Kunst in Quarantäne #7
Schampus-Geister und virtuelle Waldluft

28. April 2020 • Text von

Wenn die Besucher*innen ausbleiben, wird die Vernissage eben zum Geister-Event – jedenfalls bei Ruttkowski;68, wo man sich die Laune nicht verderben lässt und einfach weiter macht. Finden wir gut, genauso wie virtuelle Waldspaziergänge, VR-Gärten und absurde Kunstfilme.

Installationsansicht der Ausstellung "CONTEMPLATIO" kuratiert von gallerytalk.net Autorin Barbara Green. Hier im Bild Arbeiten von Birte Bosse, Susanne Bonowicz, Frederike von Cranach, Manfred Peckl und Meike Kenn.

Birte Bosse, 2019, Le Squad / Susanne Bonowicz, 2020, Around here 5 / Frederike von Cranach, 2019, Liquid silence / Manfred Peckl, 2014, Kunst im öffentlichen Traum / Meike Kenn, 2019, Rauschen / Bild Adam Naparty / © Green/Naparty.

Gerade eröffnen ja viele Online-Ausstellungen. Diese aber liegt uns besonders am Herzen. Kuratiert hat sie nämlich Barbara Green, deren „SOLID GOLD“-Interviews ihr hier sicherlich schon gelesen habt. „CONTEMPLATIO“ soll eine direkte Reaktion auf die aktuelle Krisensituation sein. Keine Ausstellung allein wird die finanziellen Einbußen wiedergutmachen, mit denen Künstler*innen in den vergangenen Wochen umgehen mussten. Mehr Präsenz ist ein Weg, dem Schaden zu begegnen und einen postiven Mehrwert zu schaffen. So gehören zu „CONTEMPOLATIO“ Studio-Visits, Performances und Gespräche mit den teilnehmenden Künstler*innen – ihr ahnt es per Stream über Instagram. Eröffnung ist am Donnerstag, den 30. April, um 18 Uhr direkt auf der Website zu „CONTEMPLATIO“. Für Besucher*innen der Ausstellung wird es zwischen 18 Uhr und 19 Uhr die Möglichkeit geben, über einen Live-Chat mit den Künstler*innen ins Gespräch zu kommen. Ihr habt bis zum 31. Juli Zeit, euch die Show anzugucken.

VR-Kunst in der Synthesis Gallery

Pastor/Placzek: „I Never Promised You A Garden“ © Pastor/Placzek

Na, welcher Garten Typ seid ihr? Habt ihr es lieber wild, bunt oder blühend? Bienen überall und Schmetterlinge, die sich euch kichernd auf die Nase setzen? Oder lieber massiv, grau, Beton, ein wenig morbid und ohne nervige Tiere? Mit „I Never Promised You A Garden“ von Pastor/Placzek habt ihr die Wahl. Die Synthesis Gallery ermöglicht Virtual-Reality-Quarantäne im Lieblingsgarten. Am Mittwoch, den 29. April, könnt ihr um 18 Uhr über die Facebook-Seite der Galerie gemeinsam mit den Künstler*innen und Kuratorin Juliette Bibasse durch Ausstellung streifen. Außerdem könnt ihr euch über Zoom dazu schalten.

Der Tipp kommt von Lynn Kühl.

Die Ausstellungsdankündigung für "Mixed Pickles 7" in der Galerie Ruttkowski;68 in Köln zeigt Gespenster mit Sektglas in der Hand, gemalt von Stefan Marx.

Stefan Marx für Ruttkowski68.

Stell dir vor es ist Eröffnung und keiner geht hin. Genau so soll und wird es laufen, wenn in der Galerie Ruttkowski68 in Köln zum siebten Mal die Ausstellungsreihe „Mixed Pickles“ eröffnet. Es ist die sogenannte „Ghost Edition“. Und damit das alles nicht so furchtbar traurig klingt, ja, vielleicht auch weil die ganze Sache gar nicht so furchtbar ist, werben sich beglückt zuprostende Gespenster für die Show. 29 Künstler*innen – darunter Arno Beck, Richie Culver, Milen Till, Carolin Eidner und natürlch Stefan Marx – werden mit 29 Arbeiten vertreten sein. Online wird es die Ausstellung zu begutachten geben – klar. Wer mag, darf sich aber auch anmelden und persönlich vorbeikommen.

Der Tipp kommt von Anna Meinecke.

Antje Majewski: Der Wald, 2019, Video Still. Courtesy the artist und OnLife.

Es singt und klingt im Unterholz in Antje Majewskis Videoarbeit „Der Wald“ (2019) – ein Aufatmen der Natur in Zeiten des Stillstands? „OnLife“ ist die digitale Reaktion verschiedener Künstler*innen auf die Veränderungen unserer Lebensumstände, auf die Möglichkeiten und Einschränkungen, die die aktuelle Situation mit sich bringt. Das von Giacomo Zaganelli und Angelika Stepken ins Leben gerufene Kunstexperiment wurde binnen weniger Tage konzipiert und ist auf der Website der Villa Romana abrufbar. Entstanden ist eine vielschichtige Online-Ausstellung, die Kunstschaffenden wie Mischa Leinkauf, Nasan Tur und Rosa Barba die Möglichkeit gibt, ihre Überlegungen und Zukunftsvisionen im digitalen Raum zu teilen. Wir gehen dann mal wieder virtuelle Waldluft schnuppern!

Der Tipp kommt von Julia Meyer-Brehm.

Sergej Parajanov: „Shadows of Forgotten Ancestors“, 1964, film still. Courtesy of the Parajanov-Vartanov Institute.

Das Meisterwerk Parajanovs habe wir hier bereits angekündigt. Wem’s gefallen hat, der darf sich in Woche 7 des Lockdowns dieses weitere Schätzchen des Regisseurs zu Gemüte führen. „Shadow of Forgotten Ancestors“ (1964) wurde vier Jahre vor „The Colour of Pomegranates“ gedreht, überzeugt allerdings gleichfalls durch Bildgewalt, innovative Kameraeinstellungen und ein erfrischendes Maß an Absurdität. Der Film ist ebenfalls über verschiedene Streaming-Dienste erhältlich.

Der Tipp kommt von Christina-Marie Lümen.

Courtesy of National Portrait Gallery, London.

Zwei Fliegen mit einer Klappe: Solltet ihr die digitalen Angebote der inländischen Museen mittlerweile durchhaben, wird es Zeit für eine Horizont-Erweiterung. Das Maß an Fernweh wird dabei auch gestillt. Die National Portrait Gallery in London hat ihre Sammlung durch verschiedene Formate online zugänglich gemacht und lädt ein zu einer Reihe von „strange encounters“. Unterhaltsame Bildung in Kunst-/Geschichte.

Der Tipp kommt von Christina-Marie Lümen.