Berliner Kunstgriff
14.08. - 20.08.18

14. August 2018 • Text von

Ein bisschen Performance gefällig? Bei Amy Ball geht es um geschlechtliche Kodierungen, die Summer School von Chto Delat endet im Gefecht der Theorien und Birgit Auf der Lauer & Caspar Pauli erkunden für die Neuen Berliner Räume die Vielschichtigkeit der Hintertreppe. 

Amy Ball, WROL, 2018. Photo: Viviana Abelson.

Amy Ball (*1987, Dawson City, Kanada) verändert ihre Arbeiten je nach Kontext und architektonischem Umfeld gerne neu. In ihrer neuen Performance im Haus am Lützowplatz thematisiert sie Geschlechterrollen jenseits von binären Strukturen wie maskulin-feminin oder öffentlich-privat. Als räumliche und gedankliche Erweiterung dient ihr dabei eine neue Videoarbeit, in der eine geschlechtlich nicht eindeutig zuweisbare, maskierte Figur eines Motorcross Fahrers mit der Weite der kanadischen Landschaft in Dialog tritt. Amy Balls künstlerische Praxis bewegt sich zwischen Sound, Skulptur, Performance und Video sowie Sprache und Text. Die Performance findet im Rahmen des von Adela Yawitz and Anna Gien kuratierten Projekts ASSEMBLE statt. Das Projekt lädt Künstler*innen ein, ortsspezifische Arbeiten für Berliner Institutionen zum Thema Körper und Identitätsbildung im öffentlichen Raum zu entwickeln.

WANN: Die Performance beginnt am Freitag, den 17. August um 19 Uhr.

WOHaus am Lützowplatz, Lützoplatz 9, 10785 Berlin-Tiergarten.

Chto Delat, Learning Play – Go and Stop Progress. Courtesy the artist.

„Go and stop the progress“, die in Kollaboration mit Vierte Welt laufende Summer School von Chto Delat endet am 17. August mit einer Art Lernstück, einem Theaterstück in Brechtscher Tradition. Ausgangspunkt des Kurses war der Begriff des Fortschritts. Im Laufe dessen und während der Performance werden unterschiedliche Theoriemodelle einander gegenübergestellt und in Bezug auf ihr Vermögen, Widerstand zu leisten und alternative Lebenswelten zu kreieren, praktisch angewandt. Politische Strömungen wie der Akzelerationismus oder das Konzept des „Kapitalistischen Kommunismus“ zielen auf die Zerstörung des kapitalistischen Systems durch eine rasante Beschleunigung der von Natur aus destruktiven technischen Mittel der Moderne. Demgegenüber stehen Widerstandsperspektiven aus der Kosmosgenie oder tradierte, einheimische und ortsspezifische Wissensformen. Beiden gemein ist die Absage an den Fortschrittsanspruch westlicher Gesellschaften. Das in St. Petersburg gegründete Kollektiv entstand aus dem Willen heraus, politische Theorie praktisch in Austausch von Kunst und Aktivismus zu denken. Seine Mitglieder setzen sich zusammen aus Künstler*innen, Choreograph*innen, Philosoph*innen und Autor*innen.

WANN: Die Performance dauert ca. drei Stunden und beginnt am Freitag, den 17. August von 19 Uhr.

WO: VIERTE WELT, Kottbusser Tor im Zentrum Kreuzberg, Galerie, Adalbertstraße, 10999 Berlin. Eine genaue Wegbeschreibung findet Ihr hier.

Abb. Benjamin Busch.

Seit 2011 existieren die Neuen Berliner Räume als kuratorische Initiative ohne festen Arbeits- oder Ausstellungsort. Frei nach dem Motto „die Stadt als Spielplatz“ werden so temporär immer wieder neue (städtische) Räume erschlossen und mit ortsspezifischen künstlerischen Interventionen bespielt. Im Rahmen des Project Space Festivals finden über den gesamten August hinweg täglich Ausstellungen und Veranstaltungen in verschiedenen Berliner Projekt- und Ausstellungsräumen statt. Für die Neuen Berliner Räume schaffen die Künstler*innen Birgit auf der Lauer und Caspar Pauli die Arbeit „Stufen“ zur Spezifität der Hintertreppe. Architekturgeschichtlich im ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhundert verankert, ist die Hintertreppe eng mit dem bourgeoisen Anspruch verbunden, sich auch durch die Bauweise des Privathauses zu repräsentieren. Rückgrat dieses Unternehmens war mitunter die Hintertreppe, über die das Personal, „hinter“ den Kulissen des Repräsentationsspiels auf und ab eilte. Ebendieser Parallel-Kosmos, seine sozialen und gesellschaftlichen Implikationen sind Thema der Arbeit.

WANN: Am Sonntag, den 19. August, zwischen 12 und 20 Uhr gibt es die Möglichkeit, sich für ein Zeitfenster anzumelden. 

WO: Der Ort wird erst nach Anmeldung unter info@neueberlinerraeume.de bekannt gegeben.

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