Poetry in Motion
Karel Martens im Kunstverein

6. Februar 2017 • Text von

Intensive Farben und die Auseinandersetzung mit Formen. Ikonographie und Video. Der Kunstverein München zeigt in der Ausstellung „Motion“ einen beeindruckenden Einblick in Karel Martens‘ Werk zwischen Design und Kunst.

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Ausstellungsansicht: Karel Martens: Motion, © Kunstverein München e.V.

Satte Farben auf Papier. Eine auf einfachste Formen reduzierte Uhr, die dennoch intuitiv die Zeit vermittelt. Ikonographische Eingriffe in die Architektur und partizipative Video-Projektionen. Karel Martens Praxis überschreitet Konventionen und Genres, bleibt sich ihrer Haltung aber immer treu. Typographie, Grafikdesign und Kunst. Buchgestaltung und Videos. Karel Martens hat sich in seiner über 50 Jahre andauernden interdisziplinären Karriere unterschiedlichster Medien und Techniken bedient und diese in seinem Werk vereint. Er gilt als einflussreicher Künstler, lehrt an renommierten Hochschulen und wird als „Artist’s Artist“ beschrieben, als einer der den vollen Respekt der Kollegen genießt.

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Ausstellungsansicht: Karel Martens: Motion, © Kunstverein München e.V.

Im Kunstverein bespielt er die Räume im ersten Stock und das Treppenhaus mit einer Ausstellung, die einen durchaus retrospektiven Charakter hat. Die gezeigten Arbeiten und Interventionen stammen aus unterschiedlichen Arbeitsphasen und liefern so einen Pfad durch seine künstlerische Entwicklung. Doch die Ausstellung bleibt nicht in der Vergangenheit verhaftet, sondern offen und dabei auch verspielt. Sprache, Mathematik, Farbe und Materialität sind die treibenden Interessen Martens, der sich in seiner Arbeit mit den Grundlegenden Parametern von Gestaltung auseinandersetzt und diese kontinuierlich neu kombiniert und mischt. Mono-Prints und  Papierreliefs neben kinetischen Skulpturen, ein frühes optisches Werk. Durch modulare Wallpapers greift er in die Architektur des Kunstvereins ein und macht ihn sich so zu eigen, dies jedoch ohne jegliche Aggression.

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Ausstellungsansicht: Karel Martens: Motion, © Kunstverein München e.V.

Auf einem in der Mitte des Raumes platzierten Tisch finden sich Bücher und andere Publikationen. Es sind Projekte, die er kollaborativ mit seinen Studentinnen und Studenten von der Werkplaats Typografie in Arnheim in den Niederlanden realisiert hat, einer Schule, die er 1998 mitgründete und so Generationen von Gestaltern prägte. Als Lehrer konnte er seine Methode weitergeben und so ein Netz aus Gleichgesinnten spannen. Die Ausstellung „Motion“ präsentiert eine beeindruckende Werkschau des Künstlers, Grafikers und Pädagogen Karel Martens. Dieser hatte in den 1950er Jahren bildenden Kunst in Arnhem studiert, da es für Gestalter damals noch keinen Studiengang gab. Die Haltung eins offenen und suchenden Künstlers hat er sich bewahrt. Seine Herangehensweise ist systematisch und forschend. Seine Methode ist die der Aneignung und Rekonfiguration bestehender Elemente, logisch aber auch lustvoll.

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Karel Martens: Untitled, 2016, Letterpress monoprint on, Courtesy the artist and P!; Kunstverein München.

Parallel zur Ausstellung wird es eine internationale Reihe von Satelliten-Events geben. In   München, Amsterdam, Paris, Vilnius und New York wird Martens‘ Werk diskursiv besprochen. Außerdem gibt eine in Zusammenarbeit mit Roma Publications erschienene Publikation. Neben „Motion“ präsentiert der Kunstverein zeitgleich zwei weitere Ausstellungen. Im Kino ist Adam Putnams Arbeit „Reclaimed empire (Deep Edit)“  zu sehen, dass  80 Videofragmenten kombiniert und collagiert. Außerdem wird unter dem Titel „Theatre of Measurement“ das von Jonas von Ostrowski neu gestaltete Schaufenster am Hofgarten mit junger Kunst bespielt.

WANN: Die Ausstellung ist noch bis zum 2. April zu sehen.
WO: Kunstverein München, Galeriestraße 4, 80539 München.

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