DOUBLE TAP #13
Rene Wagner

24. April 2020 • Text von

Es glänzt, glitzert und trägt auf. Wo Rene Wagner draufsteht – im wahrsten Sinne des Wortes, ist auch Rene Wagner drin und das bedeutet echte Knallerkunst. Starke Symbolik, starke Farben. Wer seine Arbeiten betrachtet, hört auch irgendwo in Hintertupfingen an der Tanke einen tiefergelegten Golf aufheulen.

Installationsansicht der Ausstellung "Rene Wagner Sports" von Künstler Rene Wagner bei Bühlers.

Installationsansicht: Rene Wagner „Rene Wagner Sports“, Bühlers, 2019. Foto: Wefers.

gallerytalk.net: Du hast dich selbst zur Marke gemacht: Wofür steht Rene Wagner Sports?
Rene Wagner: Das hat viele Aspekte. In erster Linie ist es mein Name. Das Design und der Schriftzug sollen an eine Tuning-Firma erinnern. Auch hört sich mein Name für einige an wie Rennwagen – vielleicht weil ich manchmal nuschele. Außerdem habe ich viele Jahre Graffiti gesprüht und weiß daher, dass es nicht verkehrt ist, seinen Namen hoch frequentiert zu vermarkten.

Werten die Markennamen, die du zusätzlich zu deiner eigenen benutzt, deine Arbeit tendenziell auf oder ab?
Keins von beiden. Sie machen die ganze Sache eher rund. Ich kannte den Marlboro-Schriftzug auch nur von Michael Schumachers Rennwagen!

Zwei Arbeiten von Rene Wagner. Links eine Vase mit Betonfuß, rechts ein goldener Motorradhelm im Gras.

Rene Wagner „Nürburgring“, Keramik, Beton. Foto: Wefers. // Rene Wagner „Bronzehelm im Gras“. Foto: Wagner.

Die älteste Arbeit, die ich von dir auf Instagram gefunden habe, ist ein goldener Motorradhelm. Das war 2016. Wie bist du zur Rennfahrer-Ästhetik gekommen?
Ich hatte selber nie ein getuntes Fahrzeug und will auch keins, habe aber viel Zeit auf Dörfern und in deren Bushaltestellen und Tankstellen verbracht. An solchen Orten lernt man mich und einen gewissen Schlag von Menschen kennen. Man merkt mit was für einer Intensität und Hingabe sie an ihren Vehikeln bastelt. Ich war immer nur Beobachter und stelle nun meine jahrelang intensiv gesammelten Beobachtungen in meiner Kunst dar.

Und wie kommt es, dass du so konsequent dabeibleibst?
Für mich ist es keine Konsequenz, sondern eher eine Leidenschaft. Ich kann einfach nicht weggucken – immer noch nicht.

Bist du selber also auch Fan oder arbeitest du dich aus ironischer Distanz am Motorsport ab?
Ich versuche, die Hingabe, Detailverliebtheit und Politur der Szene nicht abzuwerten, sondern gleichzusetzen mit der Arbeit im Atelier. Von der Subkultur zur Hochkultur – ohne Ironie.

Die Skulptur "Meissen Porzellan Felge" von Künstler Rene Wagner.

Rene Wagner: „Meissen Porzellan Felge“. Foto: Wefers.

Racing-Ästhetik und Vasen auf Sockeln wollen gefühlt erst einmal nicht zusammenpassen. Was macht die Kombi aus?
Die Vasen sind meine Leinwände, auf denen ich abenteuerliche Geschichten von Bushaltestellen, Tuning und Unfällen erzähle. Auch die Zerbrechlichkeit von schellen Rennwagen und stehenden Vasen kombiniere ich in meiner Arbeit.

Felgen kommen bei dir immer wieder vor – die aus Porzellan gefallen mir besonders gut. Was fasziniert dich an dem Objekt?
Sowie Oma am Sonntag ihre teuren Meissen-Porzellan-Teller aus der Vitrine holt, um zu zeigen, was sie hat, fährt Opa mit der gleichen Absicht den teuren alten Audi vor die Tür. Nun habe ich versucht, diese beiden Akte in einem Objekt zu vereinen. Zusätzlich finde ich es witzig, da Porzellan als Felge nur kurzen Fahrspaß bringen würde.

Deine Arbeiten sind glossy, glitzernd und in Knallfarben gehalten. Du selbst bist du als Person mit deinem Gesicht kaum präsent. Schüchtern?
Mein Gesicht spielt einfach keine Rolle, deshalb stelle ich meinen kreativen Output in den Vordergrund und lasse ihn für mich sprechen und gut aussehen.

Zwei Lackbilder und eine Vase von Rene Wagner.

Rene Wagner: „Honda“, Vase, Keramik; „GTI“, Lackbilder, Stahl, 2019. Foto: Krastev.

Sportwagen oder Motorrad?
Sportwagen – der hat einfach mehr Fläche.

GTA oder Autoscooter?
Ganz klar Autoscooter. Da sitzt und fährt ein besonderer Schlag Mensch.

Wie schnell fährst du?
Meistens fahre ich LKWs hinterher – die guten Asphalt-Cowboys. Ich mache das vor allem, weil ich dabei auf neue Ideen komme. Das heißt, ich fahre besser nicht so schnell.

Mehr von Rene Wagner gibt’s auf seiner Website rene-wagner.tumblr.com. Oder ihr schaut auf Renes Instagram-Account vorbei.

In unserer Interview-Reihe DOUBLE TAP zeigen wir euch, in welche Instagramer wir uns beim Scrollen im Bett verguckt haben.

#1 Esteban Schimpf
#2 Leah Schrager
#3 Richie Culver
#4 Amber Vittoria
#5 Andy Kassier
#6 Louis-Philippe van Eeckhoutte
#7 Aaron Scheer
#8 Tim Berresheim
#9 Arno Beck
#10 Jill Senft
#11 Lydia Blakeley
#12 Erin M. Riley