Berliner Kunstgriff
03. - 09.11.2015

3. November 2015 • Text von

Am Sonntag durften wir uns in der Konzerthalle der UdK von keinem Geringeren als Ai Weiwei bespaßen lassen, diese Woche ist wieder radikales Selfentertainment angesagt. Optionen gibt es reichlich, einzig das Entscheidungsfällen könnte problematisch werden.

Die Woche startet am Donnerstag, den 05. November, in der Akademie der Künste. Der Name Terry Fox wird so manchem ein Begriff sein: Als Vertreter der Fluxusbewegung machte er unter anderem mit solch famosen Gestalten wie Joseph Beuys, Vito Acconci und Dennis Oppenheim gemeinsame Sache und wurde als „Protestkünstler“ der 60er und 70er Jahre bekannt. Die Akademie der Künste widmet dem eigensinnigen Kunstrebellen nun eine umfassende Retrospektive, die dessen politische Videotapes und Performances aus den USA seiner Pionierrolle in der Klangkunstszene Europas gegenübergestellt. Die Ausstellung umkreist hierbei die zentralen Themen von Fox‘ medienübergreifendem Oeuvre: Situations/ Körperliche Zustände, Elements/ Material, Mapping/ Labyrinth, Sound As Sculpture/ Raum als Instrument. Warum sich das Ganze gleich doppelt und dreifach lohnt? Es gibt bisher unveröffentlichtes Video, – und Fotomaterial sowie Terry Fox‘ Werknotizen erstmals zu sehen. Der Startschuss fällt um 19 Uhr, Infos findet ihr hier.

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Terry Fox: Virtual Volume (Smoke Exhalation), 1970. Foto: Barry Klinger. © Estate of Terry Fox, Köln.

Am Freitag, den 06. November, werden sich dann alle Entscheidungsunfreudigen grämen: Entweder es muss aus drei Optionen ein Favorit ausgewählt oder ein wahrer Galerienmarathon gestartet werden. Los geht’s in Kreuzberg, wo um 18 Uhr bei Duve die Ausstellung „Days Go By“ des argentinischen Malers Ivan Comas eröffnet. In seinen neusten, in Berlin entstandenen Arbeiten kombiniert der Künstler industrielle Materialien wie Zement oder Wandfarbe mit Fotografien und UV-Drucken. Thematischen Schwerpunkt bildet hierbei der urbane Raum: So erforscht der Künstler unter anderem die Schnittstellen zwischen Grünanlagen und städtischer Betonlandschaft und setzt sich mit den Konsequenzen bürgerlichen oder politischen Eingriffs in das urbane Umfeld auseinander. Hingehen lohnt sich nicht nur, weil die Ausstellungen bei Duve immer klasse sind, sondern auch weil Ivan Comas zum allerersten Mal eine Installation realisieren wird. Neugierig geworden? Dann hier nachlesen.

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Ivan Comas: Virgin sacrifice, 2015. Courtesy Artist, DUVE Berlin.

Option Nummer Zwei an diesem Freitag ist die Ausstellung „Hard Copy“ des britisch-kolumbianischen Künstlers Matthew Plummer-Fernandez, in der sich der Künstler mit dem Thema Urheberrecht auseinandersetzt. Klingt erst mal staubtrocken, ist es aber ganz und gar nicht: Zu sehen gibt es eine Reihe 3-D gedruckter Skulpturen, denen eine vom Künstler selbst entwickelte Software zur Umgehung des Urheberrechts zugrunde liegt. Da sich unsere Informatik Kenntnisse nahe der Nullgrenze bewegen, verraten wir euch hier lieber, was eure Äuglein erwartet: Matthew Plummer-Fernandez hat im Internet aufgestöberte Modelle von Zeichentrickfiguren neu gestaltet und ihnen schließlich mithilfe neuster Drucktechniken eine dreidimensionale, anfassbare Form verliehen. Mickey Maus wartet schon darauf von euch gegrüßt zu werden. Gastgeber ist die Nome Gallery, los geht’s um 18 Uhr. Alle weiteren Infos findet ihr hier.

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Matthew Plummer-Fernandez: Every Mickey, 2015. Courtesy Artist, Nome Gallery.

Und dann laden am Freitag auch noch die netten Menschen von C/O Berlin mal wieder zu einer ihrer erfahrungsgemäß gut besuchten (man sei vorgewarnt: Auf Schlange einstellen!) Eröffnungen. Der niederländische Fotograf und Filmemacher Anton Corbijn porträtiert seit Jahrzehnten berühmte Persönlichkeiten. Allerdings nicht so, wie man es aus der Werbeindustrie normalerweise gewohnt ist. Corbijns Arbeiten wohnt eine subtile Intimität und Vertrautheit inne, die der oberflächlichen Makellosigkeit üblicher Starfotografien radikal gegenübersteht. Anlässlich des 60. Geburtstages des zweifelsohne mit außergewöhnlichem Talent gesegneten Autodidakten wird bei C/O Berlin nun eine umfassende Retrospektive präsentiert, die neben über 600 Fotografien des Künstlers auch dessen Filme sowie weitere Exponate umfasst. Die Ausstellung ist in zwei unterschiedliche Teile gegliedert: Unter dem Titel „Hollands Deep“ wird Corbijns Schaffen der letzten 40 Jahre nachgezeichnet, während „1-2-3-4“ Einblick in sein Schaffen in der Musiksphäre thematisiert. Los geht es um 19 Uhr, nachgelesen werden darf hier.

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Anton Corbijn: Nick Cave, London 1996. © Anton Corbijn.

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