We Are Open

9. April 2016 • Text von

Michael OseiAmpadu ist Fotograf mit Passion für’s ReisenUnd wie sich das gehört, bringt er von seinen Reisen auch Souvenirs mit in die Heimat – wie zum Beispiel das Format „Open Show“. Aus San Francisco hat er die interaktive Fotoausstellung nach Hamburg gebracht und daraus sein Ding gemacht.

Die Open Show hat mit der klassischen Fotoausstellung wenig gemein, außer dass es Fotografie zu sehen gibt. Die Werke werden statt gerahmt an der Wand zu hängen mit dem Beamer darauf geworfen und der jeweilige Fotograf erzählt während der Präsentation seine Geschichte. Bei der Veranstaltung, die wie eine Diashow in einem großen, vollen Wohnzimmer wirkt, ist fragen erlaubt und die Atmosphäre entspannt. Der Austausch zwischen Künstler und Publikum steht im Vordergrund. Der Mann hinter der Open Show, Michael Osei-Ampadu, hat mit uns einen ausführlichen Kaffee getrunken – mit feinstem Aroma von Fotografie, Ferne und Open Show.

David in the Artificial Fog - Super Hyped at Open Show

© Michael Osei-Ampadu

gallerytalk.net: Michael, du bist studierter Wirtschaftsinformatiker, arbeitest im Produktmanagement und bist seit 2012 auch als Fotograf unterwegs. In der kurzen Zeit warst du verdammt umtriebig – angefangen mit Streetfotografie, bis hin zu Mode, Editorials, Portraits und Interieur – alles schon dabei gewesen. Was hast du am liebsten vor der Linse?
Michael Osei-Ampadu: Menschen, ganz klar. Ich habe mit Streetfotografie angefangen und mich dann in alle möglichen anderen Bereiche reingefuchst. Am liebsten habe ich nach wie vor Menschen vor der Linse. Ich bin erst 2012 eher durch Zufall zur Fotografie gekommen, die ich vorher nie für mich in Erwägung gezogen hätte. Ein Freund drückte mir eine Kamera in die Hand und ich fand es geil. Beruflich bin ich damals für ein Jahr nach San Francisco gegangen und dort hat das Ganze dann so richtig angefangen. Dort habe ich jede freie Minute für die Fotografie aufgewendet.

Vegas © Michael Sei-Ampadu

Vegas © Michael Sei-Ampadu

gallerytalk.net: Was macht ein Foto für dich aus?
Michael Osei-Ampadu: Für mich hat ein Foto zwei Komponenten. Die eine ist die Aussage und die andere ist die Ästhetik, die Schönheit – wobei das natürlich auch wieder ein großes Stück Geschmacksache ist. In meiner Fotografie will ich beides abdecken. Ich kann nichts damit anfangen, wenn sich irgendwer irgendwo hinstellt, eine Pose macht, sich dabei ein Steak um den Hals hängt und keiner versteht was das soll. Wenn ein Bild eine Aussage vermittelt aber scheiße aussieht, gilt dasselbe – Fotografie ist eben ein visuelles Medium.

gallerytalk.net: Wie sieht es mit Ausstellungen aus?
Michael Osei-Ampadu: Noch nicht. Aber ich habe Bock drauf.

"Es ist ihr Zuhause, ihr Badezimmer, eine so alltägliche und normale Szenerie und dadurch so intim." – Lily in her Bathroom © Michael Osei-Ampadu

„Sie sieht so aus als fühle sie sich wohl, gleichzeitig sehr verletzlich und nackt. Es ist ihr Zuhause, ihr Badezimmer, eine so alltägliche und normale Szenerie und dadurch so intim.“ – Lily in her Bathroom © Michael Osei-Ampadu

gallerytalk.net: In einer klassischen Galerie?
Michael Osei-Ampadu: Ich habe mit klassischen Galerien das Problem, dass sie wenig zugänglich sind. Für die breite Masse ist die Hürde in eine Galerie zu gehen einfach riesengroß. Du fühlst dich komisch, denn meist ist abgesehen vom Galeristen niemand im Raum. Anders natürlich auf der Vernissage, aber da kennen sich alle und man muss sich als Neueinsteiger schon erst einmal trauen. Auf einer Vernissage an den Künstler heranzukommen ist dann noch so ein Ding, denn das wollen natürlich alle und meist steht schon eine Traube um ihn herum. Die Kosten sind ein weiteres Problem. Die Kunst aus Galerien leistet sich kaum einer und danach kommen Ikea-Eiffelturm-Bilder. Dazwischen gibt’s nicht viel. Einmal das ganze Chichi aus der Galeriesache rausnehmen und Kunst schaffen, die für dich und mich zugänglich ist. Die wir uns kaufen würden, die wir uns leisten könnten, auf die wir Bock und die dennoch hochwertig ist.

Streets of San Francisco @ Michael Osei-Ampadu

Streets of San Francisco @ Michael Osei-Ampadu

gallerytalk.net: Das klingt schön und gut. Die Kostenfrage von Kunst ist natürlich ein komplexes Thema. Aber du bist ja Gott sei Dank nicht nur „Hater“, du zeigst nicht mit dem Finger auf andere, sondern hast mit der Open Show deine Antwort formuliert, dein Statement. Kann das so verstanden werden?
Michael Osei-Ampadu: Ja auf jeden Fall. Ich will eine Plattform und Zugänglichkeit schaffen. Auf die Open Show bin ich in San Francisco gestoßen. Das Format ist dort etwas anders, die Location wechselt jedes Mal, es gibt eine relativ harte Timeline: Jeder hat 20 Bilder, 15 Minuten und alle Speaker kommen direkt hintereinander, ohne Pause, und danach müssen alle raus. Meist gibt es eine After Hour in einer Bar um die Ecke, aber die Hälfte des Publikums hat man dann schon verloren. Das war trotzdem immer sehr cool und als ich wieder zurück in Hamburg war hat es mir echt gefehlt. Dann hab ich entschieden, es einfach selber zu machen, nur ein bisschen anders. Ich wollte ein richtiges Happening draus machen, mehr die soziale Komponente in den Vordergrund stellen, Menschen zusammenbringen. Ich will, dass die Leute mit den Fotografen interagieren, ich will, dass die Leute Zeit haben, dass es Drinks gibt, dass es Musik gibt und einfach Spaß macht. Und ich glaube, das ist uns ganz gut gelungen.

Open Show im Loft 23 © Stefan Groenveld

Open Show im Loft 23 © Stefan Groenveld

Auf einer Vernissage ist es, wie schon angedeutet, oft schwierig, die Story oder den Kontext zu einem Bild zu erfahren. Falls der Fotograf überhaupt anwesend ist, ist er meist im Gespräch und umringt von Leuten. Auf jeden Fall bleibt die Hürde des Ansprechens und das ist nicht Jedermanns Sache. Bei uns läuft das fokussiert und konzentriert ab: Das Bild wird an die Wand projiziert, alle Augen sind dort und der Fotograf spricht ungefragt für alle. Wer sich traut, stellt Zwischenfragen und baut somit vielleicht schon Hemmschwellen für die eher schüchternen oder zurückhaltenden Gäste ab. Das ist alles in allem eine ganz andere Art, Fotografie zu konsumieren. Meiner Meinung nach eine viel interessantere. Mit manchen Bildern kann ich im ersten Moment nichts anfangen. Egal wie gut sie gemacht sind, es kommt keine Emotion rüber. Aber dann kommt die Story. Und oftmals bekommt die Arbeit dann einen ganz anderen Wert.

Naked Men in the Folsom Street Fair © Michael Osei-Ampadu

Naked Men in the Folsom Street Fair © Michael Osei-Ampadu

Die Location der Open Show wechselt. Die letzte Show im Loft 23, eurer Homebase, hieß „Back to Basics“. Was kommt nach der Rückbesinnung?
Michael Osei-Ampadu: Ja, unsere Homebase hat dicht gemacht, deshalb wird es auch noch etwas dauern bis die nächste Show stattfindet. Weitergehen wird es aber auf jeden Fall.

© Michael Osei-Ampadu

© Michael Osei-Ampadu

gallerytalk.net: Willst du mir sagen, wo du am liebsten hin willst?
Michael Osei-Ampadu: Ich weiß nicht, wo ich am liebsten hin will. (lacht)

gallerytalk.net: Größer? Alle wollen doch immer größer!
Michael Osei-Ampadu: Nein, ich will eigentlich etwas Ähnliches – gemütlich mit Wohnzimmerflair. Aber mal im Ernst, ich denke, dass uns die Location wegbricht ist ein Zeichen. Es wird etwas passieren. Die letzte Open Show im Loft 23 trug den Titel „Back to Basics“. Vielleicht muss die nächste „Back to the Future“ heißen. Ich habe aber noch viele andere Gedanken im Kopf. Auf jeden Fall möchte ich ein Pop Up Gallery Format ins Leben rufen. Bilder an der Wand mit der Interaktivität von Open Show kombiniert. Durchgedacht ist es noch nicht, Locations sind im Gespräch. Die Hürde ist natürlich größer, denn du musst Kunst produzieren, da hatten wir es bislang leicht. Im Prinzip will ich den Grundgedanken hinter Open Show, das audiovisuelle Kunsterlebnis mit dem Schwerpunkt der Interaktivität zwischen Publikum und Künstler, einfach weiterspannen, erweitern, ein Schwesterevent ins Leben rufen. Ein anderes Projekt über das ich sprechen kann wird die „Closed Show“ sein. Dort wird sich dann jeweils ein geschlossener Kreis treffen, um noch mehr Dialog und Interaktivität möglich zu machen.

Michael in San Francisco

Self Portrait © Michael Osei-Ampadu

gallerytalk.net: Machst du dir Gedanken über die Reaktion eingesessener Hamburger Galerien, wenn du als Querulant kommst und ohne große Vorbereitung mit deinem Format in die überschaubare Szene reinplatzt? Du sagst ganz offen „Ich mach’s anders“. Hast du Berührungsängste?
Michael Osei-Ampadu: „Anders“ ist der springende Punkt. Ich habe letzten Endes keine Berührungspunkte mit den klassischen Galerien. Ich mache etwas anderes, habe einen anderen Ansatz und auch das Klientel ist ein anderes. Da mache ich mir keine Gedanken.

 Danke Michael und Toitoitoi für alles, was kommt!

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