Berliner Kunstgriff
03.01. - 09.01.16

3. Januar 2017 • Text von

Jetzt wird’s hart: Alle Böller sind gezündet, alle Flaschen Sekt geleert, beide Tanzbeine geschwungen und das Konfetti klebt matschig an den Häuserwänden. Nach soviel Glitter und Ekstase kann man ja eigentlich nur ins Launetief rutschen. Abhilfe? Voilà!

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Dana Sherwood „Feral Nights Florida (possums)“, Videostill. Courtesy: the artist, SCOTTY Berlin.

Bis Freitag sollten selbst die feierwütigsten Silvestereulen wieder soweit regeneriert sein, dass der Gang vor die Tür keine Unmöglichkeit mehr darstellt. Bei SCOTTY sind auch gar keine großen Taten gefragt, denn eigentlich muss man sich nur gemütlich in den Sessel kuscheln und die Äuglein aufhalten. „Was It A Cat I Saw“ lautet der Titel der Veranstaltung, unter deren Deckmantel die Videos der Künstlerinnen Klara Hobza, Bettina Gruber und Maria Vedder, Elodie Pong, Lucy Powell, Dana Sherwood sowie der SAGSI-group gescreent werden. Der Titel ist hierbei einem Buch entnommen, das dem ein oder anderen sicherlich aus fernen Kindheitstagen vertraut ist: Alice im Wunderland. Dementsprechend kurios muten auch die gezeigten Filme an: Fischversessene Katzen treffen auf urzeitliche Küchengerätkreaturen, ein Pandabär führt einen erotischen Lapdance vor, ein Huhn wird mittels Kreide hypnotisiert. Dass sich dahinter mehr verbirgt, als Spaß an der Freunde, müssen wir wohl kaum erwähnen. Hinterher darf angeregt geschwatzt werden.

WANN: Das Screening wird am Freitag, den 6. Januar, um 19 Uhr, eröffnet. Danach sind die Filme bis zum 11. Februar zu sehen. Nachlesen dürft ihr hier.
WO: SCOTTY, Oranienstraße 46, 10969 Berlin.

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Mona Hatoum „Kapan iki“, 2012. Foto: def image. Courtesy Galerie Max Hetzler, Berlin | Paris, Mona Hatoum.

Wer die seit Oktober laufende Ausstellung „Uncertain States. Künstlerisches Handeln in Ausnahmezuständen“ in der Akademie der Künste bisher noch nicht gesehen hat, der sollte das schleunigst nachholen. Und zwar am besten am Sonntag, denn da führt Werner Heegewaldt, der Archivdirektor der AdK, persönlich durch die Schau. Ausgangspunkt der künstlerischen Reflexionen bildet die Fragilität der individuellen und gesellschaftlichen Bedingungen in einem Zeitalter, das maßgeblich durch Krieg, Armut und Terrorismus geprägt ist. Die aktuelle Dramatik der Flüchtlingsbewegung wird auf die historische Erfahrung von Flucht und Exil zwischen 1933 und 1945 bezogen, wobei ausgewählte Objekte und Dokumente aus den Archiven der AdK zeitgenössischen künstlerischen Positionen gegenübergestellt werden. Mit dabei sind unter anderem Reflexionen von Walter Benjamin, Valeska Gert und Kurt Tucholsky sowie Arbeiten von den KünstlerInnen Francis Alÿs, Ayşe Erkmen, Mona Hatoum, Isaac Julien und Arkadi Zaides.

WANN: Die Führung findet am Sonntag, den 8. Januar, um 15 Uhr, statt. Infos gibt’s hier.
WO: Akademie der Künste, Hanseatenweg 10, 10557 Berlin.

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Lucas Cranach „Flügelaltar mit dem jüngsten Gericht“, Kopie nach Hieronymus Bosch, um 1524. Courtesy: Staatliche Museen zu Berlin, Gemäldegalerie / Jörg P. Anders.

In der ersten Januarwoche sieht es immer noch ein bisschen mau aus mit Eröffnungen, deshalb bleibt genug Zeit, sich bisher verpassten Ausstellungen zu widmen. Kleiner Überblick: In der Gemäldegalerie darf man sich von Hieronymus Bosch fantastischen Bilderwelten bezirzen lassen, wer es lieber zeitgenössische mag, kann alternativ bei C/O Berlin die Ausstellung „Total Records“ besuchen, die sich dem fotografischen Dahinter weltbekannter Plattencover widmet. Die Deutschen Bank Kunsthalle wird derzeit von dem indischen Maler Bhupen Khakhar bespielt und im Jüdischen Museum setzten sich verschiedenste KünstlerInnen mit dem Mythos der Golemfigur – von dessen Ursprung bis hin in unser gegenwärtiges Zeitalter – auseinander. Langeweile im neuen Jahr? Keine Spur!

WANN & WO: Die genauen Öffnungszeiten können auf den jeweiligen Webseiten der Institutionen nachgelesen werden.

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