Nürnberger Kunstgriff
24.03. – 30.03.17

24. März 2017 • Text von

Die Kunstwoche bietet uns einen Blick in die Trickkiste der Inspiration. Die Bunsen Goetz Galerie zeigt, dass Tabellenkalkulationen für künstlerische Bildfindungen taugen, im Neuen Museum lässt eine Bildhauerin zeichnend die Puppen tanzen und ein junger Maler lädt zum Gespräch.

Oleksiy Say, “An unhappy young lady is doing things she doesn`t want to do.”, aus der Serie „Prayer“, 2013, Digitalprint/ Alu Dibond, 148 x 127 cm. Courtesy Bunsen Goetz Galerie

Oleksiy Say, “An unhappy young lady is doing things she doesn`t want to do.”, aus der Serie „Prayer“, 2013, Digitalprint/ Alu Dibond, 148 x 127 cm. Courtesy Bunsen Goetz Galerie

Die Bunsen Goetz Galerie holt mit „Lost or found“ den ukrainischen Computer-Kunst-Pionier Oleksiy Say nach Nürnberg. Der 1975 geborene Künstler hat für seine Arbeit im Werkzeugkasten der Finanzbehörden gekramt und die nüchterne Tabellenkalkulation Excel zu einem wesentlichen Bestandteil seines Kreativprozesses erkoren. Aus einer Masse an echten, von verschiedenen Firmen in Tabellen domestizierten Daten generiert ein von Say selbstgeschriebenes Programm nach seinen Vorstellungen Bilder, die passenderweise wiederum den Büroalltag zum Thema haben. Selbst Microsoft wurde bereits auf den Künstler und dessen ungewöhnliche Verwendungen ihres Produkts aufmerksam und richtete ihm 2016 in Berlin eine Ausstellung aus. Die Sehnsucht nach dem Grauen des Büroalltags deutet daraufhin, dass diese Form der verwalterischen Routiniertheit in der bürgerkriegsgebeutelten Ukraine zur Zeit als erstrebenswerter Luxus betrachtet werden muss.

WANN: Gleich heute Abend, Freitag, den 24. März, geht’s los um 19h.
WO: Die Bunsen Goetz Galerie in der Kressenstraße 11, 90419 Nürnberg, wird zum Eldorado nicht nur der Bürokraten.

Wiebke Siem, Ohne Titel (Frau mit Puppe), 2004. © und Foto Wiebke Siem

Wiebke Siem, Ohne Titel (Frau mit Puppe), 2004. © und Foto Wiebke Siem

Ebenfalls ab heute zu entdecken ist die Präsentation von Zeichnungen der Künstlerin Wiebke Siem im Sammlungsbereich des Neuen Museums. Eigentlich ist Siem, geboren 1954, vor allem als Bildhauerin bekannt und wurde unter anderem 2014 mit dem Goslaer Kaiserring geehrt. Jetzt sind im Neuen Museum einige ihrer Zeichnungen zu sehen, die wie grotesk-frivole Handlungsanweisungen zu potentiellen Performances wirken. Im Mittelpunkt stehen maskierte Frauen, deren zweideutige Interaktion mit überdimensionalen Stoff-Figuren an Künstler wie Hans Bellmer oder Balthus denken lassen, aber auch an das experimentelle triadische Ballett von Oscar Schlemmer. Die vollzogenen Verenkungen haben teilweise etwas rührend Hilfloses an sich, aber auch etwas beunruhigend Obsessives. Die großzügigen Volumina und die präzise Reduktion der Linien lässt erahnen, dass hier eine hochkonzentriert arbeitende All-round-Künstlerin bei der Kreation von neuen Entwürfen und Einfällen den Stift geführt hat.

WANN: Ab heute, Freitag, den 24. März, ist die Ausstellung zu den regulären Öffnungszeiten zu besichtigen. 
WO: Im Neues Museum, Staatliches Museum für Kunst und Design Nürnberg, sind die seltsamen Figuren in weiblicher Begleitung zu Gast; der Eingang ist am Klarissenplatz.

Tobias Wyrzykowski, Komet und Pool, 60 x 50 cm, Öl auf Leinwand, 2016. © the artist

Tobias Wyrzykowski, Komet und Pool, 60 x 50 cm, Öl auf Leinwand, 2016. © the artist

Last but not least sei noch auf das Künstlergespräch mit Tobias Wyrzykowski im Café Dada hingewiesen. Der gebürtige Würzburger und Absolvent der Akademie der Bildenden Künste in Nürnberg hat sich in seiner Arbeit vor allem der Malerei verschrieben. Bei ihm werden quer über die Leinwand gezogene Linien mal zu Kränen, mal zu Horizonten, immer in der Schwebe zwischen Abstraktion und Landschaft. Seine Bilder werden für den Betrachter zu vieldeutigen Projektionsflächen, deren Elemente Berge sein könnten, oder Wiesen, oder Bäume, oder eben doch einfach nur was sie sind, Farbflächen.

WANN: Am Samstag, den 25. März, zwischen 17 und 19 Uhr spricht Tobias Wyrzykowski  über seine Arbeit.
WO: Im Café Dada, Werderstraße 1 in Nürnberg wird getalkt. Wegen des begrenzten Platzes wird um Anmeldung per Mail gebeten unter: hallo@cafedada.de.

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