Berliner Kunstgriff
20.09. – 27.09.16

20. September 2016 • Text von

Die Berliner Kunstszene ist unbarmherzig und erlaubt keine Verschnaufpause nach den Strapazen der letzten Woche. Kaum hat sich die ausgelassene Stimmung gelegt, werden ernste Themen angesprochen:
Abstraktion, Bildung und Identität.

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Rena Raedle & Vladan Jeremić: Radnicki Kolektiv / Workers’s Collective, Bor, Serbia, 2013. Courtesy of the artist and DISTRICT Berlin.

Raum ist das Schlagwort des ersten Teils der neuen Ausstellungsreihe von District Berlin. Die Location am Südkreuz ist bekannt dafür, die Schnittstelle von Wissenschaft und Kunst zu untersuchen. So auch in ihrer neuen Serie „Undisciplinary Learning“: Im Mittelpunkt steht die Frage nach Möglichkeiten der Selbstbildung und der selbstbestimmten Aneignung von Kunst und Kultur. Wie manifestieren sich aktuelle Wissenspolitiken in der künstlerischen, politischen und pädagogischen Praxis der heutigen Zeit? Die erste Ausstellung bezieht sich auf die proletarische Arbeiterinnenbildung als Teil einer Widerstandskultur Anfang des 20. Jahrhunderts. Anhand von 16 individuellen künstlerischen Positionen soll das Verhältnis von Künstler und Arbeiter erforscht werden. Die solidarische Zusammenarbeit der teilnehmenden Künstler mit Fabrikarbeitern aus Istanbul, Migranten aus Hongkong und mexikanischen Ureinwohnern steht exemplarisch für die Dekonstruktion von Sprache und Buch als heilige Stätten westlichen Wissens. 

WANN: Am Donnerstag, den 22. September, wird um 19 Uhr die Ausstellung eröffnet und um 20 Uhr findet eine Performance von Ha Za Vu Zu mit dem Free Kazova Textile Cooperative Istanbul statt.
WO: District Berlin in der Malzfabrik, Bessemerstraße 2-14, 12103 Berlin. Online hier.

Gemälde / Öl auf Leinwand (1913) von   Ernst Ludwig Kirchner [1880 - 1938]   Bildmaß 76 x 100 cm  Inventar-Nr.: B 133  Person: Ernst Ludwig Kirchner [6.5.1880 - 15.6.1938], Deutscher Grafiker und Maler des Expressionismus, Gründungsmitglied der Künstlergruppe "Die Brücke"  Systematik:   Personen / Künstler / Kirchner, Ernst Ludwig / Werke

Ernst Ludwig Kirchner: Badende am Strand (Fehmarn), 1913. Öl auf Leinwand, 76 x 100 cm. © bpk / Staatliche Museen zu Berlin, Nationalgalerie / Jörg P. Anders.

Seit dem Kunst-Leistungskurs ist der Name Ernst Ludwig Kirchner jedem ein Begriff. Die Bilder des bayrischen Malers gehören zum kleinen Einmaleins des Expressionismus. Seine Straßenszenen und Porträts stellen ein eindrucksvolles Zeugnis des Berlins der 20er Jahre dar und sind symptomatisch für die Isolation des Menschen in der Großstadt. In der Neuen Galerie im Hamburger Bahnhof sind in den kommenden sechs Monaten 17 Werke des Künstlers zu sehen, die sich in der Sammlung der Neuen Nationalgalerie befinden. Unter dem Titel „Ernst Ludwig Kirchner: Hieroglyphen“ werden Bilden aus den unterschiedlichen Schaffensphasen des Künstlers ausgestellt, welche neben Fotografien, Büchern und Zeichnungen die kulturelle Aufgeladenheit seiner malerischen Zeichensprache verdeutlichen.

WANN: Die Ausstellung eröffnet ebenfalls am Donnerstag, den 22. September, um 19 Uhr.
WO: Neue Galerie im Hamburger Bahnhof, Invalidenstraße 50-51, 10557 Berlin. Alles weitere hier.

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She She Pop: 50 Shades of Shame. Ein Bilderbogen nach Wedekinds „Frühlings Erwachen“. Foto: Benjamin Krieg.

Das HAU – Hebbel am Ufer überlässt seine Bühne diese Woche den Performancekünstlern von She She Pop, einem Frauenkollektiv mit männlichen Mitgliedern. Die Gruppe fand sich beim gemeinsamen Theaterwissenschaftsstudium in Gießen und präsentiert nun ihre Produktion „50 Shades of Shame“ in Berlin. Auf der Suche nach einem kollektiven Körperbild entwickelte She She Pop ein neues szenisches Format: Verschiedene Akteure inszenieren sich auf großen Schautafeln, die Kameraaufnahmen werden übereinandergelegt und so zu einem eigenständigen Körper zusammengesetzt. Das entstehende Bild ist eine Absage an die individuellen Körpergrenzen, das Alter, das Geschlecht, die eigene Scham und die mühsam errungene sexuelle Identität der einzelnen Performer.

WANN: Mittwoch bis Sonntag, jeweils um 20 Uhr. 
WO: HAU1, Stresemannstr. 29, 10963 Berlin. Tickets gibt es online.

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