Münchner Kunstgriff
11.05. – 17.05.16

11. Mai 2016 • Text von

Ein Blick in die Zukunft im Kunstraum und Kapsel-Ausstellungen im Haus der Kunst. Eine Diskussion über Kunsträume in der RM Base und geopolitische Körper im Lenbachhaus. Fabelhafte Farbträume bei Ambacher Contemporary und ein Dialog zwischen Dichtung und Kunst bei  Häusler Contemporary. Viel los diese Woche in München.

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Spaces: Freie Kunsträume in Deutschland, ©Spaces.

Die Publikation „Spaces“ präsentiert eine Zusammenstellung unabhängiger Projekte und versammelt so 250 Kunsträume aus 41 Städten in einem Band. Das Buch dient dabei als Guide, Verzeichnis und Register und bildet so die Entwicklungen und die Dynamik unterschiedlicher junger Kunstszenen ab. Ateliers, Experimentierbühnen und Orte, an denen die Parameter der zeitgenössischen Kunst neu verhandelt werden. Am Mittwoch lädt nun die Herausgeberin Marina Gärtner gemeinsam mit der RM Base zu einer Diskussionsrunde. Mit Initiatoren der Räume Prince of Wales, RSTR#, des Kunstraums und des easy!upstream und Spreez soll über die Praxis freier Kunsträume in Deutschland.

WANN: Die Diskussion beginnt am Mittwoch um 20 Uhr.
WO: RM Base (Registratur/ erster Stock) Müllerstrasse 42, 80469 München.

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Jens Kabisch, I have seen the future, ©Kunstraum München.

Brauchen egalitäre Gesellschaften noch Bilder? Was könnte eine Ästhetik des Miteinanders ausmachen? Welche Rolle spielt Religion bei der Konstruktion von Gemeinschaften radikaler Gleichheit und Freiheit? Das Projekt „I have seen the future“ von Jens Kabisch versucht ab Mittwoch in einer Ausstellung und in Vorträgen komplexen Fragestellungen zu begegnen und die politischen und ethischen Dimensionen des Bildes zu ergründen.

WANN: Die Eröffnung findet am 11. Mai ab 19 Uhr statt, zu sehen ist die Ausstellung bis 19. Juni. Die Termine für die begleitenden Vorträge findet man hier.
WO: Kunstraum München, Holzstraße 10 Rgb., 80469 München.

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Jürgen Partenheimer, Inside the couds, it’s always deserted, 2015, Aquarell Tusche und Bleistift auf Papier, ©Häusler Contemporary.

Sitzen hundert Dichter in einem Raum, sagt der eine … Mit diesen Zeilen hätten wir es nicht unter die „One Hundred Poets“ geschafft, die Jürgen Partenheimer für seine gleichnamige Werkserie gewählt hat – selbst wenn wir den Flachwitz zu Ende gebracht hätten. Der Künstler hat nicht nur was übrig für Lyrik und Literatur, er kennt sich auch ziemlich gut aus damit.Wenn er mit seiner Arbeit in den Dialog mit der Dichtkunst geht, lässt Partenheimer sich durch den Impuls der Sprache inspirieren. Seine Werke tragen dann denkbar schöne Titel wie „Halbschatten, sonnenfleckig“ oder „Nelle vene del mundo“.So wie er ein Gedicht empfindet, bringt Partenheimer es zu Papier. Mit Tusche und Bleistift entstehen pastellige Miniwelten. Verträumt wirken die und gerade im richtigen Maß unvollständig. Die Werkserie ist noch nicht abgeschlossen, besser kann sie eigentlich kaum noch werden.

WANN: Die Eröffnung ist am 12. Mai, zu sehen bis 3. Juni.
WO: Häusler Contemporary, Maximilianstraße 35, 80539 München.

We can make it more than a dream, 2015 - 2016

Tomislav Nikolic, We can make it more than a dream, 2015 – 2016, Acryl, Marmor, Kupfer, ©Ambacher Contemporary.

Überreste gibt es beim Essen – da isst sie Papa oder das nächstbäuchige Familienmitglied. Es gibt sie beim Sterben, wo’s nicht mehr wirklich drauf ankommt, und im Portemonnaie, da sind sie sogar sehr entscheidend. Überreste gibt es ab Donnerstag auch bei Ambacher Comtemporary – und zwar im besten Sinne. „vestiges of now“ heißt die Ausstellung des Australiers Tomislav Nikolic.„Tomislav Nikolic“, denkt ihr, „den Namen hab’ ich doch schon mal gehört?“ Stimmt, so heißt nämlich auch der serbische Präsident. Der malt aber nicht so flächig-fabelhafte Farbträume wie unser Nikolic. Mit seiner Malerei sprengt er die Grenzen von Bilderräumen. Das sieht friedlicher aus, als es klingt.Elegant, aber nicht langweilig, so könnte man Nikolics Arbeiten beschreiben. Seine Farbkombinationen sind eigenwillig und laut, nie aber aufdringlich. Inspiration zieht der Künstler aus europäischer Philosophie. Seine Familie wanderte einst aus, nun kehrt er zurück.

WANN: Die Eröffnung ist am 12. Mai, ab 19 Uhr, zu sehen bis 16. Juli.
WO: AMBACHER CONTEMPORARY, Lothstrasse 78a, 80797 München.

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William Pope L., The Great White Way, 22 miles, 9 years, 1 street (Whitney version), 2001-2009, ©Pope. L. Courtesy der Künstler und Mitchell-Innes & Nash, NY Foto: Lydia Grey.

Die körperliche Haltung als politische Geste. Der Körper als Kampf- und Widerstandsmittel gegen Unterdrückung. Abstrakte geopolitische Interessen im Gegensatz zu intimen Körpern. Dokumentarische Realität und Fiktion. Anlässlich einer Kooperation mit dem Münchner DOK.fest hat das Lenbachhaus unter dem Titel „Geopolitik und Körper“ eine Filmreihe zusammengestellt. Die drei Positionen, die sich in ihren künstlerischen Ansätzen und in ihrer filmischen Form durchaus unterscheiden, untersuchen in ihren Arbeiten das Spannungsfeld zwischen privat und politisch. In  einer Performancedokumentation, einem abendfüllenden Film und einer Dokumentarreihe wird gezeigt, wie sich gesellschaftliche Konflikte an konkreten Körpern manifestieren. Alle Vorführungen finden ab Donnerstag im Georg-Knorr-Saal des Lenbachhauses statt, der Eintritt ist frei.

WANN: Die Screenings finden vom Donnerstag den, 12. Mai  bis Sonntag, den 15. Mai 2016 statt. Das Programm kann man hier einsehen.
WO: Städtische Galerie im Lenbachhaus, Luisenstraße 33, 80333 München.

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João Maria Gusmão & Pedro Paiva, Newtonʻs Monkey, Darwinʻs Apple, 2012, Chromogener Farbdruck, ©Galeria Fortes Vilaça, São Paulo; Galeria Graça Brandão, Lisboa; Sies + Höke, Düsseldorf; ZERO…, Mailand.

Das Format der Kapsel-Ausstellung im Haus der Kunst hat sich als Plattform für junge und internationale Kunst in den letzen Jahren etabliert. Nun schon zum dritten Mal wird jungen Künstlerinnen und Künstlern ab Donnerstag die Chance gegeben ihre künstlerische Produktion in einem institutionellen Rahmen zu präsentieren. Ab Donnerstag zeigen in der Kapsel 5 die beiden in Lissabon geborenen Künstler João Maria Gusmão und Pedro Paiva ihren neuen filmischen Werkkomplex, der in Japan entstand. Die 16mm-Filme werden im Loop gezeigt und sind stumm. In der Kapsel 6 zeigt Sara MacKillop subtile Arbeiten in denen die Künstlerin auf alltägliche Materialien wie Bürobedarf, Kugelschreiber, Umschläge und Faxpapier zurückgreift und auch  Materialien wie Kartons, Tapeten und Plattencover verwendet.

WANN: Die Kapsel-Ausstellungen werden am 12. Mai ab 19 Uhr eröffnet, die Arbeiten sind bis 18. September 2016 zu sehen.
WO: Haus der Kunst, Prinzregentenstraße 1, 80538 München.

 

Die Absätze zu den Ausstellungen bei Häusler Contemporary und Ambacher Contemporary erschienen bereits in der Mai-Ausgabe des Super Paper. Text: Anna Meinecke.

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