Und der Zukunft zugewandt
Das Kulturhauptstadtbüro sammelt innovative Ideen zu Kunst und Kultur

26. Februar 2020 • Text von

Nürnberg möchte Europäische Kulturhauptstadt 2025 werden. Noch bis zum 1. März sammelt das Bewerbungsbüro in einem „Call for Ideas“ Projektideen für das zweite Bidbook. Künstler*innen aller Genres sind eingeladen, Ihre Vorschläge einzureichen.

Aufruf zum „Call for Ideas“ ©Stadt Nürnberg

Die warmen Entlüftungsschächte in der Nürnberger Innenstadt zum Betrieb von kleinen Gewächshäusern nutzen? Das Reichsparteitagsgelände in ein zeitgenössisches, diverses Kulturzentrum umbauen? Ein neues Kunstwerk für den Hauptmarkt? Die nächtliche Bestrahlung der Kaiserburg mit Bildergeschichten? Oder doch ein Projekt zur besseren Unterstützung Obdachloser oder Geflüchteter? Der „Call for Ideas“ des Kulturhauptstadtbüros ist genau das, ein völlig offener Ideenwettbewerb. Praktisch alle können teilnehmen, wenn sie eine künstlerische oder kulturelle Vision für Nürnberg haben. Und „Kultur“ ist in diesem Zusammenhang ein weiter Begriff, er umschließt die Bildende Kunst genauso wie das Theater, Kino, Fernsehen und das gesamte soziale Miteinander. Zur Endspurtphase des Aufrufs hat gallerytalk.net ein paar Fragen an das Bewerbungsbüro gestellt.

gallerytalk.net: Am 12. Dezember 2019 ist Nürnberg auf der Shortlist der Kulturhauptstadtbewerbung gelandet und hat damit einen großen Schritt nach vorne machen können. Was ist in diesem Moment in Ihnen und im Bewerbungsteam vorgegangen?
Andreas Kist, Presse- & Öffentlichkeitsarbeit bei N2025: Es war ein sehr emotionaler Moment für das gesamte Team. Wir haben uns riesig gefreut, als Nürnberg genannt wurde. Über zwei Jahre intensive Arbeit, die im nächsten Moment vorbei sein kann – oder eben nicht. Arbeit, die wichtig für die Bürger*innen Nürnbergs und der Metropolregion ist, die unsere Stadt und unsere Region mit großen Schritten voranbringt, die uns allen viel bedeutet und die nun weitergehen kann. Es war einfach toll!

Nürnberg ist eine Stadt mit einer sehr komplexen Geschichte, in der sich die Verwerfungen des 20. Jahrhunderts in besonderer Weise abbilden. Das Bewerbungsmotto „Past Forward“ trägt dieser Geschichte Rechnung und formuliert damit scheinbar auch einen umfassenden Arbeitsauftrag für die Zukunft. Wie würden Sie diesen Arbeitsauftrag beschreiben?
Hans-Joachim Wagner, Leiter des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas 2025 der Stadt Nürnberg (N2025): Nürnberg steht für Verpflichtung gegenüber der Vergangenheit. Wir wollen aus der Vergangenheit lernen, die Lektionen annehmen und daraus die Zukunft positiv und offen gestalten. Die Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus bildet einen zentralen Bestandteil unseres Programms. Auch und gerade weil viele Themen heute aktueller denn je sind. In den Römischen Verträgen von 1957 heißt es: „ever closer union among the peoples of Europe“. Diese Idee eines zusammenwachsenden Europas steckt allerdings in der Krise. Das Erstarken antieuropäischer, populistischer Parteien – auch in der Bundesrepublik Deutschland – ist dafür ebenso ein Indiz wie die neo-nationalistischen Bestrebungen, die in fast allen Ländern Europas anzutreffen sind. Auf diese Krisen zu antworten, stellt eine der großen Herausforderungen unserer Gegenwart dar. Und genau das möchten wir tun.

Der „Call for Ideas“ für das zweite Bidbook endet ja bereits am 1. März. Ganz direkt gefragt, gibt es irgendwelche Ideen, die aus Ihrer Sicht nicht eingereicht werden sollen?
Tanja Ehrlein, Projektmanagerin „CALL FOR IDEAS“ (Bei N2025 zuständig für Outreach & Audience Development): Im Prinzip nein. Wir suchen primär künstlerische Projekte aus allen Sparten, die sich auch gerne vermischen können. Aber wir sehen uns alles was kommt sehr genau an. Wenn wir unter den eingereichten Ideen viel Potenzial sehen, werden wir da dranbleiben. Mit dem CALL FOR IDEAS haben nun vor allem lokale und regionale Künstler*innen aber auch Initiativen die Chance, groß zu denken und sich im Prozess der Bewerbung einzubringen. Wir sind sehr gespannt auf alles, was da kommt!

Alle mit einer guten Idee können also mitmachen. Der Umfang ist auf maximal zwei DIN-A4-Seiten begrenzt, wobei ja vielleicht auch drei treffende Sätze und eine Skizze genügen können, um die Jury neugierig zu machen. Anfang März werden alle Ideen gesichtet, die stärksten werden für die zweite Auswahlrunde qualifiziert, und die vierköpfige Jury ist prominent besetzt: Sie besteht aus dem Geschäftsführer des Fonds Darstellende Künste in Berlin, Holger Bergmann, der internationalen Kuratorin und Dozentin, Sigrid Gareis, der österreichischen Künstlerin, Johanna Pichlbauer und dem Leiter des Bewerbungsbüros Kulturhauptstadt Europas 2025, Hans-Joachim Wagner. Die noch verbliebenen Teilnehmer können dann bis Ende März eine Ausarbeitung des Konzepts einreichen, die bei Abgabe mit 1500 Euro vergütet wird. Alle Teilnehmer*innen, die in der zweiten Runde von einer neuen Fachjury ausgewählt werden, gelangen in das zweite Bidbook und die Projekte werden dann im Fall des Zuschlags zur Kulturhauptstadt zwischen 2021 und 2025 verbindlich umgesetzt. Die Bewerbung läuft per Mail, postalisch oder über die Homepage der N2025-Kulturhauptstadtbewerbung: Die Webseite liefert alle nötigen Informationen und führt die Interessierten dann auch zu der Unterseite, auf der sie ihre Ideen hochladen können. Also keine falsche Scheu, man kann nur gewinnen!

WANN: Der „Call for Ideas“ läuft noch bis zum Sonntag, den 1. März!
WO: Über die Homepage der N2025-Kulturhauptstadtbewerbung, per Email an n2025@stadt.nuernberg.de oder per Post an: N2025 Bewerbungsbüro, Kulturhauptstadt Europas, CALL FOR IDEAS, Spitalgasse 1, 90403 Nürnberg.

In freundlicher Zusammenarbeit mit der Stadt Nürnberg.

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