Highlights der Art Rotterdam
Eine Orientierungshilfe für den Messebesuch

9. Februar 2017 • Text von

Wochenendtrip gefällig? Bereits zum achtzehnten Mal ist Rotterdam vier Tage lang der Nabel der Welt – zumindest was zeitgenössische Kunst angeht. Wir verraten, welche Positionen bei der Kunstmesse Art Rotterdam auf keinen Fall verpassen dürft.

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Art Rotterdam at Van Nelle Fabriek © Geert Broertjes.

Es ist wieder so weit: Die Kunstwelt tummelt sich in Rotterdam. Mit Ausstellern aus Großbritannien, Italien und natürlich auch Deutschland hat die Art Rotterdam zwar durchaus ein internationales Flair, hauptsächlich präsentiert sich hier allerdings die lokale Kunstszene aus den Niederlanden und aus Belgien. Hauptschauplatz ist die Van Nelle Fabriek, die als Vorreiter der architektonischen Moderne allein schon einen Besuch wert ist.

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Felicity Hammond: Bermuda Grass, 2015, © Space in Between.

Zuerst führt der Weg durch die Halle den Besucher in die „Main Section“ zu den etablierten Galerien. Besonders ins Auge gefallen ist uns hier die Londoner Galerie Space in Between, die Werke von Felicity Hammond ausstellt. Auf den ersten Blick bestechen die Arbeiten der Künstlerin durch ihre glatte, pastellige Ästhetik. Dass das Material dazu aus geklauten Überbleibseln von Baustellen und luxuriösen Bauprojekten stammt, verleiht dem Ganzen einen interessanten Twist.  Die Werke sind also nicht ganz so glattgebügelt, wie sie auf den ersten Stich scheinen und verweisen auf ironische Art auf die von Städtebauern verkauften Fantasien luxuriöser Großstadtresidenzen.

Kim van Erven: Tucked, 2016.

Kim van Erven: Tucked, 2016.

Ein eigener Ausstellungsteil der Messe ist 65 jungen Künstlern des Mondriaan Fonds gewidmet, dem wichtigsten Künstlerstipendium der Niederlande. Im „Prospects & Concepts“-Teil der Art Rotterdam geht es um einiges experimenteller und konzeptueller zu als im Hauptteil. „Prospects & Concepts“ präsentiert eine bunte Mischung aller Kunstrichtungen und verschafft so einen ausgezeichneten Überblick darüber, was die junge niederländische Kunst zu bieten hat.

Unter unseren Favoriten sind die pastelligen Knautschfiguren von Kim van Erven und die Videoinstallation „The Conversation“ von Marijn Ottenhof. In glaubwürdiger Talkshow-Manier zeigt die Künstlerin in der Konversation zweier Darsteller gekonnt soziale Strukturen und Umgangsformen auf.

Marijn Ottenhof: The Conversation, 2016.

Marijn Ottenhof: The Conversation, 2016.

In der Kategorie „Projections“, dem eigens auf Videokunst spezialisierten Bereich der Art Rotterdam, hat es uns „Progress vs. Regress“ von Melanie Bonajo besonders angetan. In dem fast einstündigen Video reflektieren ältere Herrschaften über die modernen Errungenschaften unserer Gesellschaft. Wenn sich die Damen und Herren über den modernen Fortschritt in Form von Handys, der Antibabypille oder „des www.“ unterhalten, spiegelt das natürlich Werte und Konzepte unserer heutigen Welt, ist in erster Linie aber absolut liebenswert und unterhaltsam. Die niederländische Künstlerin Bonajo hat sich bereits einen Namen gemacht und war zuletzt im FOAM Amsterdam zu sehen.

Wo ihr außerdem mal ganz genau hinsehen könnt: Die Berliner Galerie Neumeister Bar-Am zeigt Harm van den Dorpel, PSM – ebenfalls aus Berlin – Catherina Biocca, die Hamburger Galerie Kai Erdmann hat unter anderem Arbeiten von Thomas Zipp im Gepäck und Barbara Seiler aus Zürich setzt mit gutem Grund etwa auf Vanessa Safavi.

WANN: Die Art Rotterdam könnt ihr noch bis Sonntag, den 12. Februar, besuchen.
WO: Van Nellefabriek, Van Nelleweg 1, 3044BC Rotterdam