Berliner Kunstgriff
24.09. - 30.09.19

24. September 2019 • Text von

Die Berliner Kunstwoche auf einen Blick. ASSEMBLE lädt Maheke und Nkisi ein, im n.b.k. beginnt die Diskursreihe „Mythos der Geschichte“, im HAU eröffnet das Festival „Berlin bleibt! Stadt, Kunst, Zukunft“, der Kreuzberg Pavillon zeigt Kelly Anderson, bei „Good to talk“ wird diskutiert und Disappearing Berlin präsentiert piety.

Sènsa von Paul Maheke & Nkisi, Abrons Arts Center NYC, März 2019.

Sènsa ist ein Wort der afrikanischen Bantusprachen, das sich mit “erscheinen”, “sich enthüllen”, “Sinn ergeben” übersetzen lässt. Maheke und Nkisi kombinieren Sound, Bewegung und Licht, um dieses Konzept präsent und körperlich werden zu lassen; Identitäten, die in den peripheren Bereichen des Sichtbaren verborgen sind, Stimmen, die von den Rändern ertönen oder verweilende Schatten, rücken ins Zentrum der Bewegung. Der Begriff zeigt die Verwurzelung Mahekes und Nkisis Praxis im diasporischen Imaginären auf und beschreibt eine Sehkraft des Dazwischen, kollagiert aus Narrativen, sich verändernden Sounds und Bildern, im Austausch mit dem Raum, der Bewegung und dem Publikum. In englischer Sprache. 

WANN: Die Performance findet am Mittwoch, 25. September um 21 Ihr statt. Eintritt ist frei. Um Anmeldung über besucherservice@volksbuehne-berlin.de wird gebeten.
WO: LVX – Pavillon der Volksbühne, Rosa-Luxemburg-Platz, 10119 Berlin.

1km² Berlin – Die Sprache der Spekulation, 2019 (Filmstill), Guerilla Architects in Kooperation mit Philine Schneider und Shahrzad Rahmani, Performerin: Alicia Agustin, Produktion: offscreen.

Das Berlin der Post-Wende-Zeit bot Raum, war im Wandel begriffen und sollte, so die politische Vision, wieder zur Weltstadt werden. Diese Global-City-Ambitionen verbanden sich nicht selten mit einer Rhetorik des Nationalen, die Berlin als deutsches Aushängeschild in der Welt imaginierte. Diese Vorstellung mündete einerseits in einer flächendeckenden Überschreibung der DDR-Moderne, andererseits in einer vermeintlich Berlinischen Architektur mit einer historisierenden und rekonstruierenden Bauweise. Mit der Fertigstellung von Großprojekten wie dem Humboldt Forum, dem Bau von Luxuswohnungen mit historisch anmutenden Fassaden oder der geplanten Rekonstruktion des Karstadt-Gebäudes am Hermannplatz bleibt die Debatte um revisionistische Tendenzen virulent.  Diskussion mit Adrian von Buttlar (Kunsthistoriker, Technische Universität Berlin), Michael S. Falser (Kunsthistoriker, Universität Heidelberg), Verena Hartbaum (Architekturtheoretikerin, Universität Stuttgart), Daniel Poller (Künstler, Berlin) 

WANN: Die Diskussion findet am Donnerstag, 26. September um 19 Uhr statt.
WO: n.b.k., Chausseestr. 128/129, 10115 Berlin.

Christiane Rösingers „Stadt unter Einfluss – das Musical zur Wohnungsfrage“ © Dorothea Tuch.

Berlin kämpft um die Stadt, für sozialen Wohnraum und ein urbanes demokratisches Miteinander. Aus abwehrenden Anti-Gentrifizierungskämpfen sind gemeinschaftsstiftende Praktiken geworden – Stadtinitiativen mischen sich ein und entwerfen Visionen für eine gemeinwohlorientierte Stadtpolitik. Das macht Hoffnung, denn die Wohnungsfrage ist eine der wichtigsten sozialen Fragen unserer Zeit. In diesem Kontext setzt das HAU Hebbel am Ufer seine Beschäftigung mit Berlin fort und eröffnet die neue Spielzeit mit einem interdisziplinären Programm, das lokale Bewegungen in den Vordergrund rückt. Das Festival eröffnet am Donnerstag um 18 Uhr mit einer Installation und Performance von L.A. Müller: Gemeinsam mit den Schüler*innen der Hector-Peterson-Schule geht das Kollektiv L.A.Müller der Frage nach, wem Berlin gehört. 

WANN: Das Festival eröffnet am Donnerstag, 26. September um 18 Uhr und läuft bis Samstag, 5. Oktober. Hier gibt mehr Infos zu Programm und die Festivalzeitung zum Download
WO: Berlin bleibt! Stadt, Kunst, Zukunft findet im HAU1, HAU2 und der ehem. Post-Filiale (Hallesches Ufer 60) statt. Mehr Infos zu den verschiedene Spielorten gibt es hier.

 

 

Im Dokumentarfilm „My Brooklyn“ durchfährt Regisseurin Kelly Anderson ihre Nachbarschaft und versucht dabei – sich selbst als ‚Gentrifier‘ analysierend –, die Kräfte zu verstehen, die Brooklyn in einem städtischen Aufwertungsprozess nach Hautfarbe und Klasse segregieren. Der Filmvorführung folgt ein Künstlergespräch mit Joshua Schwebel, das Parallelen, Unterschiede, Verantwortlichkeiten, Schuldgefühle und Solidarität in Bezug auf Kunst und Gentrifizierung reflektiert. In englischer Sprache.

WANN: Filmvorführung und Künstlergespräch finden am Freitag, 27. September um 20 Uhr statt. 
WO: Kreuzberg Pavillon, Naunynstrasse 53, Gartenstudio (U1 Kottbusser Tor), 10999 Berlin.

Zum zweiten Mal findet das interdisziplinäre Gesprächsformat „Good To Talk“ in der Berghain Kantine statt. Einen Tag lang gibt es dort Talks, Lectures, Performances und künstlerische Interventionen an den Schnittstellen von Kunst, Wirtschaft, Mode und Digitalisierung. Dabei geht es vor allem auch um Austausch und Vernetzung. Im Fokus der diesjährigen Veranstaltung stehen die wechselseitigen Einflüsse und Referenzen von Kunst mit anderen Bereichen, sowie die Frage danach, welche Rolle Kunst auch in Zukunft spielen kann und welche neuen Formen der Vermittlung von Kunst es gibt.

WANN: Die Veranstaltung findet am Samstag, 28. September statt. Einlass ist ab 11.30 Uhr, das Programm beginnt ab 12 Uhr. Eintritt sind 7 Euro. Das Programm zum Download gibt es hier.
WO: Berghain Kantine, Am Wriezener Bahnhof, 10243 Berlin.

© DISAPPEARING BERLIN.

Improvisation ist das bindende Element der Disappearing Berlin Veranstaltung im Baerwaldbad. Seit seiner Schließung 2017 steht das Gebäude leer – die architektonisch einzigartigen Schwimmhallen im Jugendstil und klassischer Moderne verkommen sukzessive. Die Zukunft des Schwimmbads ist ungewiss, seine Sanierung zu teuer, doch fehlt dem Bezirk eine öffentliche Schwimmhalle. Die Künstler Josh Johnson, Tänzer und ehemals Mitglied der Forsythe Company, und Patrick Belaga, Komponist und Cellist, entwickeln ihre Arbeit aus diesem Zustand der Planungsunsicherheit. Basierend auf Johnsons Performance piety(2018) ist eine Auseinandersetzung mit dem Ritual der Live-Performance entstandenen. Auf konzeptueller, musikalischer und architektonischer Ebene loten sie die Gegensätze zwischen einerseits Ehrfurcht und andererseits Respektlosigkeit gegenüber Choreographie als geplantem Ablauf von Schritten aus.

WANN: Disappearing Berlin im Baerwaldbad findet am Sonntag ab 18 Uhr statt. Um Voranmeldung wir gebeten unter info@schinkelpavillon.de. Eintritt ist frei.
WO: Baerwaldbad, Baerwaldstrasse 64, 10961 Berlin.

Die Autorin Marie-Therese Bruglacher arbeitet für den Schinkel Pavillon.

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