Unsere Erde, unsere Verantwortung, unsere Schuld

31. März 2016 • Text von

Der Mensch – ein unglaubliches Wesen. Er hat das Auto und den Computer erfunden, durch technischen Fortschritte Globalisierung und weltweite Vernetzung ermöglicht. Der Mensch ist aber auch jenes Wesen, welches die Verantwortung zu tragen hat, wie sein Schaffen die Umwelt nach und nach zerstört. Er muss mitansehen, wie die Zahl kalter Tage sinkt, Teile der Welt unter Hitzewellen, Dürren oder schweren Regenfällen zu leiden haben. Und muss sich für all das selbst die Schuld geben. 

Ausstellungsansicht "Seen on Earth" © Kunst Haus Wien 2016, Foto: Eva Kelety

Ausstellungsansicht „Seen on Earth“ © Kunst Haus Wien 2016, Foto: Eva Kelety

In der Gruppenausstellung „Seen on Earth“ zeigt die Galerie im Kunsthaus Wien seit März fotografische Arbeiten, welche sich mit der Zerstörung der Umwelt auseinandersetzen. Mandy Barker, Eduardo Leal, Simon Norfolk machten sich auf Reisen nach Afrika, Amerika und Asien um die durch Menschenhand zerstörten Landschaften zu fotografieren und dokumentieren.

Aus der Serie "Hong Kong Soup 1826", Lighters © Mandy Barker

Aus der Serie „Hong Kong Soup 1826“, Lighters © Mandy Barker

Die aus Großbritannien stammende Fotografin Mandy Barker stellt Bilder ihrer Serie „Hong Kong Soup: 1826“ aus. Sie zeigen Plastikmüllreste, welche seit 2012 an den Stränden Hong Kongs angesammelt wurden. 1.826 Tonnen Plastikmüll sind es täglich, welche in der chinesischen Metropole weggeworfen werden und auf Deponien landen. Die Müllreste wurden fotografiert, neu arrangiert und ergeben nun komplex sortierte Bilder. So werden Feuerzeuge zu einem schwimmenden Delphin; Spielzeugfiguren werden zu einer Armee aufgestellt. Angeklagt wird hiermit unter anderem die rücksichtslose Wegwerfgesellschaft oder auch das Muss einer Veränderung der Gewohnheiten der Kinder mit ihrem Spielzeug geäußert.

aus der Serie „Plastic Trees“, 2014 © Eduardo Leal

Aus der Serie „Plastic Trees“, 2014 © Eduardo Leal

Eduardo Leal, portugiesischer Dokumentarfotograf, fotografiert Landschaften Boliviens, blaue Himmel und Sonnenuntergänge. Doch auch hier zeigen die Fotografien, was der Mensch mit der Natur anrichtet. Die Naturabbildungen werden von Plastiksackerl begleitet. Durch ihre Leichtigkeit werden sie oft vom Wind verweht und bleiben in Sträuchern, Büschen oder Bäumen hängen. Leal setzt die Plastiksackerl in Szene, lässt sie wie Baumwipfel monumental und mächtig wirken. So klein und leicht diese Tüten aus Plastik auch sind, sind genau diese verantwortlich für den größten Teil an Umweltverschmutzung weltweit.

Aus der Serie “When I Am Laid In Earth: Mapping with a Pyrograph”, 2015 © Simon Norfolk

Aus der Serie “When I Am Laid In Earth: Mapping with a Pyrograph”, 2015 © Simon Norfolk

Der aus Nigeria stammende Simon Nordfolk ist der dritte Künstler der Ausstellung. Er reiste für seine Arbeiten nach Kenia, Afrika. Dort fotografierte er die Rückgänge der Eisflächen des Lewis Gletschers. Dieser schmilzt durch die globale Erderwärmung von Jahr zu Jahr enorm. Durch alte vorhandene Dokumentationen hat Nordfolk herausgefunden, wie groß der Gletscher ursprünglich war und die alten Grenzen mithilfe von Fackeln nachgezeichnet. Die Unterschiede sind immens. Die brennenden Grenzen stehen als Metapher für Narben, die durch die Verluste entstanden sind.

Mandy Barker und Simon Norfolk, „Seen on Earth“ © Kunst Haus Wien 2016, Foto: Eva Kelety

Man mag es kaum glauben, aber die Werke der Ausstellung „Seen on Earth“ stammen tatsächlich aus Situationen, die sich auf der Erde abspielen. Das rücksichtslose Verhalten der Menschheit gegenüber der Natur wird kritisiert. Die stets fortschreitenden, negativen Veränderungen müssen ein Ende finden. Wir Menschen müssen uns endlich bewusst werden, was unser Verhalten mit der Erde macht. Die Ausstellung sensibilisiert den Besucher, sich Gedanken über sein eigenes Verhalten als auch der Menschheit im Allgemeinen zu machen und die Natur mit Rücksicht zu behandeln. Dadurch können wir auch weiteren Generationen ein Leben am Planeten Erde ermöglichen.

Die Künstler sind alle Preisträger des EarthAward von LensCulture.

WANN: Die Ausstellung ist noch bis 30. Juni 2016 zu besuchen.
WO: Kunsthaus Wien Galerie, Untere Weißgerberstraße 13, 1030 Wien

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