Various Others Spezial
Der Kunstherbst ist eröffnet #1

12. September 2018 • Text von

Der Sommer hat den Zenit überschritten. Wer neue Eissorten entdecken will, muss schon ein paar Orte weiter fahren. Dafür ist die Beinfarbe nicht länger Käse. Und es gibt endlich wieder Nachschub in Sachen Kunst. Zwei Optionen: Various Others und BNKR.

Various Others.

Wie in jedem Jahr seit beinahe zwei Jahrzehnten eröffnet am zweiten September-Wochenende gleich ein ganzer Schwung neue Ausstellungen in Galerien, Museen und anderen Institutionen. Die „OPEN art“ ist ein Pflichtevent für Münchner Kunstliebhaber. Doch 2018 bekommt sie Konkurrenz. Unter dem Titel „Various Others“ haben sich ebenfalls Veranstalter zusammengeschlossen, um der Stadt etwas zu bieten. Die Prämisse ist dabei eine etwas andere: den Galerien, Off-Spaces und Institutionen von „Various Others“ kommt es vor allem auf internationale Kooperationen an. So begrüßen denn auch verschiedene hiesige Ausstellungsorte internationale Veranstalter mit ihren Shows.

Innige Liebe weil Tradition oder heißer Flirt weil unbekannt und sexy? Wir wollen beides, ist doch klar! Im Grunde ist ja ganz egal, unter welchem Banner nun die besten Shows des Herbsts debütieren. Wir haben euch vor dem Saisonstart, von der „OPEN art“ und von „Various Others“, unsere Lieblingsausstellungen rausgesucht. Los geht’s mit „Various Others“ und dem BNKR.

Nina Canell: Shedding Sheaths (K) No. 4, 2017, Fibre-optic cable sheaths (3 elements). Foto: Keith Park, Courtesy the artist and Galerie Barbara Wien, Berlin.

Nina Canells Arbeiten verhalten sich wie Sushi zur Fischpfanne. Klingt komisch? Dann wollen wir ein bisschen Konkreter werden. Die Schwedin benutzt bei ihrer Arbeit nämlich Kabel. Und zwar so ordentlich und clean arrangiert, dass an den berüchtigten Kabelsalat nicht mehr zu denken ist. Elektro- und Telekommunikationskabel nennt Canell das „Nervensystem der heutigen Zeit“. Sie hat es in Stücke geschnitten, in Acryl auf Beton gesockelt und zum Anschauungsobjekt gemacht.

Ian Kiaer arbeitet ganz anders, aber genauso installativ. Kiaer möbliert den Ausstellungsraum sehr vage mit Neonröhren und einem Tischgestell. An der Wand ein Aquarell, auf dem Boden ein Architekturmodell – dass sich das jetzt so fabelhaft gereimt hat, ist ein Zufall, versteht sich. Aus teils kunstfremden Materialien formen Canell und Kiaer Skulpturen. Die Ausstellung, die ganz einfach den Namen der beiden Künstler trägt, ist eine Kooperation der Münchner Galerie Barbara Gross und der Berliner Galerie Barbara Wien.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr. Zu sehen bis 20. Oktober.
WO: Galerie Barbara Gross, Theresienstrasse 56 Hof 1, 80333 München.

Lennart Schweder: Untitled, 2018, 130×100 cm. courtesy: artist.

Stahlkonstruktion, viel Glas und Farbflächen à la Piet Mondrian. So steht es zwischen Eukalyptus-Bäumen da, das Eames House. Unweit der Pazifikküste in einem Stadtteil von Los Angeles beherbergte es bis zu dessen Tod das Designer-Paar Charles und Ray Eames. Das Haus ist auch bekannt als „Case Study House No. 8“. Für Ari Sariannidis und Lennart Schweder markiert es den Ausgangspunkt ihrer jeweiligen künstlerischen Arbeit.

Sariannidis und Schweder haben in Wien gemeinsam mit Viktor Henderson den Ausstellungsraum Garret Grimoire betrieben. Jetzt stellen die beiden gemeinsam bei Loggia aus. Sie arbeiten vor allem skulptural. Was sie in München zeigen werden, ist im Monat vor Ausstellungsbeginn noch geheim bis ungewiss. Gut wird’s bestimmt. Wir haben vollstes Vertrauen.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr. Zu sehen bis 15. Oktober.
WO: Loggia, Gabelsbergerstr. 26, 80333 München.

Im Fenster der Transmission Gallery klebt ein Testdruck, die Rückseite, für die Ruine Ausgabe. Foto: Transmission Gallery.

Länger als Transmission gibt es in Glasgow keinen anderen von Künstlern betriebenen Ausstellungsort. Wenn einer also etwas von Off-Spaces versteht, dann das sechsköpfige Kuratorenteam. Wovon das übrigens auch Ahnung hat? Von freiwilligem Engagement und von begrenzter Entscheidungsmacht – nach zwei Jahren muss sich jedes Team-Mitglied verabschieden.

Die derzeitige Konstellation hat sich nun mit Ruine München zusammengetan. Unter diesem Namen organisieren in München ebenfalls Künstler Ausstellungen. Nun haben sie also die Briten zu Gast. Passt perfekt, oder? Für die anstehende Show wird malerische Abstraktion zum Mittel der Kritik und Reflektion. Es geht dabei um Arbeitsweisen und Wandel von Transmission. Eine gute Gelegenheit, sich mal intensiver mit den Konzepten kleinerer Kunstprojekte zu befassen.

WANN: Die Eröffnung ist am 14. September, ab 18 Uhr.
WO: In der Nähe des Königsplatzes – mehr Infos bald hier.

Andrea Fraser: Little Frank and His Carp, 2001, color/sound 6’, © Andrea Fraser; courtesy Andrea Fraser and Galerie Nagel Draxler, Berlin/Cologne.

Architektur und Politik, künstlerische Positionen und theoretische Diskurse. Der BNKR startet diese Woche in einen neuen Ausstellungszyklus. „Space is the place“ ist der Titel des neuen Programms, unter dem Titel “Thresholds. Limits of Space“ wird am Donnerstag das erste Kapitel eröffnet. Es werden in den kommenden Monaten insgesamt drei Ausstellungen und ein Symposium präsentiert, ergänzt durch Vorträge und Talks. Was die unterschiedlichen Projekte eint, ist eine vieldimensionale Auseinandersetzung mit dem Raum, mit Architektur und Mauern. Die von Lukas Feireiss kuratierte Ausstellungsreihe, will sich den Themen Raumbegrenzung und Raumauflösung widmen, vom architektonischen bis hin zum unendlichen Raum. „Thresholds. Limits of Space“ untersucht Schwellen und Übergänge, die Grenzen des Raumes.

WANN: Die Eröffnung der ersten Ausstellung ist am 13. September, ab 19 Uhr. Zu sehen bis 9. Dezember.
WO: BNKR – current reflections on art and architecture, Ungererstraße 158, 80805 München.

Der Text ist bereits in der September-Ausgabe des Superpapers erschienen. Der Absatz zu der Ausstellung im BNKR wurde von Quirin Brunnmeier verfasst.

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