Kunstmarathon in New York
Unterwegs mit Caro Jost #4

13. Mai 2016 • Text von

Gerade haben wir uns so richtig an ihre Geschichten gewöhnt, da ist es auch schon wieder vorbei: Caro Jost streicht in New York die Segel. Bevor es nachhause geht, wagt sie aber noch die große Galerientour durch Chelsea und klebt dem Maler Alex Katz ein Zettelchen an die Klingel.

Richard Serra bei Gagosian © Caro Jost.

Richard Serra bei Gagosian © Caro Jost.

Mit dieser Liste meiner persönlichen „sollte man oder sollte ich zumindest gesehen haben“ ziehe ich ins Galerienviertel nach Chelsea:

Luc Tuymans @ Zwirner
Sigmar Polke @ Zwirner
Anne Collier @ Anton Kern
Alicja Kwade @ 303
Haim Steinbach @ Tanya Bonakdar
Anish Kapoor @ Gladstone
Richard Serra @ Gagosian
Robert Ryman @ Dia
Tracey Emin @ Lehmann Maupin
Cindy Sherman @ Metro Pictures
Janet Cardiff @ Luhring Augustine
Felix Gonzales-Torres @ Andrea Rosen
Carmen Herrera @ Lisson
Jorinde Voigt @ David Noland
Anthony Gormley @ Sean Kelly
Esteban Vicente @ Ameringer McEnery
Lee Krasner @ Robert Miller
Philip Guston @ Hauser & Wirth

Anish Kapoor bei Barbara Gladstone © Caro Jost.

Anish Kapoor bei Barbara Gladstone © Caro Jost.

Und vor Ort dann natürlich noch die zahllosen Galerien, die am Wegesrand liegen. In die ersten Etagen schafft man es dann sowieso nicht mehr. Fazit zu den Topgalerien: Es sind keine wirklichen Galerienausstellungen mehr, das ist alles Museumsformat.

Die „fleischgewordenen Wachsbilder“ von Anish Kapoor mit dem Titel „Today You Will Be In Paradise“ (rot, weißes Silicon und Farbe) sind speziell und kehren förmlich das Innere nach außen. Beeindruckt hat mich sehr die Ausstellung von Lee Krasner (1908-1984). Arbeiten auf Leinwand, die den Einfluss von Hans Hofmann widerspiegeln und bei den Collagen auf Leinwand eine unglaubliche Freiheit ausstrahlen. Nicht nur ihr Mann Jackson Pollock war ein Genie!

Anna Polke vor "Lappländische Reise III", 1984 von Sigmar Polke bei David Zwirner © Caro Jost.

Anna Polke vor „Lappländische Reise III“, 1984 von Sigmar Polke bei David Zwirner © Caro Jost.

Die New Yorker Auktionswochen und die damit einhergehenden besonderen Ausstellungseröffnungen ziehen viele interessante Personen in die Stadt, die man mit etwas Glück auch antreffen kann. Bei Zwirner geschieht mir dies und ich habe ein interessantes Gespräch mit Anna Polke, der Tochter von Sigmar Polke. Sie ist Schauspielerin in Oberhausen am Theater. Eine wunderbare Person und ihre Berichte, wie sie etwa die Malerei ihres Vaters erlebt hat, lassen mich dann immer ganz tief einatmen.

Ein amüsanter, verräterischer Nebeneffekt des Gallery-Hoppings: In den in allen Galerien ausliegenden kleinen, schwarzen Gästebüchern kann man schön ersehen, wer vorher auch schon hier war. Und so stellte ich nach mehrmaliger Wiederholung fest, dass Mark Spiegler genau vor mir seinen Rundgang gemacht hat. Wie beim Spiel „Hase und Igel“: Ich bin oder war schon da. Also Achtung, wo man seine Unterschrift hinterlässt!

Eins der Galeriebuecher © Caro Jost.

Eins der Galeriebuecher © Caro Jost.

Nach der Museumskunst in den Galerien von Chelsea eile ich doch noch zur Erdung in die Lower East Side mit der Vorfreude, etwas Neues zu entdecken. Ist mir nicht gelungen, hatte vielleicht keinen guten Blick heute. Dafür noch schnell ins New Museum an der Bowery. Dort hat Nicole Eisenman ihre bisher größte Präsentation in New York und ich hoffe, dadurch irgendwie mehr Einblicke in ihr Tun zubekommen. Denn bei der Ausstellung im Brandhorst Museum „Painting 0.2“, bei der Eisenman mit einer Arbeit vertreten war, ist mir dies noch nicht gelungen.

Als totales Kontrastprogramm zur immer schnelleren, digitalen Kommunikation erlebe ich ausgerechnet hier in New York eine besondere Art der (analogen) Verständigung. Seit Jahren klebe ich jedes Mal dem Maler Alex Katz ein Zettelchen an seine Klingel mit dem Hinweis, ich bin wieder da. Er ruft dann an, wir telefonieren kurz oder, wenn es passt, darf ich ins Studio kommen. Bisher wurde kein Zettelchen geklaut.

Nicole Eisenman. Raumansicht im New Museum © Caro Jost.

Nicole Eisenman. Raumansicht im New Museum © Caro Jost.

Abschließend noch eine Modebewegung, um die man in ganz Manhattan nicht herumzukommen scheint: Knierisshosen, beidseitig und parallel, bitte!

Fertig. Zeit ist rum und was ich alles wieder nicht gesehen und nicht gemacht habe … Aber ich habe hier in den letzten Tagen verstärkt einen Ausdruck vernommen, den ich mir jetzt gleich zueigen mache: Rain Check. Soll heißen, Dinge aufs nächste Mal verschieben. In diesem Sinne, „I will take a rain check on that!“

Was Caro Jost in New York noch so erlebt hat, könnt ihr im ersten Teil, im zweiten Teil und im dritten Teil unserer Serie „Kunstmarathon in New York“ nachlesen. Ihr wollt mehr über die Münchner Künstlerin wissen? Hier lang geht’s zu ihrer Website.

Ohne aufgeschlitzte Knie geht in New York gerade gar nichts. © Caro Jost.

Ohne aufgeschlitzte Knie geht in New York gerade gar nichts. © Caro Jost.