Open Art Spezial #1
Der Kunstherbst ist eröffnet

6. September 2016 • Text von

Auf das Sommerloch folgt der Kunstherbst. Und während mit ein paar warmen Tagen doch bitteschön noch zu rechnen ist, kann die dritte Jahreszeit in Sachen Ausstellungen eigentlich nicht früh genug anbrechen. Wie jedes Jahr zelebrieren die Münchner Kunstinstitutionen die neue Saison mit einem Wochenende geballter Großartigkeit. Ein Wochenende lang ist OPEN art.

Timotheé Talard: Lightboxes, 2015. Courtesy the artist and Galerie Gourvennec Ogor, Marseille/FR.

Timotheé Talard: Lightboxes, 2015. Courtesy the artist and Galerie Gourvennec Ogor, Marseille/FR.

Wir haben für euch in einem zweiteiligen „OPEN art Spezial“ die Ausstellungen gesammelt, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet. Einige haben bereits eröffnet, andere laufen erst an – alle sind ein Vergnügen.

Ambacher Contemporary

„I’m so bored with this place“ – es sind keine besonders einladenden Worte, mit denen Timothée Talard auf seine erste Ausstellung bei Ambacher Contemporary verweist. Keine Sorge, es wird wohl nicht München gemeint sein.

Tatsächlich trägt auch einer von Talards Lichtkästen den entsprechenden Schriftzug. Wieder andere erzählen von der Stille, der Dunkelheit und Schreien in der Ferne. Was aussieht, wie mal kurz hingesprayt, ist wohl überlegt.

Es ist das erste Mal, das Talards Arbeiten in Deutschland zu sehen sind. Im Gepäck hat der Franzose Stücke, mit denen er bereits in seinem Heimatland und in Südkorea die Kunstszene begeistern konnte. Neben den „LightBoxes“ sind das etwa monochrome Gemälde, die im Vorbeigehen auf einmal gar nicht mehr so einfarbig wirken wollen.

Divided Lake (Aleppo Map), 80-90 x2  (oil and graphite on polyester 2016) © Joos Colpaert.

Divided Lake (Aleppo Map), 80-90 x2 (oil and graphite on polyester 2016) © Joos Colpaert.

Galerie Karin Sachs

Stille Wasser sind tief, sagt man ja. Frei nach Rutger Kopland, einem holländischen Dichter, könnte man dem ollen Spruch einen smarten Nebensatz anbei stellen: Aber nur in klarem Wasser sieht man die Tiefe. In etwa so heißt die Ausstellung seines Landsmanns Joost Colpaert bei Karin Sachs.

Mit Malerei übersetzt Colpaert die Naturgewalt Wasser. Seine Arbeiten erinnern an Landkarten oder an den Blick aus dem Flugzeug, bevor die Maschine durch Wolkendecke bricht. Aus Tropfen werden bei ihm Flüsse, werden Seen, wird das Meer. Immer wieder tauchen Eimer auf, die sich auf den zarten Linien in den Vordergrund drängen.

Wer auf den Grund eines Gewässers taucht, der sucht – eine Antwort, eine Erklärung, etwas. Auch in Colpaerts Bilder kann man tauchen, wenngleich nur mit dem Blick. In den Mustern seiner Arbeiten kann man sich verlieren, vielleicht lässt sich auch etwas finden.

Carsten Fock: "Ohne Titel", Öl- und Filzstift auf Papier, 29 x 21 cm.

Carsten Fock: „Ohne Titel“, Öl- und Filzstift auf Papier, 29 x 21 cm.

Galerie Karl Pfefferle

Nicht nur ein Bild, gleich ein ganzes Bildereignis verspricht die Galerie Karl Pfefferle, wenn sie von Carsten Fock schwärmt. Tatsächlich ist seine Malerie eine verdammt explosive Kiste: knallbunt, energetisch, mit Tiefgang.

„Lives and works in Munich“ heißt die Ausstellung. Mit dem Titel hat sich der noch ziemlich frisch Zugezogene Fock schon mal taktisch in die Herzen seiner neuen Nachbarn gespielt. Die selbstverständliche Coolness seiner Arbeiten tut ihr Übriges.

Wenn Fock seine Werke mit Text versieht, will er nicht einfach abbilden. Genauso wenig wie seine Gestik als abstrakt im klassischen Sinn verstanden werden soll. Es gelingt ihm, den Blick des Betrachters zu öffnen. Damit bleibt Fock am Zahn der Zeit, ohne zeitgeistig zu wirken.

Frank Balve: "Menschenleer", Installationsansicht. Foto: Felix Hörhager

Frank Balve: „Menschenleer“, Installationsansicht. Foto: Felix Hörhager

MaxWeberSixFriedrich

Ein Rettungsboot das niemanden retten kann, weil die Querbalken der Bänke so eng angebracht sind, dass das Platznehmen unmöglich wird. Solche Arbeiten sind ganz typisch für Frank Balve. Sie wirken bedrohlich.

„Menschenleer“ heißt die Installation, mit der Balve bei MaxWeberSixFriedrich vertreten ist. Sie setzt sich aus einzelnen Werken zusammen, die zwar für sich stehen können, dem Besucher aber erst in ihrer Gesamtheit einen Erfahrungsraum öffnen.

Per Videoinstallation rauscht die Gischt, auf den Bildern an der Wand weiße Leere. Ganz subtil erschleicht sich Balve das Unbehagen seiner Zuschauer. Seine Trostlosigkeit ist nicht öde, sondern regt zum Nachdenken an.

WANN: Freitag, der 9. September: 18-21 Uhr, Samstag, der 10. September: 11-18 Uhr, Sonntag der 11. September: 11-18 Uhr; Führungen finden am Samstag und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr statt.
WO: Überall in München. Eine Übersicht aller teilnehmenden Institutionen findet ihr hier.

Der Beitrag erschien bereits in der September-Ausgabe des Super Paper.

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