Hamburger Kunstgriff
22.09. – 28.09.16

22. September 2016 • Text von

Der Wind steht günstig für Abenteurer und Entdeckungshungrige, also: Leinen los und raus auf’s Meer der Möglichkeiten. Damit eure Reise nicht zur Irrfahrt wird, haben wir die Hamburger-Kunst-See für euch kartografiert. 

Der Spielbudenplatz. Foto: Nina Zimmermann

Der Spielbudenplatz. Foto: Nina Zimmermann

Das Reeperbahnfestival hat begonnen und niemand, der sich an diesem Wochenende für Kultur interessiert, kann seiner Sogwirkung entkommen. Der Mahlstrom des Spektakels spült euch immer wieder auf dem Spielbudenplatz an Land. Dort findet ihr den Festivalbeitrag von HfbK Hugs. Die HfbK Hugs sind eine Art Schaufenster der HfbK im Herzen der Stadt. In der Karolinenstraße ist im Oktober letzten Jahres ein Arbeits- und Ausstellungsort, eine neue Begegnungsplattform fernab der Hochschule am Lerchenfeld entstanden, das sich als förderndes, gastgebendes und umarmendes Element versteht. Auf dem Spielbudenplatz ziehen im Rahmen des Reeperbahnfestivals nun zwölf Studierende in den „Caravan Art Square“ ein. Videos, Fotografien, Malereien, Skulpturen, Installationen und Performances, die sich in die Idee des Simple Lifes einfügen, inszenieren in drei Caravans das Thema rund um Fragestellungen wie „Was braucht der Mensch zum Leben?“ oder „Worin liegt die individuelle Essenz jedes Lebens?“ Besonders gemütlich wird es in Caravan Nummer vier, hier können es sich Festivalbesucher mit den Künstlern bequem machen, bevor sie erneut in See stechen.

WANN: Das Reeperbahn Festival hat bereits gestern begonnen und läuft bis Samstag, den 24. September. Das ganze Programm findet ihr hier.
WO: Die vier Air Streams findet ihr auf dem Spielbudenplatz. Das Festival spielt sich wie immer rund um die Reeperbahn ab. Kein Freischwimmer? Kein Problem. Am Freitag und am Samstag verpassen wir euch ein Paar Schwimmflügel beim betreuten Kunstgucken.

Lili Reynaud Dewar, Performance: Teeth, Gums, Machines, Future, Society, Memphis, 2016

Lili Reynaud Dewar, Performance: Teeth, Gums, Machines, Future, Society, Memphis, 2016

Gleich zwei Leuchttürme weisen euch diese Woche den Weg in den Kunstverein in Hamburg. Das Kernstück von Lili Reynaud Dewars Performance „Teeth, Gums, Machines, Future, Society“ bildet eine großformatige Videoarbeit, die eine Performance in Memphis zeigt und Fragen nach kultureller Aneignung, Einschreibung und Übertragung sowie nach der Legitimation solcher Akte stellt. Die Stadt am Mississippi-Delta, an der Grenze zwischen Mittlerem Westen und Südstaaten war Zentrum des amerikanischen Sklavenhandels und schließlich des Civil Rights Movement. Memphis ist heute eine Stadt der Musik, letzte Ruhestätte Elvis Presleys, sowie vitales Zentrum der Rapkultur. Reynaud Dewar nutzt diesen historischen und sozio-kulturellen Hintergrund als Bühne, um ganz bewusst mit Konventionen und Traditionen zu brechen, diese zu untersuchen und einen Denkraum zu erschaffen, in dem der Betrachter sich sein eigenes Bild machen kann und muss.

In seiner ersten institutionellen Einzelausstellung in Deutschland „C & O“ untersucht Christoph Meier den Raum als Ort sozialer Interaktion und fragt nach den Bedingungen zeitgenössischer Kunstproduktion und ihrer Präsentation. Für den Kunstverein entwickelt Meier eine Struktur aus Bambusstangen und Verbindungselementen; eine temporäre und rational wirkende Architektur, die sich vor dem Hintergrund der bestehenden Architektur ausdehnt, diese aber auch erweitert. Die identischen Segmente wiederholen sich, ohne Rücksicht auf ihre architektonische Umgebung zu nehmen. Auf diese Weise strukturiert Meier den Ausstellungsraum, beansprucht und behauptet ihn. Er fügt Serien von Wandarbeiten und Skulpturen hinzu, die sowohl das Repetitive des Displays aufgreifen, als auch ihre Weise der Platzierung im Raum wiederholen.

WANN: Die Eröffnung ist schon morgen um 19 Uhr. Ab 19.30 Uhr ist die Performance zu sehen. Die Ausstellung läuft vom 24. September bis zum 20. November.  
WO: Im Kunstverein in Hamburg, Klosterwall 23.

August Diehl und Alexander Fehling in "Wir wollten aufs Meer"

August Diehl und Alexander Fehling in „Wir wollten aufs Meer“

Das Flexible Flimmern lädt euch zusammen mit dem Hafenmuseum Hamburg an das Filmset von Toke Constantin Hebbelns „Wir wollten aufs Meer“ ein. Beim Flexiblen Flimmern hört die Atmosphäre des Films nicht am Rand der Leinwand auf, man taucht förmlich ins Kinoerlebnis ein. Rostock im Jahre 1982: Die jungen Hafenarbeiter Cornelis (Alexander Fehling) und Andreas (August Diehl) träumen davon zur See zu fahren. Als Matrosen der Handelsmarine der DDR wollen sie per Schiff in die weite Welt reisen. Doch dann überzeugt Andreas Cornelis davon, mit der Stasi zusammenzuarbeiten. Sie sollen ihren Freund Matthias ausspionieren, da dieser offenbar plant, die DDR zu verlassen. Während Andreas hofft, seinem großen Traum damit ein Stück näher zu kommen, plagen Cornelis Gewissensbisse. Vor dem Film könnt ihr euch noch ein wenig im Hafenmuseum umsehen und eine Vielzahl von Exponaten zum Güterumschlag und Schiffbau im Hamburger Hafen, sowie zur Meerestechnik und der Schifffahrt auf der Elbe bestaunen.

WANN: Auftakt ist am Mittwoch, den 28. September. Der Einlass beginnt um 19 Uhr. Kostenpunkt: 10 Euro. Wie immer gibt es passende Speisen und Getränke zum Film frisch aus der Kaffeeklappe des Museums. Reservierungen bitte per Mail an: reservierungen@flexiblesflimmern.de
WO: Geflimmert wird im Hafenmuseum Hamburg, Kopfbau des Schuppens 50A, Australiastraße. 

Halt, noch nicht an Land gehen! Die Welt ist eine Pudel und feiern für den guten Zweck Ehrensache. Am Freitag könnt ihr im Moloch damit anfangen, den Wiederaufbau des Golden Pudel Clubs durch euer Nachtschwärmen zu unterstützen. Am besten merkt ihr euch auch den 28. Oktober gleich vor, da geht die Sause auf Kampnagel weiter.

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