Wiener Kunstgriff
26.09. - 09.10.19

26. September 2019 • Text von

Zwei Kunstmessen, ein Wahlsonntag, das letzte Wochenende der Vienna Biennale und die Wiederaufname des laufenden Betriebs nach den Sommermonaten: Keine Zeit für Summertime Sadness, der Kunstherbst ist da!

Živadinov Dragan, éivadinov, Zupancic: BIOMEHANIKA NOORDUNG, 1999. Photo by: Miha Fras.

Als internationale Verkaufsausstellung versammelt die vienna contemporary 110 Galerien aus 26 Ländern in der Marx Halle im 3. Bezirk. Neben individuellen Präsentationen in den Booths, gibt es drei kuratierte Bereiche: In der „ZONE 1“ zeigen zehn Galerien Künstler*innen unter 40, die in Österreich leben/ arbeiten/ studieren, unter dem Titel „Explorations“ werden künstlerische Positionen aus den sechziger und siebziger Jahren vorgestellt und das Programm „Focus NSK State in Time“ nimmt Bezug auf die Neue Slowenische Kunst (NSK) und sucht nach einer Konzeption von Staat, die sich nicht auf territoriale, sondern temporäre Ausdehnung bezieht. Außerdem gibt es zahlreiche Talks und Panels, die sich diskursiv mit dem Kunstmarkt beschäftigen.

WANN: Die Eröffnung findet am Donnerstag, 26. September 2019, von 16 – 20 Uhr  statt. Die vienna contemporary ist am 27. September von 12 – 19 Uhr, am 28. September von 11 – 19 Uhr und am 29. September von 11 – 18 Uhr geöffnet.
WO: Marx Halle, Karl-Farkas-Gasse 19, 1030 Vienna.

Die „PARALLEL Vienna“ versucht sich hingegen von der Marktlogik der internationalen Kunstszene zu distanzieren. Zum siebten Mal findet die Veranstaltung in einem zwischenzeitlich vakanten Gebäude in Wien – dieses Jahr in einem ehemaligen Bürokomplex im zweiten Bezirk – statt. Als eine „curated art fair“ versteht sich die „Parallel“ als ein Mischwesen zwischen Kunstmesse, Ausstellungsplattform und Künstler*innenstudio. Dementsprechend gibt es neben sogenannten „gallery statements“, „project statements“ von Projekträumen oder öffentlichen Institutionen und „artist statements“ von einzelnen Kunstschaffenden, ein Konglomerat an unzähligen Einzelausstellungen in unzähligen einzelnen Büroräumen fernab des White Cubes.

WANN: Die Parallel Vienna ist bis Sonntag, 29. September, täglich von 12 – 19 Uhr geöffnet.
WO: Parallel Vienna, Lassallestraße 5, 1020 Wien.

Ausstellungsansicht „Henrike Naumann. Das Reich“, Foto: Johannes Stoll, © Belvedere, Wien / Courtesy die Künstlerin und KOW, Berlin.

Am Freitagabend lädt das 21er Haus zum Künstler*innengespräch mit Henrike Naumann ein, deren Ausstellung „Das Reich“ gestern eröffnet hat. Ihre atmosphärischen und detailverliebten Rauminstallationen haben die Künstlerin, Jahrgang 84‘, in den vergangen Jahren im deutschsprachigen Raum bekannt gemacht. In ihrer Einzelausstellung im Untergeschoss des Belvedere 21 vermischt Naumann das symbolische und architektonische Innenleben der Reichsbürgerbewegung, mit der deutschen Wiedervereinigung und schließlich mit Bezügen zur österreichischen Ibiza Affäre. Im Gespräch mit Kurator Severin Düsner  teilt Henrike Naumann, neben Hintergründen und Kontexten, hoffentlich auch Anekdoten zu einzelnen Exponaten mit dem Publikum.

WANN: Das Künstler*innengespräch beginnt am Freitag, den 27. September, um 19 Uhr.
WO: Belvedere 21, Arsenalstraße 1, 1030 Wien.

Anna Meyer: Ibiza, 2017, Öl auf Plexiglas, 50 × 50 cm. Photo: Wolfgang Obermair.

Von Ibiza ist es nur ein kurzer Weg bis zum kommenden Wahlsonntag in Österreich. Der Projektraum hoast veranstaltet ein „Schöntrinken der Wahlergebnisse“ in der aktuellen Ausstellung von Anna Meyer. Ihre symbolträchtigen und farbintensiven Bilder illustrieren die aufklaffenden Polaritäten zwischen Rechts und Links, Global und National, ebenso wie Misstrauen und Manipulation von medialer Berichterstattung und Realitätskonstruktionen, und bieten die perfekte Kulisse für den Anlass.

WANN: Das gemeinsame Wahlenschauen am Sonntag, den 29. September, ab 16:30 Uhr ist gleichzeitig die Finissage der Ausstellung „Qual der Wahl“ von Anna Meyer.
WO: hoast, Große Sperlgasse 25, 1020 Wien.

Chris Hegedus, D A Pennebaker, aus: Town Bloody Hall, 1979, Courtesy Pennebaker Hegedus Films, Inc. © 1979 All rights reserved.

Zum Saisonauftakt widmet sich das mumok Kino der Kritikerin und Autorin Jill Johnson. Wie lässt sich ein Oeuvre aus Texten – über den amerikanischen Tanz der Sechziger um Judson Dance und die Szene in Downtown NCY – und Büchern – der radikal feministische Klassiker „Lesbian Nation“ von 1973 – und Artikeln – Johnstons Kolummne in Village Voice – filmisch darstellen? Die Theoretikerin Fiona McGovern und die Künstlerin Megan Francis Sullivan haben Filme von Andy Warhol, Phyllis Birkby und Chris Hegedus ausgewählt, um die sich verändernden kulturellen Milieus um Johnston zu porträtieren.

WANN: Das Filmprogramm beginnt am Mittwoch, den 02. Oktober, um 19 Uhr.
WO: mumok Kino, Museumsplatz 1, 1070 Wien.

Stefanie Wuschitz. Anti-Racist-Robot, Courtesy der Künstlerin.

Einer von vielen Workshops, die die Kunsthalle neben Führungen, Talks und Reading Sessions im Rahmen der Ausstellung „Hysterical Mining“ veranstaltet, ist der „Anti-Racist Robot Workshop“ mit Stefanie Wuschitz. Am letzten Ausstellungswochenende lädt die Gründerin des Mz*Balthazars Lab, einem feministischen Hakerspace für alle, zum Diskutieren, Reflektieren und Ausprobieren ein. Welche Denkstrukturen reproduzieren Menschen bei der Programmierung von Künstlichen Intelligenzen oder Robotern? Wie könnte ein antirassistischer oder antidiskriminierender Code aussehen?

WANN: Der Workshop findet am 04. und 05. Oktober, jeweils von 16 bis 19 Uhr statt. Um Voranmeldung wird gebeten.
WO:  Kunsthalle Wien, Karlsplatz, Treitlstraße 2, 1040 Wien.

Weitere Artikel aus Wien