das Abjekte, Ekel und Horror als eine (imaginierte) Welt indifferent gegenüber der Menschheit, unabhängig von deren Regeln, sind wichtige Bezugspunkte für die Künstlerin. Ob der Titel der Schau „Every Good Boy Does Fine“ eine feministische Zuspitzung der Thematik impliziert, bleibt herauszufinden.

WANN: Die Eröffnung findet am Donnerstag, den 23. Mai, von 19 bis 21 Uhr statt.
WO: Galerie Sophie Tappeiner, An der Hülben 3, 1010 Wien. Mehr Info hier.

o.T., aus der Serie „Queer Revolutionaries…?“. © Florian Aschka & Larissa Kopp, 2017.

Gegen Ende des Monats, ungefähr zeitgleich mit der Vienna Biennale, eröffnet im WUK in Zusammenarbeit mit der Kunsthalle Exnergasse eine Ausstellung, die einen nicht weniger programmatischen Titel hat als der Großevent im MAK. Die Ausstellung Queer Art Space Vienna gibt einen Einblick in die queere Szene Wiens – nicht nur mit einer umfangreichen Gruppenausstellung, sondern auch durch Führungen, einer performativen Clubnacht und einem Workshop zu queerem Kuratieren. Als queer werden hierbei alle künstlerischen Praktiken verstanden, die „indem sie heteronormative Machtverhältnisse in Frage stellen – Interaktionen zwischen Kunstwerk und Publikum forcieren und damit Veränderungen provozieren.“ Und weil queer seine Bedeutung verliert, wenn man es zu oft hintereinander sagt, belassen wir es jetzt dabei.

WANN: Das Projekt startet am 28. Mai mit der Ausstellungseröffnung um 18:00 Uhr und der Afterparty ab 22:00 Uhr.
WO: WUK, Kunsthalle Exnergasse, Währinger Str. 59, 1090 Wien. Details online.

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