Sweet Melodies
Gerhard Merz bei Walter Storms

16. Juni 2017 • Text von

Monochrome Bilder, die fast zu schweben scheinen. Großformatige Schüttmalereien und stringente Linienzeichnugen. Die Galerie Walter Storms widmet dem malenden Nachdenker Gerhard Merz, der diesen Mai 70 Jahre alt geworden ist, unter dem Titel „Von Alpha nach Omega“ eine intime Ausstellung.

Gerhard Merz: Ausstellungsansicht „VON ALPHA NACH OMEGA“, Foto: Philipp Schönborn, Walter Storms Galerie.

Klar und bestimmt dominieren die vier rechteckigen Bilder den lichtdurchfluteten mittleren Raum in der Galerie Walter Storms. Jeweils an einer Wand, sind sie nicht mittig gehängt, sondern leicht aus der Balance versetzt. Dieser scheinbar kleine Kniff verleiht dem Raum jedoch eine bestechende Dynamik, die tiefschwarzen Bilder stehen zueinander in Bezug, kommunizieren miteinander und mit der sie umgebenden Architektur. Das architekturbezogene Denken und die installative Auseinandersetzung mit Raum kennzeichnen Gerhard Merz künstlerische Praxis seit Jahrzehnten.

Gerhard Merz: Ausstellungsansicht „VON ALPHA NACH OMEGA“, Foto: Philipp Schönborn, Walter Storms Galerie.

Ausgebildet in den frühen 1970er Jahren an der Kunstakademie in München wurde er bereits 1977 erstmals zur documenta nach Kassel eingeladen. Drei weitere Beteiligungen dort sollten folgen. In den 1990er Jahren bespielte er den deutschen Pavillon in Venedig, wurde Professor in Düsseldorf und schließlich in München. Merz ist ein Vertreter klarer Formen, der sich der Suche nach der Schönheit in der puren Abstraktion gewidmet hat. Er hat Räume mit dem Licht grellweißer Neonröhren aufgelöst, monochrome Farbflächen in Architektur eingebettet und die Aussage „Ed io anche sono architetto“ in klaren Buchstaben auf große Leinwände gesetzt: „Auch ich bin Architekt.“

Gerhard Merz:  Ausstellungsansicht „VON ALPHA NACH OMEGA“, Foto: Philipp Schönborn, Walter Storms Galerie.

Konstruktion und Dekonstruktion, monochrome Bilder und ephemere Raumkunst, der konzentrierte Umgang mit Material und Proportionen. Merz ist ein Konzeptkünstler der alten Schule, der Kunst als einen autonomen geistigen Bereich versteht. In gewisser Weise reflektiert und führt er die Ansätze von Künstlern wie Marcel Duchamp. Kasimir Malewitsch oder Barnett Newman in seiner künstlerischen Praxis weiter. Die F.A.Z. nannte ihn in einem Artikel den „konsequentesten malenden Nachdenker“ und tatsächlich arbeitet er stetig an und mit den Topoi der klassischen Moderne.

Gerhard Merz: Ausstellungsansicht „VON ALPHA NACH OMEGA“, Foto: Philipp Schönborn, Walter Storms Galerie.

Die in der Galerie gezeigten Arbeiten entfalten in ihrer formalen Klarheit eine sublime Schönheit, Abstraktion und Sinnlichkeit ergänzen sich, immer schwingt eine literarische Qualität mit. Neben den monochromen Farbflächen werden auch frühe Rasterzeichnungen präsentiert und farbige, großformatige Schüttbilder. Frühe Arbeiten stehen Neueren gegenüber. Dass das Omega im Ausstellungstitel noch nicht das Ende ist, deutet ein Zitat von John Keats an, das einer Publikation vorangestellt ist: „Heard Melodies are sweet, but those unheard are sweeter.“

WANN: Noch zu sehen bis 29. Juli.
WO: Walter Storms Galerie, Schellingstraße 4, 880799 München.

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