Skulptur und Sprache
Ein Gespräch über Verortung und Mehrdeutigkeit

28. Mai 2018 • Text von

Mit ihren Skulpturen bewegt sich die Künstlerin Johanna Charlotte Trede zwischen Skulptur, Ort und Sprache. Wir haben per Whatsapp über ihre Arbeit gesprochen und geschrieben. Sie aus Wien. Ich aus Berlin. Dabei sind wir der Bedeutung von gedanklicher Verortung nachgegangen.

 

Ellipse, Holz, 320x10cm, Wien, Semperdepot, Wien 2018.

gallerytalk: Du beginnst Gespräche mit Ortsbestimmungen. Was bedeutet es für Dich sich zu verorten und was bedeutet für Dich der Ort, an dem du ausstellst?

Johanne Trede:

Podium, Holz, 200x100cm, Wien, Foundation, Fotocredit Foundation

gallerytalk: 

Johanna:

 

Installationsansicht, Ich geh hier nur. Ich geh, hier nur (pose), Wien, Windmühlgasse, 2017, Ton, 18-24cm hoch, 8cm Ø

Ich möchte deine Worte geschrieben wiederholen, um sie vielleicht ein wenig klarer zu sehen. Die gleichzeitige Wahrnehmung von Objekt, Selbst und Umgebung eröffnet die Vorstellung zwischen sich selbst bzw. dem Gegenstand zu seinem „Rundherum“? Sie ermöglicht sozusagen das Gespräch mit unserer Umgebung?

Johanna: Ja, genau. Also die Wahrnehmung des „Rundherums“ ermöglicht es sich zu positionieren und zu sprechen. Sprechen im Sinne von Kommunikation, egal ob verbal oder imaginär.

gallerytalk: 

Sprechen und Schreiben sind verschiedene Dimensionsionen. Ersteres schwankend, wir können einander im Gespräch oft mehr entgegenkommen, Dinge revidieren; oft sind wir auch im Begriff zu denken und sprechen diese Gedanken laut aus. Schreiben dagegen hat etwas endgültigeres, es ist überlegter. Deine Skulpturen bewegen sich dazwischen. Sie erscheinen in einer bestimmten, und auch endgültigen Form, die in der Begegnung mit dem/der BetrachterIn eine neue, gedankliche Konstellation ergibt. 

Johanna:

Haltung, Holz, Gaze, 250x150cm, Foundation, Wien 2017, Fotocredit, Sophie Pölzl

Deine „Positions“ oder „Haltungen“ sind gerüstartige Holzkonstruktionen, in die du Gaze oder Baumwolle hängst und spannst. Sie stehen fest auf dem Boden und doch könnten sie jederzeit fallen. Sie befinden sich fast in einer Art Schwebezustand – zwischen fallen und stehen. Veranschaulichen sie den Prozess des Denkens? Gleichzeitig beschreibt ihr Titel, Position/Haltung, einen Standpunkt. Wie passt das zusammen?

Johanna: 

gallerytalk: 

Im Gegensatz dazu beschreibst du die „Pose“ als eine „Skulptur ohne Ego“. Die Posen sind ungebrannte Tonobjekte, die oben und unten geöffnet sind. Bezieht sich das auf ihr zeitliches Bestehen?

Detail, Pose,Ton, 18-24cm hoch, 8cm Ø Wien Foundation, 2017, Fotocredit: foundation

Johanna: 

 

Die „Posen“ stehen in einem interessanten Bezug zu den „Parolen“, deiner neuesten Gruppe an Arbeiten. Die Parolen sind Sprüche, die auf T-Shirts gedruckt sind, also verschriftlicht sind, und von Menschen durch die Welt getragen werden. Die Posen als Nicht-Sammeln und Weggeben, die Parolen dagegen als eine Art flüchtiges Archiv. Gleichzeitig verdeutlicht sich hier der Humor, den Du ja auch im sich selbst nicht zu ernst nehmen und der Skulptur ohne Ego beschreibst.

Johanna Charlotte Trede, Parole, courtesy the artist

Johanna: 

Die „Parolen“ erscheinen außerdem als Textform. Du schreibst die einzelnen Sprüche untereinander, Du ordnest sie vertikal an. Warum diese formale Anordnung?

Johanna:

 

Johanna Charlotte Trede (*1990 in Freiburg im Breisgau) lebt und arbeitet in Wien.

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