Heimat bist du großer ...?
Klasse Koslik im Bildraum 01

23. August 2016 • Text von

Hast du dir auch schon einmal überlegt, was Heimat für dich bedeutet? Ist es ein Ort, oder doch nur ein Gefühl? Ist es Herkunft oder Zugehörigkeit? Ist Heimat als etwas Reales zu verstehen, oder doch nur ein Konstrukt? Vier Künstler auf der Suche nach ihrer ganz persönlichen Heimat. 

Der Begriff Heimat bringt so viele Fragen mit sich. Die individuelle Auffassung des Wortes bleibt natürlich auch in der Kunst nicht unbehandelt. In der Ausstellung „For other uses, see Heimat“ im Bildraum 01 zeigen vier Studenten der Universität für angewandte Kunst, Klasse für angewandte Fotografie und zeitbasierte Medien bei Professor Matthias Koslik ihre ganz eigenen Interpretationen zum Begriff Heimat. 

© Simeon Jaax, Heimat Im Rahmen, Videoausschnitt

© Simeon Jaax, Heimat Im Rahmen, Videoausschnitt

Der Fokus liegt auf dem Visual Storytelling, das Erzählende formt mit den künstlerischen Auseinandersetzungen Inszenierungen, die den Betrachter auf unterschiedlichste Art berühren. Bildraum 01 in der Strauchgasse ist ein kleiner Ausstellungsraum, der den Fokus auf moderne Fotografie setzt. Die Werke der gesamten Absolventen und Absolventinnen wurde bereits im Juni 2016 im Offspace Spenglerei gezeigt. Doch dem Bildraum 01 war das nicht genug und er hat sich noch einmal vier der Künstler geschnappt, um diesen in den eigenen Räumlichkeiten eine weitere Ausstellung zu ermöglichen.

© Marlene Mautner, A Construction Called Heimat

© Marlene Mautner, A Construction Called Heimat

Marlene Mautners Werk mit dem Titel ‚A construction called „Heimat“‘ lässt auf den ersten Blick einen Mann erkennen. Mit starrem Blick in die Kamera steht er aufrecht und wirkt sehr ehrenvoll. Sein Hals ist bemalt, Pflanzen und Holzstämme umgeben ihn. Schaut man genauer hin, entdeckt man allerdings, dass der Mann sich in einem Fotostudio befindet. Somit täuscht der erste Eindruck eines wilden Ureinwohners. Begleitet wird das Foto von einem Film, der eine sich im Wind wehende Flagge mit den Nationalfarben des Staates, aus welchem der Einwohner ist, zeigt. Mautner hinterfragt hierbei das Konstrukt der Heimat in Verbindung mit der Herkunft. 

© Lisa Edi, No Place Home Or A Lovel Letter To The Hardwarestore

© Lisa Edi, No Place Home Or A Lovel Letter To The Hardwarestore

Lisa Edi hingegen verbindet den Begriff Heimat mit haptischen Erinnerungen und stellt sich der Herausforderung einer künstlerischen Übersetzung dieser. Teil ihres Werkes ‚No place home or a loveletter to the hardwarestore‘ sind unter anderem eine Klebefolie, ein Globus oder aber ein Spiegel. Durch die Verschmelzung dieser Gegenstände in ein Gesamtkunstwerk startet Edi den Versuch, den fiktiven Charakter von Heimat festzumachen. 

© Martina Lajczak, From Memory

© Martina Lajczak, From Memory

Martina Lajczak bedient sich einer komplett anderen Herangehensweise an die Komplexität des Begriffs Heimat. In ‚From Memory‘ identifiziert sie den Begriff Heimat mit dem Leben und der geografischen Herkunft ihrer Mutter. Drei Fotografien zeigen die unterschiedlichsten Gegenstände wie eine Madonna-Figur, Lichterketten oder Süßspeisen. Vor bunten Wänden arrangiert und durch einen Rahmen begrenzt erfahren die Gegenstände einen historischen Eindruck und werden dadurch zu Momenten der Erinnerung. Allesamt sind es Andenken Lajczaks Mutter an das Land Polen, in dem sie geboren wurde.

© Simeon Jaax, Heimat Im Rahmen, Videoausschnitt

© Simeon Jaax, Heimat Im Rahmen, Videoausschnitt

Die größte Fläche der Ausstellung gehört einer Video-Installation von Simeon Jaxx. Sie zeigt einen langjährigen Freund des Künstlers, Joscha Baltha an den unterschiedlichsten Orten. Er stapft durch Wälder oder findet sich vor einem großen Steinhaufen wieder. Immer trägt er einen Rahmen in der Hand und versucht, die Orte, die ein vermeintliches Gefühl von Heimat geben könnten, einzufangen. Hier kommt es zu einer Konfliktsituation. ‚Heimat im Rahmen‘ veranschaulicht, dass Heimat etwas sich permanent veränderndes ist. Somit ist es unmöglich, Heimat einzufangen oder erst begrifflich fest zu machen. 

Heimat steht auch immer in Zusammenhang mit der Identität und dem Gefühl der Zugehörigkeit zu einem Ort, einer Kultur oder einer sozialen Dimension. Heimat ist ein Begriff, den jeder für sich selbst finden muss. Die Ausstellung gibt Anstöße, was Heimat für einen selbst bedeutet und lässt das ein oder andere individuelle Heimat-Gefühl beim Betrachten der Werke in einem aufkommen. 

WANN: Bis zum 9. September 2016 kannst du die künstlerischen Auseinandersetzungen mit dem Thema Heimat begutachten und auf dich wirken lassen.
WO: Bildraum 01, Strauchgasse 2, 1010 Wien

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