Berliner Kunstgriff
10.01. - 16.01.17

10. Januar 2017 • Text von

Haben sich die Jahresvorsätze bereits in ferne Utopien verflüchtigt? Inspiriert von der kommenden Kunstwoche bleiben wir optimistisch, geben Mut und sagen: Nichts ist unmöglich und utopisch ist machbar. Es ist nie zu spät die Welt zu verändern und Kunst kann dabei helfen!

Arde brillante en los bosques de la noche/Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht von Mariano Pensotti, Im Rahmen des Festivals "Utopische Realitäten - 100 Jahre Gegenwart", Foto: Gruppe Marea.

Arde brillante en los bosques de la noche/Loderndes Leuchten in den Wäldern der Nacht von Mariano Pensotti, Im Rahmen des Festivals „Utopische Realitäten“, Foto: Grupo Marea.

Am Donnerstag, den 12. Januar, beginnt das Festival „Utopische Realitäten – 100 Jahre Gegenwart mit Alexandra Kollontai“, eine Koproduktion des HAU Hebbel am Ufer und des Hauses der Kulturen der Welt. Ganz allgemein geht es um ein Zurückblicken in die Vergangenheit als Anreiz zu einer Re-Evaluierung des Ist-Zustandes und einer eventuellen Neupositionierung darin. Konkret werden hier die russischen Revolutionen von 1917 und die damit einhergehenden politischen, gesellschaftlichen und kulturellen Umwälzungen ins Visier genommen. Die Aktualität und das heutige Potenzial des utopischen Ideen- und Gedankenguts, das damals aus dem Umsturz wuchs, soll dabei bemessen werden. Ein umfangreiches Programm an Produktionen, Installationen und Gesprächsformaten reflektiert dies nicht nur in Hinblick auf die Vergangenheit, sondern fordert und fördert utopisches Denken gleichzeitig auch für unsere Gegenwart und Zukunft. Dabei wird betont, dass utopisch nicht gleich unrealisierbar ist.

WANN: Veranstaltungen im Rahmen des Festivals finden in dem Zeitraum vom 12. bis zum 22. Januar statt. Das Programm findet ihr hier.
WO: Schauplätze sind das HAU1, HAU2 und HAU3.
WAS: Begleitend ist eine Festivalzeitung mit interessanten Beiträgen erschienen, die hier abzurufen ist.

Christa Dichgans, Schlachtfeld, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Foto: Jochen Littkemann.

Christa Dichgans, Schlachtfeld, 2011, Courtesy Contemporary Fine Arts, Foto: Jochen Littkemann.

„Plüschtieroper“ klingt vielleicht nach Kindertheater, doch legt der Titel der Einzelausstellung von Christa Dichgans im CFA hierin eine falsche Fährte: Heiter bis glücklich sind die Gemälde der deutschen Pop-Art Pionierin keineswegs. Und das, obwohl ihre Motive – Kuscheltierberge oder Hochhausreihen – grundsätzlich mit gleichgültiger Banalität assoziiert werden. Doch schafft es die Künstlerin, die seit 1966 den deutschen Popstil prägt, ihren Gegenständen eine existenzielle Brutalität einzuhauchen, die unter die Haut geht. Unter den Haufen und in der Masse ihrer wirklichkeitsnahen Stillleben versteckt die Künstlerin eine subtile Sozialkritik und eine schonungslose Weltanschauung, die sich dennoch das ein oder andere Augenzwinkern erlaubt. In den neuen Räumen von Contemporary Fine Arts in Charlottenburg wird eine Werkauswahl der letzten fünf Jahrzehnte gezeigt, die den von einer außerordentlichen Kontinuität geprägten künstlerischen Werdegang der Malerin in den Fokus rückt. Eröffnet wird am Donnerstag, dem 12. Januar, in Verbindung mit der Präsentation ihrer neuen Publikation „Texte zu Bildern“ und einem Gespräch mit Chris Dercon, ehemaligem Tate Modern Direktor und zukünftigem Intendant der Volksbühne.

WANN: Die Vernissage und die Buchpräsentation finden am Donnerstag, den 12. Januar, um 18 Uhr, statt. Um 19 Uhr gibt Chris Dercon eine kurz Einführung zur Ausstellung.
WO: Contemporary Fine Arts, Grolmanstraße 32/33, 10623 Berlin.

Matt Lipps, Flowers, 2015, Courtesy the artist and Jessica Silverman, San Francisco.

Matt Lipps, Flowers, 2015, Courtesy the artist and Jessica Silverman, San Francisco.

In der Galerie Klemm’s wird ab Samstag, den 14. Januar, die neue Werkreihe von Matt Lipps gezeigt. Der Künstler setzt sich intensiv mit der Stilllebenfotografie auseinander, wobei er die Fotografie als Medium selbst in den hintersten Hintergrund drängt. Im Zentrum seiner Drucke stehen die abgelichteten Collagen – hier schichtweise angeordnete Farben und Formen – deren Kompositionen an das mise-en-scène des Theaters anknüpfen. Die verschiedenen Ebenen interagieren miteinander und schaffen so einen Assoziationsraum für den Betrachter, der den sehr präsenten negativen Raum weiterdenken muss. Gleichzeitig reflektiert Lipps in seiner neuen Reihe „Looking Through Pictures“ auch sein eigenes Schaffen, indem er Seiten einbaut, aus denen er für frühere Werke bereits Formen ausgeschnitten hat. Teilweise massenhaft reproduziertes Bildmaterial findet so zu einer umso persönlicheren Funktion als Ausdrucks- und Reflexionsmittel.

WANN: Die Galerie lädt am Samstag, dem 14. Januar, von 18 bis 21 Uhr, zur Eröffnung ein.
WO: Klemm’s, Prinzessinnenstraße 29, 10969 Berlin.

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