Berliner Kunstgriff
27.06.-04.07.17

27. Juni 2017 • Text von

Im Sommer blühen die Blumen, im Sommer fliegen die Schmetterlinge. In Berlin duftet es nach blühenden Linden. Künstler widmen sich der Natur, deren inspirierender Schönheit und politischer Dimension.
Ach, wenn jetzt Sommer wär‘.

Foto: Paul-Armand Gette, Exotik als Banalität, 1980. Courtesy of the artist and daad Galerie.

Unter freiem Himmel am Checkpoint Charlie befindet sich die Ausstellung „Topografie des Terrors“. Nur wenige Meter von der ehemaligen Mauer entfernt, erzählen Schautafeln und Steine die Geschichte dieses Ortes, an dem während des 3. Reichs die Geheime Staatspolizeiamt, die Reichsführung-SS, der Sicherheitsdienst der SS und auch das Reichssicherheitshauptamt ihren Sitz hatten. Ende der achtziger Jahre entwickelte das Künstlerduo Helen Mayer Harrison und Newton Harrison einen Vorschlag für die Nutzung des Areals als Gedenkstätte. Unmittelbar neben der Mauer imaginierten sie Blumen auf den Trümmerbergen. Die ersten Entwürfe für das Langzeit-Projekt werden ab Mittwoch, den 28. Juni, in einer Gruppenausstellung in der daad Galerie gezeigt. Unter dem Titel „Parlament der Pflanzen“ werden künstlerische Werke aus der jüngsten Vergangenheit und Gegenwart ausgestellt, die sich mit der politischen Dimension von Pflanzen auseinandersetzten.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Mittwoch, den 28. Juni, um 19 Uhr.
WO: daadgalerie, Oranienstraße 161, 10969 Berlin. Alles weitere hier.

Foto: Thomas Goerge & Kéré Architecture. 

Tag darauf eröffnet im Norden der Stadt eine weitere Ausstellung, die sich ebenfalls mit der Beziehung von Kunst und Natur beschäftigt. Christoph Schlingensief gründete 2009 das „Operndorf Afrika“ als einen Ort der Begegnung internationaler Künstler in Burkina Faso, Westafrika. Der 2010 verstorbene deutsche Künstler und Theatermacher initiierte auf einem von der Regierung bereitgestellten Gelände das erste Künstler-Residenz-Programm Westafrikas. Heute umfasst es stolze 23 Gebäude, darunter eine Schule, eine Krankenstation und mehrere Wohnhäuser. Eine vierwöchigen Ausstellung im EIGEN+ART Lab ermöglicht einen Einblick in die Lebens- und Arbeitswelt des Dorfes: In einer aus 16 Stapelmonitoren bestehenden Installation werden verschiedenen Facetten des Operndorfs und dessen Bewohner gezeigt, sowie vor Ort entstandene Arbeiten von Tobias Dostal und Rouamba Maxime Wendyam präsentiert.

WANN: Das Opening findet am Donnerstag, den 29. Juni, ab 21 Uhr, statt.
WO: EIGEN + ART Lab, Torstraße 220, 10115 Berlin. Das genaue Programm gibt‘s online.

Friedrich Kunath: „I’m someone else now“, 2014. Lightbox of aluminium, varnished, acrylic glass, adhesive foil. Courtesy the artist and BQ, Berlin.

Die ganze Pracht der Natur in den Sommermonaten beschreibt auch der französische Diplomat und Literaturnobelpreisträger Jean-Paul Perse in seinem Textband „Anabasis“, der 1920 in einem abgelegenen und verlassenen taoistischen Tempel nahe Peking entstanden ist. Die eindrucksvolle Vita und poetischen Texte von Perse bilden den gemeinsamen Referenzpunkt der Ausstellung „L’été plus vaste que l‘empire“ bei WENTRUP und WNTRP. Über die Sommermonate ist dort eine sehr heterogene Mischung von Kunstwerken versammelt, die sich mit der Leichtigkeit und den Farben des Sommers in Verbindung bringen lässt. In dem Stammhaus der Galerie findet im Anschluss an die Eröffnung ein Sommerfest statt.

WANN: Die Ausstellung eröffnet am Freitag, den 30. Juni, zwischen 18 und 21 Uhr.
WO: WNTRP, Potsdamer Straße 91, 10785 Berlin, und WENTRUP, Tempelhofer Ufer 22, 10963 Berlin. Details hier.

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