DOUBLE TAP #4
Amber Vittoria

16. August 2018 • Text von

Große Hände, Hängebrüste, behaarte Beine. So sehen sie aus, die Frauen von Amber Vittoria. Die New Yorker Illustratorin malt lieber echt statt entlang eines Idealtypus. Das kommt an. Sogar Gucci wollte schon mit ihr arbeiten. Vittoria arbeitet mit großen Marken – und gern auch politisch.

Amber Vittoria: „Fighting for Sunlight“.

Es war Gedankenübertragung. Jedenfalls hatten Amber Vittoria und ich es ziemlich gleichzeitig aufeinander abgesehen. Ich kaufte einen kleinen Druck von ihr über die eine E-Mail-Adresse, sie kontaktierte mich über die andere, um sich mal vorzustellen. Es war ein glücklicher Zufall. So nämlich kommt ihr an dieser Stelle in den Genuss, die Frau mit dem schnieken Instagram-Account kennenzulernen.

Vittoria ist 28 Jahre alt. Sie hat Grafikdesign studiert, in der Werbung gearbeitet. Gerade designt sie hauptberuflich für einen großen Konzern, nebenbei landet sie als Freelancer hochkarätige Kunden. Niemand antwortet so schnell auf Mails wie Amber Vittoria. Die Frau hat Drive.

Amber Vittoria. Foto: Atisha Paulson.

gallerytalk.net: Die Frauen, die du zeichnest, haben klobige Gliedmaßen und Haare am Körper. Damit entsprechen sie nicht dem gängigen Schönheitsideal. Wieso soll das trotzdem so?
Amber Vittoria: Mein Ziel ist es, Frauen genau so darzustellen, wie wir tatsächlich aussehen, nicht wie es die Gesellschaft von uns erwartet.

Und das kommt an. Den Leuten scheinen deine Motive zu gefallen. Machst du es ihnen leichter, indem du abstrakt und farbenfroh arbeitest?
Ich verwende leuchtende Farben als eine Art Einladung für die Betrachter. So können sie sich öffnen, um sich mit den ernsthafteren Themen zu beschäftigen, die in meiner Arbeit anklingen. Bei den Figuren mit Konturen setze ich auf kräftige Striche.

An was für Frauen denkst du bei deiner Arbeit? Hast du Musen?
Sicherlich. Meine Arbeit wird inspiriert von den Frauen in meinem Leben, Frauen, über die ich lese, und Frauen, die mir im Leben einfach so begegnen.

Amber Vittoria: „When I’m on my Period“.

Um Politik machst du keinen Bogen. Auf Twitter adressierst du ziemlich unverblümt tagesaktuelle Themen, aber du wirst auch selbst aktiv. Anfang des Jahres hast du gemeinsam mit der Künstlerin India K Ansteckpins mit der Aufschrift „Product of Immigration“ verkauft und damit Geld für die amerikanische Bürgerrechtsunion ACLU gesammelt. Arbeitest du lieber mit Message?
Einem Großteil meiner Arbeit liegen komplexe Themen zugrunde. Manchmal sind es konkrete politische Forderungen wie reproduktive Rechte. Oft geht es aber auch um persönlichere Inhalte, zum Beispiel darum, wie viel Arbeit es kostet, sich selbst zu lieben. Das hängt immer von der jeweiligen Arbeit ab.

Wie hast du deinen Stil als Illustratorin gefunden?
Als ich begonnen habe, ehrlich zu mir selbst zu sein, habe ich auch meinen Stil gefunden. Da gab es keinen Schlüsselmoment. Der Prozess hat einige Jahre gedauert.

Mittlerweile hast du große Kunden für dich begeistern können, zum Beispiel Gucci, die New York Times oder Adidas. Welche Geschäftsstrategie fährst du als Freelancerin?
Die „Discover“-Ansicht bei Instagram hat sich für mich als wichtige Informationsquelle erwiesen. Ich finde darüber Art-Direktoren, Marken und andere mögliche Kollaboratoren.

Amber Vittoria: „Just Smile Baby“.

Nutzt du die Plattform vor allem als berufliches Werkzeug oder ist es auch eine Form kreativen Ausdrucks?
Es ist eine gesunde Kombination aus beidem. Instagram ermöglicht es mir, mich mit gleich gesinnten Künstlern, Marken und Sammlern zu vernetzen – auch wenn sie weit weg von New York leben. Es ist wunderbar!

Du hast mal gesagt, dein kreatives Potenzial habe sich erst entfaltet, als du die Idee der Perfektion losgelassen hast. Wonach sollte man also stattdessen streben?
Strebt nach Ehrlichkeit.

Mehr von Amber Vittoria gibt es auf ihrem Instagram-Kanal.

In unserer Interview-Reihe DOUBLE TAP zeigen wir euch, in welche Instagramer wir uns beim Scrollen im Bett verguckt haben.
#1 Esteban Schimpf

#2 Leah Schrager
#3 Richie Culver

Amber Vittoria: „Where am I“.

Amber Vittoria: „Unrequited Self Love“.