Nürnberger Kunstgriff
23.06. – 29.06.17

23. Juni 2017 • Text von

Wir reisen nach Krakau, schweben ins Weltall, machen eine Landpartie, lernen über chinesische Mythologie, versinken in dunkelster Nacht, staunen über virtuelle Welten, tanzen in den Sommerabend – und das alles für die Kunst! Zeitgleich mit dem Sommer läuft Nürnberg zu Hochtouren auf. Wir haben die Highlights.

Michael Ullrich: „Theresa i love you“, 2016

Michael Ullrich: „Theresa i love you“, 2016

Die Kunstwoche startet in Krakau. Als eine von Nürnbergs Partnerstädten besteht schon lange eine intensive Verbindung; ein übergreifendes, fotografisches Ausstellungsprojekt mit Künstlern beider Städte soll dies nun thematisieren. Michael Ackerman, Henryk Hermanowicz, Friedrich Kuhrt, Anika Maaß, Jutta Missbach, René Radomsky, Łukasz Trzciński, Michael Ullrich und Wojciech Wilczyk zeigen ihre Projekte und erzählen in ihren eigenen Sprachen fotografische Geschichten über beide Orte. Nach der ersten Etappe in Nürnberg wandert das Ausstellungsprojekt in die Krakauer Galerie Bunkier Sztuki.

WANN: „Parallelen“ eröffnet am heutigen Freitag Abend, den 23. Juni, um 19 Uhr.
WO: Die Halle 15 Auf AEG ist am Nürnberger Stadtrand in der Muggenhofer Straße 135

Ausstellungsansicht "Adele", Galerie Zink

Ausstellungsansicht „Adele“, Galerie Zink

Erholen ist diese Woche nicht, denn nach dem ruhigen Freitag startet das Kunst-Wochenende mit einem Dreifach-Samstag. Und der führt uns zunächst raus auf’s Land, ins tiefste oberpfälzische Idyll. Die renommierte Galerie Zink ist dort nach vielen Berliner Jahren seit kurzem wieder stationiert und damit definitiv eine Bereicherung für die Region. Derzeit werden die Ausstellungen noch in einem alten Pfarrhof gezeigt, ab Herbst wird dann in dem 27-Seelen-Dorf Waldkirchen neu gebaut. Die Gruppenshow „Adele“ zeigt unter anderem Arbeiten von Marcel van Eeden, Erwin Gross und Michael Sailstorfer – diese Landpartie lohnt!

WANN: Der Startschuss fällt am Samstag, den 24. Juni, ab 16 Uhr.
WO: Waldkirchen liegt 45 Minuten südlich von Nürnberg; ein Bringdienst vom nächsten Bahnhof fährt Euch zur Galerie Zink, Waldkirchen 2, 92358 Waldkirchen in der Oberpfalz.

Ladislav Zajac: "o.T.", 2017

Ladislav Zajac: „o.T.“, 2017

Als „Raumfahrer der besonderen Art“ wurde Ladislav Zajac schon vom Art-Magazin bezeichnet. Treffend, wie wir finden, versuchen seine Raumeingriffe, Installationen und Bilder doch stets den Betrachter aus dem Alltäglichen abzuholen und in neue Wahrnehmungsräume mitzunehmen. Die Oechsner Galerie zeigt nun mit „Oh Be A Fine Girl Kiss Me“ neue Arbeiten des Kunst-Kosmonauten.

WANN: Die Reise startet am Samstag, den 24. Juni, ab 19 Uhr.
WO: Die Oechsner Galerie ist im Atelier- und Galeriehaus Defet in der Gustav-Adolf-Straße 33.

Judith Egger: „Hundun“, Installation anlässlich der Münchner Biennale - Festival für neues Musiktheater, 2016 (Foto: Franz Kimmel)

Judith Egger: „Hundun“, Installation anlässlich der Münchner Biennale – Festival für neues Musiktheater, 2016 (Foto: Franz Kimmel)

So richtig klar ist nicht, was der große formlose Brocken, um den sich Judith Eggers Austellung im Institut für moderne Kunst kreist, eigentlich ist. Egger selbst vermutet dahinter womöglich die sterblichen Überreste von Hundun, einer Gestalt der chinesischen Mythologie, die das urzeitliche Chaos, in dem die Dinge noch nicht voneinander zu unterscheiden sind, symbolisiert. Die genaue Geschichte und warum Hundun sterben musste, erfahrt ihr ab Samstag Abend. Das Institut für moderne Kunst feiert in diesem Jahr übrigens sein 50-jähriges Jubiläum – wir gratulieren herzlich dazu und empfehlen, im Anschluss an die Eröffnung beim Sommerfest des Atelier- und Galeriehauses Defet ordentlich darauf anzustoßen!

WANN: Wie immer zeitgleich zur Oechsner Galerie eröffnet „Hundun“ ebenfalls am Samstag, den 24. Juni, um 19 Uhr.
WO: Das Institut für moderne Kunst ist ebenfalls im Atelier- und Galeriehaus Defet in der Gustav-Adolf-Straße 33.

Ankündigungsbild für „Nachtstücke“ in der Galerie Bernsteinzimmer

Ankündigungsbild für „Nachtstücke“ in der Galerie Bernsteinzimmer

Dunkel und vielleicht auch ein wenig unheimlich wird’s am Sonntag im Bernsteinzimmer, wenn André Debus, Jan Gemeinhardt, Martin Fürbringer, Mathias Otto und Roger Libesch ganz Edgar Allan Poe-mäßig in düstere Nachtstücke eintauchen und es „tiefe und erlösende Nacht“ im Bernsteinzimmer werden lassen…
„Once upon a midnight dreary, while I pondered, weak and weary, 
Over many a quaint and curious volume of forgotten lore– 
While I nodded, nearly napping, suddenly there came a tapping, 
As of some one gently rapping, rapping at my chamber door. 
„‚Tis some visiter,“ I muttered, „tapping at my chamber door–
Only this, and nothing more.“ …“
Edgar Allan Poe

WANN: Die Nacht bricht am Sonntag, den 25. Juni, bereits um 17 Uhr an.
WO: Das Bernsteinzimmer ist in der Großweidenmühlstraße 11.

Benjamin Moravec: „sans titre“, 2017, Öl auf Leinwand, 190x150cm

Benjamin Moravec: „sans titre“, 2017, Öl auf Leinwand, 190x150cm

Der französisch-tschechische Künstler Benjamin Moravec war Meisterschüler von Ralph Fleck an der hiesigen Kunstakademie. Theatralisch, beinahe surreal, immer konstruiert und bühnenartig bewegen sich seine Gemälde am schmalen Grat zwischen Realität und Virtualität. Düstere, unheimliche Räume beherbegen auf einem staffeleiähnlichen Konstrukt ein „Bild im Bild“, auf dem eine strahlende, fast romantische Landschaft erscheint; in verwirrend faszinierenden Tableaus überlagern sich seltsame Raumgebilde mit dem Bild einer menschlichen Figur; Landschaftsdarstellungen werden durchbrochen von irritierenden Bildflächen. Moravec geht es dabei stets um „Wirkung von Bildern auf unsere Wahrnehmung von Realität“ und um die Untersuchung, wie Menschen mit der heutigen Masse an Bildern fertig werden.

WANN: Los geht’s am Donnerstag, den 29. Juni, um 19.30 Uhr.
WO: Die Galerie Sturm befindet sich in der Galgenhofstraße 33 in der Nürnberger Südstadt.

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