Berliner Kunstgriff
10.11. - 16.11.2015

10. November 2015 • Text von

Morgen um Punkt elf Uhr elf läuten die Narren den Fasching ein. Da man in Berlin kostümierten Gestalten sowieso jeden Tag auf der Straße begegnet, juckt uns das ganze Spektakel eher wenig. Lieber auf Kunststreifzug gehen, vielleicht zur Abwechslung mal mit Maske auf.

Am Dienstag, den 10. November, schicken wir euch um 17 Uhr erst einmal zu den netten Leuten von Eigen&Art. Yehudit Sasportas lautet der Name der israelischen Künstlerin, deren Arbeiten in der Galerie unter dem Titel „Vertical Swamp – Raw Material“ präsentiert werden. Schon seit geraumer Zeit setzt sich die Künstlerin mit der Verbildlichung von Klängen auseinander. So hat sie eine spezielle Codesprache entwickelt, mithilfe derer Töne in ästhetische Zeichenfolgen übersetzt werden können. Yehudit Sasportas geht es hierbei um eine Objektivierung und Anonymisierung persönlicher „Lebensäußerungen“. So verfremdete sie unter anderem Aufnahmen, die über einen langen Zeitraum hinweg im Haus ihrer Familie aufgenommen wurden. In ihrer aktuellen Ausstellung treten die Codes nun als mehrdimensionale Einritzungen auf und verweisen damit auf das „Einritzen“ oder „Einbrennen“ eines mentalen Ereignisses in die menschliche Psyche. Was euch konkret erwartet? Großformatige, ungestüme Tuschezeichnungen, eine Videoarbeit sowie eine Installation. Hin da? Hin da! Infos gibt’s hier.

yehudid-sasporad-eigen-art-berlin

Yehudit Sasportas „Vertical Swamp Nr. 3“, 2015. Courtesy Galerie EIGEN + ART Leipzig/Berlin. Foto: Uwe Walter, Berlin.

Weiter geht es dann am Donnerstag, den 12. November, im Medizinhistorischen Museum der Charité. Keine Sorge, es gibt dort weder tote Menschen noch totes Getier, sondern eine höchst interessante Gruppenausstellung zu sehen. Unter dem Titel „Mirror Images – Spiegelbilder aus Kunst und Medizin“ erwartet euch ein Sammelsurium aus Kunstwerken, Kuriositäten sowie wissenschaftlichen Experimenten, die allesamt um die Selbstwahrnehmung des menschlichen Subjektes im Raum kreisen. Denn wenn wir es uns mal ganz genau überlegen, kennen wir uns selbst nur gespiegelt, fotografiert, porträtiert oder gefilmt. Kurzum: Unser Selbstbild beruht zu 100 % auf Projektionen, weshalb die präsentierten Werke in engem Zusammenhang mit Spiegeln und anderen reflektierenden Oberflächen, bewegten Bildern und Fotografien stehen. Künstler gehen das Thema hierbei ebenso wie Wissenschaftler auf individuelle Art und Weise an, was sich in der Vielfalt der Werke sicherlich bereichernd niederschlagen wird. Los geht es um 18 Uhr, Infos findet ihr hier.

mirror-images-medizinhistorisches-museum-berlin-2

John Baldessari: Reverse/Repeat Series: Spoons, Peas, Jars, etc., 2001. © John Baldessari, Sprüth Magers / Marian Goodman Gallery.

Wo wir schon mal bei alternativen Räumlichkeiten sind, schicken wir euch am Freitag, den 13. November, dann auch gleich noch in die Bülowstraße 90, wo um 18 Uhr die Gruppenausstellung „Enter the Void“ eröffnet. Sechs Künstler/innen haben sich mit dem Thema Leere im platonischen Sinne auseinandergesetzt. Für alle Nicht-Philosophen unter euch, sei Obiger an dieser Stelle schnell und unauffällig zitiert: “Etwas Abwesendes, dessen Anwesenheit erwartet wurde oder etwas Wesenloses, dem der eigentliche Inhalt, das innere Sein und Leben fehlt“. Inhaltslos geht es allerdings ganz und gar nicht zu: Die Schau markiert den Beginn einer Ausstellungsreihe, die von „Enter the Void“ über die Folgeausstellung „In the Void“ bis hin zu „The Void“ führt – einem eigens kreierten, programmatischen Projektraum. Da macht es auch Sinn, dass die Eröffnung nicht wie üblich in der Galerie stattfindet. Erfahrungsgemäß macht Kunstgucken in solch anderer Umgebung immer besonders viel Spaß, weshalb wir euch wärmstens empfehlen vorbeizuschauen. Der Startschuss fällt um 18 Uhr, nachlesen dürft ihr hier.

mirror-images-medizinhistorisches-museum-berlin-1

William Anastasi: Maintenance III (Self-Portrait), 1968. © William Anastasi.

Wie klasse wäre es, wenn man Kunst kaufen und dabei auch noch eine gute Tat vollbringen könnte? Genau haben sich auch die Gründer der Challery gedacht – Österreichs erster Charity Galerie, bei der der Erlös jedes verkauften Kunstwerkes zu 100 % an ein Hospiz zur Pflege unheilbar kranker Menschen gespendet wird. Da Wien nun leider ein bisschen mehr als nur einen Katzensprung entfernt ist, gestaltet sich ein Besuch in der Challery eher schwierig. Es sei denn…das Projekt selbst macht einen Abstecher nach Berlin. Am Samstag, den 14. November, tritt dieser glückliche Fall tatsächlich ein, denn die Challery läutet ihren Gastaufenthalt in der Galerie Katharina Maria Raab mit der Eröffnung der Ausstellung „Schwarz, Weiß und ein bisschen Pink“ ein. Bis zum 19. Dezember können die Werke international rennomierter Künstler/innen erstanden und damit zugleich ein tugendhafter Beitrag geleistet werden. Und wer weiß: Vielleicht steckt die Begeisterung ja an und auch Berlin hat bald seine erste Charity Galerie. Alles Wichtige findet ihr hier.

Weitere Artikel aus Berlin