Kunstgeschichte in Aktion
150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien

19. Februar 2018 • Text von

Zwischen gestern und morgen. Die Ausstellung „Ästhetik der Veränderung. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien“ schafft imposante Einblicke in die Geschichte, Gegenwart und mögliche Zukunften der „Angewandten“.
Text von Daphne Schöning

Sarah Borinato, Marianne Stålhös, Carina Stella, ÄSTHETIK DER VERÄNDERUNG. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien, 2017 Foto: © Mario Ilić.

Alles begann im Jahre 1863, als Franz Joseph I. die Wege für die Gründung des „k. k. Österreichischen Museums für Kunst und Industrie“ freilegte und 1867 sich die neu gegründete Kunstgewerbeschule dem Museum anschloss. 150 Jahre später nun lädt das MAK anlässlich seines Jubiläums mit der Ausstellung „Ästhetik der Veränderung. 150 Jahre Universität für angewandte Kunst Wien“ zu einer historischen Reise mit all seinen Entwicklungen und hervorgebrachten KünstlerInnen ein.

Maria Lassnig, Selbstportrait als Blondine, 1981, © Universität für angewandte Kunst Wien, Kunstsammlung und Archiv, Inv.Nr. 2382/B; Maria Lassnig Stiftung.

In Form einer enzyklopädischen Gliederung beginnt der erste Teil der zweiteiligen Ausstellung im hinteren Bereich des Erdgeschosses. Hier erhalten die BesucherInnen einen ausführlichen Einblick in die Vergangenheit und die Gegenwart des Museums. Es ist ein Zusammenkommen historischer Kunstwerke aus allen Disziplinen die an der Universität für angewandte Kunst Wiens gelehrt werden. Sowohl die Geschichten unterschiedlicher Künstler als auch die Auswirkungen politischer Gegebenheiten und Künstlerbewegungen werden durch die Werke erzählt. Stets springt man auf der visuellen Zeitachse u.a. zwischen Eindrücken der Wiener Werkstätten, des Expressionismus und der Architekturmoderne. Diesen beeindruckenden Umfang macht insbesondere eine, auf zwei großen Wänden angebrachte, Grafik der Genealogie der Unterrichtsfächer, der Lehrenden und Studierenden, von Beginn bis heute, ersichtlich.

COOP HIMMELB(L)AU, Vodöl, Entwurf, Wien, 1989 Ausführung: Vitra Edelstahl, Stahl, Nirosta®, Leder Foto: © MAK/Georg Mayer.

Der zweite Teil der Ausstellung, der in einem eigenen Bereich im Obergeschoß stattfindet, widmet sich mit dem Titel „150 plus dreißig“ dem Thema der Zukunft. Schon beim Betreten des Raumes fühlt man sich in eine andere Zeitzone versetzt. Wurde man zuvor noch mit einem starken Gefühl der Nostalgie umhüllt, wird durch elektronische Klänge, violette Raumbeleuchtung und neonfarbige Schriftzüge das Zeitalter der Digitalisierung illustriert.

Scenocosme (Grégory Lasserre & Anaïs met den Ancxt), Lights Contacts, 2010 Ausstellung im Rahmen des INDAF (Incheon International Digital Art Festival), Songdo, Südkorea © Scenocosme.

Innerhalb der Kategorien „Expansion der Künste“, „Social Turn“, „Cultural Turn“, „Technical Turn“ und dem „Future Room“ wird der Stellenwert der Kunst in der heutigen Zeit und der Zukunft analysiert. Gesellschaftsrelevante Themen wie Migrationsbewegungen, Klimawandel und Digitalisierung werden in Form unterschiedlichster digitaler Medien erforscht und dargestellt. Durch die Anwendung der zu benutzenden Geräte können die BesucherInnen sich auf spielerische Weise mit den Inhalten auseinanderzusetzen.

Martin Kusch, Ruth Schnell, Marie-Claude Poulin, Liminal Spaces, Präsentation im Dome-Lab, Abteilung Digitale Kunst, Universität für angewandte Kunst Wien, 2016 Courtesy E / M / D / L © Gerald Bast.

Zum Abschluss können individuellen Gedanken und Fragen in der „Fulldome Installation“ freier Lauf gelassen werden. Abgetrennt von der Realität schweben mehrere Begriffe wie politics, economy und education durch den Innenraum der Kuppel. Je nach persönlichem Schwerpunkt werden etliche Fragestellungen, insbesondere in Bezug auf den Menschen und seiner Rolle innerhalb einer neuen digitalen und technisierten Lebenswelt, angeregt. In welche Richtung werden wir uns entfalten, welche weiteren Auswirkungen werden die Digitalisierung und politischen Entscheidungen auf unser gesellschaftliches Zusammenleben haben? Welche neuen Möglichkeiten werden hervorgebracht und welchen neuen Herausforderungen werden wir gegenüberstehen?

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis zum 15. April 2018.
WO: MAK, Stubenring 5, 1010 Wien.

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