Berliner Kunstgriff
19.12. - 26.12.17

19. Dezember 2017 • Text von

Silent Night … Auch in Berlin nähert sich die friedliche Stille der Weihnachtsfeiertage. Was lohnt sich vor den Feiertagen also noch? Ferdinand Schmalzs neuer Text „schlammland gewalt“ feiert Premiere im Deutschen Theater, die LOOCK Galerie zeigt komplexe Realitäten und bei Barbara Weiss geht es musikalisch zu.

Olga Wäscher, Caner Sunar, Thorsten Hierse, Sebastian Deufel (von links), Foto: Josua Rösing, courtesy Deutsches Theater Berlin.

Ferdinand Schmalz heißt eigentlich Matthias Schweiger. Er erfindet gerne Kunstfiguren. Dieses Jahr hat er den renommierten Ingeborg-Bachmann-Preis gewonnen. Seine Texte sind rhythmisch und intensiv. Auf der Bühne können wir sie weder hören noch sehen. Wir erleben sie. Schauplatz des neues Prosatextes „schlammland gewalt“ ist ein Bierzelt. Hier brodelt hoch, was einst sorgsam versteckt. Die Realität ist brutal. Wir wissen das und leben damit. Ferdinand Schmalz schreibt über die Alltäglichkeit und Normalisierung von Gewalt. Seine Texte machen dabei einen Spagat. Sie sind ernst, aber eben auch lustig. Vielleicht tut das ja ganz gut, sich auch mal lustig machen. Ja über was denn eigentlich – pssst – wir reden ja nicht drüber. 

WANN: Die Uraufführung ist am 22. Dezember 2017 um 20.30 Uhr, mit anschließender Premierenparty in Bar und Foyer. Weitere Termine sind der 7. und 24. Januar 2018. Tickets gibt es hier
WO: Box, Deutsches Theater, Schumannstraße 13, 10117 Berlin.

Alec Soth, Sharing Smoke. St. Paul, Minnesota, 1996, courtesy Loock Galerie, © Alec Soth.

In der Gruppenausstellung bei LOOCK trifft urbanes Leben auf landschaftliche Leere. Eine Landschaft, die bei Ulrich Wüst (*1949) nie wirklich leer ist. Sie zeugt von Geschichte, von menschlicher Einwirkung. In seinen fotografischen Serien beschäftigt sich Wüst mit ostdeutscher Kultur und Geschichte. Er verzichtet dabei auf die unmittelbare Darstellung von Menschen. Anders die Fotografien von Alec Soth (*1969). Zu sehen ist die  Serie „Looking for Love“ (1996). Soths Landschaften sind menschlicher Natur. Sie zeugen von der Suche nach zwischenmenschlicher Nähe und Liebe. Die Momentaufnahmen der beiden Fotografen sind sich plötzlich auffallend ähnlich. Beide faszinierend und (un)menschlich komplex. Irgendwie dazwischen – sowohl inhaltlich wie auch technisch – ist Natalia Stachon (*1976) mit ihren neuen Zeichnungen aus der Serie „The History of Aberrations“ (2014-2017). Die ebenfalls in schwarz/weiß gehaltenen Zeichnungen nach Fotovorlage ähneln Filmstills. Bezogen auf den ganzen Film ist das Filmstill ein Fragment. Und zu jedem Fragment gehört eine Geschichte.

WANN: Die Ausstellung schließt am Mittwoch, den 20. Dezember 2017.
WO: LOOCK Galerie, Potsdamer Straße 63, 10785 Berlin.

Harun Farocki und die Musik, Ausstellungsansicht, courtesy the artist and Galerie Barbara Weiss, Berlin.

Harun Farocki ist Filmemacher. Wie wichtig und besonders Musik in seinen vielen, formal so unterschiedlichen Filmen ist, zeigt die Ausstellung „Harun Farocki und die Musik“ in der Galerie Barbara Weiss. Dabei ist die Musik experimentell, referenziell, kommentarisch, ohne jemals rein untermalend zu wirken. Sie agiert als eigenständig kritischer Strang innerhalb der Filme. In „White Christmas“ beispielsweise geht Farocki den Weg der Kritik via Popkultur. Er konterkariert Bing Crosbys berühmtes Weihnachtslied „White Christmas“ mit Aufnahmen des Vietnamkriegs. Das war 1968 brisant und ist es heute ebenso. Vor allem jetzt kurz vor Weihnachten, wenn sich Nachrichten aus Krisengebieten mit weihnachtlicher Dauerbeschallung im Radio abwechseln. Musik ist weit mehr als Unterhaltung, sie wird gezielt zur Manipulation der Sinne eingesetzt. Bildregime, Montageverfahren und musikalische Stimmungseffekte sind wiederkehrende Themen in Farockis Filmen, deren Wirkung wir bei näherer Betrachtung schnell auch in der realen Welt erkennen können.

WANN: Die Ausstellung schließt am Donnerstag, den 21. Dezember 2017.
WO: Galerie Barbara Weiss, Kohlfurter Str. 41/43, 10999 Berlin.

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