Wer war zuerst? Der Raum oder die Kunst?
Die Galeristin Lotta Pick passt die Räumlichkeit der Kunst an

4. Juli 2019 • Text von

Mit der Open White Gallery erprobt Lotta Pick das Konzept der wandernden Galerie. Sie sucht Räumlichkeiten, die zu der Kunst passen, die sie ausstellen will und lässt diese so mit dem Ort verschmelzen. Eine Idee für mehr Zusammenarbeit, dort, wo der Raum knapp ist.

Rohre

Sarah Jenkins installation 2019 (c) Open White Gallery

gallerytalk.net: Im Februar 2019 hast du die Open White Gallery in Berlin eröffnet. Wie läuft es bisher?
Lotta Pick: Gut! Die Open White Gallery arbeitet derzeit mit einer Vielzahl von aufstrebenden KünstlerInnen zusammen, viele von ihnen relativ jung. Diese werden in den ersten eineinhalb Jahren in unterschiedlichen Räumen ausgestellt. Der Vorteil daran ist, dass ich die KünstlerInnen dadurch in Räumlichkeiten präsentieren kann, die gut zu ihnen passen. In der kommenden Soloausstellung von Markus Liehr werden eigentlich luxuriöse Interiors, also Real Estate aus Las Vegas und L.A. abgebildet, die als Kontrast in der Weserhalle in Neukölln präsentiert werden. Die ersten beiden Ausstellungen haben in den Kellerräumen der Weinbar Facciola stattgefunden. Das haben die KünstlerInnen als Möglichkeit betrachtet, den Raum in ihre installativen Arbeiten einzubeziehen.

In Berlin sind bekanntermaßen die Räumlichkeiten immer knapp. Da ist Zusammenarbeit von Vorteil.
Genau, dafür gibt es auch unterschiedliche Möglichkeiten. Es ist besser, gemeinsam eine Galerieszene aufzubauen, als sich als Konkurrenz zu betrachten. Langfristig soll die Open White Gallery aber ihren eigenen Raum haben.

Hast du das Gefühl, dass sich so kuratorische Arbeit und die galeriebezogene vermischen?
Es stand mitunter zur Debatte, ob ich Gast Kuratorin in den Räumen bin oder ob es eine Open White Gallery Ausstellung wird. Es wird aber immer letzteres sein, weil ich ein eigenes Programm aufbaue. Dies bedeutet, dass ich langfristig mit KünstlerInnen zusammenarbeiten werde. Es wird einen roten Faden geben, was die Ästhetik der Arbeiten betrifft und der Fokus auf zeitgenössische Malerei, neben Videoarbeiten und Skulpturen. Bei jeder Ausstellung, die Open White heißt, soll auch Open White drin sein. Eine offene Atmosphäre und professionelle Präsentation der Kunst.

Shin-Oh Nam installation (c) Open White Gallery Foto: Chroma Instanbul

Wann eröffnet die nächste Ausstellung?
Am Donnerstag, den 4. Juli. Das ist die erste Soloausstellung der Galerie mit dem Künstler Markus Liehr. Er  hat in Leipzig studiert und war unter anderem bei Neo Rauch, Matthias Weischer und in der Meisterklasse von Ottersbach. Er ist technisch total fit und es macht einfach Spaß, seine großformatigen Malereien und Zeichnungen zu erkunden. Beispielsweise wie er mit Reflektionen spielt und scheinbar Prunkvolles doch so grazil und humorvoll abbildet. Das Spannende an den Arbeiten ist auch die bewusste Suche nach unbekannten räumlichen Zielen und die Erforschung durch Online-Recherche. Ein Ort dafür war Kalifornien. Dort brodeln zwar die Musik- und Filmindustrie, aber wenige von uns waren wirklich dort. Ihn hat interessiert, wie es wirklich ist. Den Ort tatsächlich zu erfahren – mit dem Gefühl, alles schon zu wissen. Ihn hat weniger der Kulturschock bewegt, sondern vielmehr haben sich neue Fragen aufgetan: Wie viel der Voreinstellung spielt in das Erleben des Realen hinein? Wer ist man in diesem Moment? Spielt man nur die Rolle, auf die man sich eingestellt hat oder ist man authentisch?

Markus Liehr Acrylic Painting, Sothebys Las Vegas, 140 x 190 (c) Open White Gallery, Foto: Thomas Krüger

Da geht es dann ja auch wieder um Räume!
Ja, nur diesmal ist es eine Stadt.

Ich habe vorhin schon gedacht, dass der Mittelpunkt unseres Gesprächs in der Suche und dem Finden des Raumes liegt. Was ist der richtige Raum für einen oder der richtige Raum für die Kunst? Kann man überhaupt den richtigen Raum für jede Kunst finden oder muss die Kunst sich ihren Raum suchen? Markus Liehr erforscht auch Räume und Orte.
Was eben auch Grundlage seiner Inspiration und seines Schaffens ist – in der Ausstellung, die er mit mir auf die Beine stellt, aber auch davor.

Markus Liehr acrylic painting, Sothebys Hollywood, 140 x 200 cm, 2018 (c) Open White Gallery, Foto: Thomas Krüger

Was hält er von dem Konzept, für eine Weile keinen festen Raum zu haben?
Im Allgemeinen finden die KünstlerInnen das spannend. Sie haben die Gegebenheiten meist in ihre Arbeiten einbezogen. Sara Jenkins beispielsweise hat sich mit industriellen Prozessen beschäftigt und hat dann einfach die Rohre des Raumes einbezogen. Bis zu einem Punkt, an dem die Grenze für die Besuchenden nicht mehr erkennbar war. Raum und Ausstellung sind verschmolzen.

WANN: Die Eröffnung der Ausstellung „Sotheby’s Series“ von Markus Liehr findet am Donnerstag, den 4. Juli statt und kann bis zum 15. Juli besichtigt werden.
WO: Weserhalle, Weserstraße 56, 12045 Berlin.

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