Hamburger Kunstgriff
30.06. - 06.07.2016

30. Juni 2016 • Text von

Was haben Hamburg und Singapur gemeinsam? Richtig, die beiden schweineteuren Stadtstaaten haben einen Freihafen! Anstatt jedoch wie in Singapur Kunst im zollfreien Raum hinter Stahlbeton und Sicherheitsschleusen abzuschotten, stehen in Hamburg diese Woche alle Türen offen.  

Altonale18, Kunst im Schaufenster © Sibylle Mayr

Altonale18, Kunst im Schaufenster © Sibylle Mayr

Wie versprochen versorgen wir euch zunächst mit Informationen zur altonale18. Dieses Jahr findet sie zum ersten Mal gemeinsam mit STAMP, dem internationalen Festival der Straßenkünste, statt. Während der Festivals gibt es jeden Tag unterschiedlichste Veranstaltungen von Kunst über Theater bis hin zum klassischen Konzert zu bestaunen. Diesjährige Partnerstadt ist übrigens Maltepe, ein Bezirk Istanbuls und wie es der Zufall will: ebenfalls am Wasser.

Offener kann sich Kunst nicht präsentieren, denn die Altonale verwandelt einen halben Stadtteil in eine Open Air-Galerie. Beispielsweise könnt ihr euch bei „Kunst im Schaufenster“ Beiträge sowohl etablierter als auch unbekannter Künstler zu den Themen Flucht und Hoffnung  ansehen. Chrisdian Wittenburg vom Künstlerhaus Frise führt durch die Straßen zu ausgewählten Schaufenstern und vermittelt Hintergrundwissen zur gezeigten Kunst, den Künstlern und den Ideen, die ihren Beiträgen zugrunde liegen.

WANN:  Der Rundgang startet am 04. Juli um 18 Uhr. Die Altonale geht noch bis zum 17. Juli.
WO:  Mercado (vor Fielmann), Ottenser Hauptstraße.

Lisa Klosterkötter: o.T. Rauminstallation mit 110 Collografien © Lisa Klosterkötter

Lisa Klosterkötter: o.T. Rauminstallation mit 110 Collografien © Lisa Klosterkötter

Auf der anderen Seite der Alster heißt man euch ebenfalls willkommen. Die aktuelle Ausstellung im Elektrohaus zeigt unter der sehr zeitgeistigen Überschrift http://jetzt Arbeiten von Aarum Altorre, Janne Blum und Lisa Klosterkötter, kuratiert von Daniel Boder, Henrike Flug & Philipp Schuisdziara.

Die zentralen Gedanken Miteinander und Selbstverständnis werden sowohl in klassischen als auch modernen Variationen bearbeitet; digital, durch Bässe und Höhen und analog, auf Karton und Papier. Von Lisa Klosterkötter werden Collografien gezeigt, diese Tiefdrucktechnik hat die Künstlerin selbst entwickelt. Primärer Gegenstand ihrer Arbeiten sind die Menschen denen sie im Alltag begegnet, deren Beziehungen zueinander sowie zum Betrachter ihrer Arbeiten.

WANN: Schon heute, von 19 bis 23 Uhr.
WO: Elektrohaus, Pulverteich 13.

Browsky Palace in der Speckstraße © Galerie der Villa | Fred Dot

Browsky Palace in der Speckstraße © Galerie der Villa | Fred Dott

Auch Rüdiger Frauenhoffer flicht in seine fiktiven Erzählstränge persönliche Beziehungen ein. Sein „Gedankengang“ ist ein Gefüge von kleinen Geschichten, das einem riesigen Netz mit tausenden Knoten gleicht. Auf der Brache vor der Galerie erzählen Adelaida Cue Bär und Konstanze Habermann in ihrer Installation „Browksy Palace“ die ebenfalls fiktive, beinahe schon fantastische Geschichte des ehemaligen Bewohners des Wohnwagens, dem Clown Browsky, seiner dreiarmigen Frau und ihrer Hunde. Selbst wer letztes Jahr auf dem Artville gewesen ist, wird sich an dem im Wagen verstreuten Kleidungsstücke, Fotografien und alltäglichen Gegenständen kaum sattsehen können.

Diese beiden Perspektiven auf das Geschichtenerzählen sind Teil des Ausstellungsprojekts „mixed company – mixed places„. Der Titel steht für die angestrebte Vernetzung unterschiedlicher Personen und Orte. An fünf verschiedenen Orten wird gesellschaftliche Empathie thematisiert, soll ausgelotet werden, was Gemeinschaft heute bedeutet, wie sie sich bildet und wo sie sich abgrenzt. Geführte Rundgänge durch alle Ausstellungen und places finden am Freitag, den 01. Juli und am Donnerstag, den 07. Juli, jeweils 18 – 20 Uhr statt und starten am Krayenkamp 10/11, 20459 Hamburg.

WANN: Die Erzählungen des vierten Ausstellungsortes werden euch vom 25. Juni bis 15. Juli, immer Mittwoch bis Sonntag von 14 bis 19 Uhr dargeboten.
WO: Galerie Speckstraße im Gängeviertel, Speckstr. 83-87. 

Atelier Arne Lösekann | Arbeitstisch Videokamera

Atelier Arne Lösekann | Arbeitstisch Videokamera

Zu guter Letzt öffnen 100 Künstler und Künstlerinnen in und um Hamburg ihre Ateliertüren und laden euch zu sich ein. Ob in die Gartenlaube oder ins Künstlerhaus, im gesamten Stadtgebiet könnt ihr euch während der Offenen Ateliers des Berufsverbands Bildender Künstler mit Künstlern unterschiedlicher Generationen und Szenen zu ihrer Arbeit, ihren Techniken und Themen austauschen.

Auf der Seite des BBK findet ihr individuelle Details zu den teilnehmenden Künstlern.

WANN:  Die Tage der offenen Türen sind der 02. & 03. Juli, jeweils von 12 bis 18 Uhr.
WO: Einen Lageplan aller teilnehmender Ateliers findet ihr hier

PS: Falls euch der Singapore Freeport nichts sagt, sei euch dieser Kunstkrimi ans Herz gelegt.

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