Melancholie und Selbstbehauptung
Edie Monetti über Intuition in ihrer Arbeit

5. Dezember 2019 • Text von

Expressive Himmelsgestirne und abstrakte Figuren. Ein impulsiver, gestischer Duktus und leuchtende Farben. Die Malerin Edie Monetti hat an der Akademie in München bei Günther Förg studiert und zeigt nun in der Galerie Sabine Knust in einer Einzelausstellung unter dem Titel „Cetacean Stranding“ neue Malerei und Arbeiten auf Papier. Sie sprach mit uns über Melancholie, intuitives Arbeiten und gestrandete Wale.

Edie Monetti: Cetacean Stranding I, 2019, Öl auf Leinwand, 195 x 300 cm, Galerie Sabine Knust.

gallerytalk.net: Wenn man nach Dir im Internet sucht, findet man relativ wenig Informationen, ein paar Ausstellungsbeteiligungen zwar, aber keine aktuellen Bilder, auch Deine Webseite ist leer. Hältst du das bewusst so?
Edie Monetti: Durchaus. Ich habe zwar in den letzten beiden Jahren an einigen Ausstellungen teilgenommen, aber da habe ich eher ältere Arbeiten gezeigt. Währenddessen habe ich für mich intensiv an einer Thematik weitergearbeitet, die in sich geschlossen sein sollte, daher habe ich diese aktuellen Arbeiten bis jetzt noch nicht veröffentlicht. Die Bilder in der Ausstellung in der Galerie Sabine Knust, die alle 2018 und 2019 entstanden sind, zeige ich also zum ersten Mal.

Edie Monetti: Galaxy Hapalochlaena I, 2019, Öl auf Filz, 100 x 100 cm, Galerie Sabine Knust.

Die Arbeiten sind also speziell für die aktuelle Ausstellung entstanden? Es ist eine Show aus „einem Guß?“
Ich denke, dass ich an den Themen weiterarbeiten werde, aber für mich ist die Ausstellung schon ein Ganzes. In den Jahren 2016 und 2017 war ich relativ viel auf Reisen und habe mich intensiv mit Themen des Verschwindens, des Verschlungen-Werdens und auch mit Kannibalismus beschäftigt. Animalische, sexuelle und auch rituelle Aspekte sind Teil davon. Dazu habe ich viel Material recherchiert, auch Snuff-Filme (Anm.d.Red.: Filme mit extremer Gewalt) aus dem Darknet . Daraus hat sich dann ein Themenkomplex herauskristallisiert. Darüber bin ich dann zu dem Motiv „Würgeschlangen“ gekommen, ein Motiv das gleichzeitig brutal und auch sexuell ist: Das sind Prozesse des Verschlingens und der Vereinnahmung, ein Körper geht ganz in einem anderen auf. Gleichzeitig interessieren mich auch biologische Abarten, das Sperrige und Eckige. Meine Prozesse sind dabei intuitiv: Literatur, Erfahrungen von Reisen und Filme fließen gleichwertig zusammen. Eine Klammer ist bestimmt ein Moment der Melancholie, ein Gefühl der Verletzlichkeit, das in einer gewissen Spannung steht, mit einem Gefühl der Behauptung in schwierigen Situationen.

Was Deine Malerei formell kennzeichnet, ist ein sehr intensiver, pastöser Farbauftrag.
Ja, definitiv. Ich gehe fast wie eine Köchin vor, habe meine eigenen Rezepte. Ich mische der Farbe Sand und andere Materialien bei, versuche, eine spezielle Konsistenz und Textur zu schaffen. Ich bin recht produktiv, male schnell, spachtele mit den Fingern, trage Schichten auf und wieder ab. Ich habe keine Skizzen, ich zeichne mit dem Edding auf der Leinwand und male darauf los. Ich renne praktisch mit voller Energie in die Leinwand, fast wie ins offene Messer und gebe alles her. Da kann ich auch Fehler akzeptieren, lasse die auch existieren, wie Spuren eines Kampfes. Ich beende ein Bild auch, weil ich denke es ist komplett. Ein Bild ist für mich fertig, wenn meine Energie darin aufgegangen ist.

Edie Monetti: Self Portrait with orchid moonflower dogs, 2019, Öl auf Leinwand, 190 x 190 cm, Galerie Sabine Knust.

Ein Bild in der Ausstellung ist ein Selbstportrait von Dir, das sehr intim wirkt und wirklich eine Verletzlichkeit offenbart.
Ich bin im Prozess meiner Malerei an einem Punkt angelangt, an dem ich einen Schritt zurück gegangen bin und erkannt habe, dass ich viel mit Metaphern und Allegorien arbeite, aber etwas fehlt. Ich habe dann das Gespräch mit Vertrauten gesucht und habe mich auch nochmal mit mir selbst auseinandergesetzt. Da ist dann etwas in mir passiert, ich wollte etwas loslassen. Daraufhin habe ich dieses Selbstportrait gemalt, das musste irgendwie sein. Das war ein langwieriger Prozess, zwischen Depression und Behauptung. Ich hatte vorher noch nie ein Selbstportrait gemacht, man existiert ja dann nochmals in der eigenen Arbeit, das hat schon verstörende Qualitäten. Ich versuche, mir bestimmte Dinge intuitiv offen zu halten. Das ist ein großer Teil meiner Arbeit. Sobald ich zu sehr mit Theorie arbeite, bremse ich mich selbst.

Edie Monetti: Cetacean Stranding, Galerie Sabine Knust.

Das eine schließt das andere ja nicht aus. Du kannst intuitiv arbeiten und die Bilder haben dennoch eine allegorische oder metaphorische Qualität.
Die Grenzen sind schwierig zu definieren. Bei mir geht es ja manchmal auch hin zum Sperrigen, vielleicht sogar etwas ins Kitschige. Aber das ist schon gezielt und dann auch bewusst entschieden. Auch das Selbstportrait ist bewusst so gesetzt und gleichzeitig sehr persönlich. Da scheinen auch ungelöste Zwischenstände durch. Meine Bilder sind generell auch dunkel, aber nicht düster, wie ich finde.

Edie Monetti im Atelier.

Im Titel der Ausstellung „Cetacean Stranding“ beziehst Du Dich auf Wale, die versehentlich stranden.
Ja, das ist ein Motiv, mit dem ich mich im Moment beschäftige. Das ist eine Weiterführung meiner Beschäftigung mit Körperlichkeit und Verletzlichkeit. Diese Walstrandungen sind ungeklärte biologische Fehlleitungen, das hat mich interessiert. Ich fand aber auch den Begriff „Cetacean Stranding“ einfach sehr schön, poetisch. So lost.

WANN: Die Eröffnung ist am Donnerstag, den 5. Dezember ab 19 Uhr, zu sehen bis zum 6. Januar.
WO: Galerie Sabine Knust, Ludwigstr. 7, 80539 München.

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