Saisonstart: Wohin in Berlin?
Die besten Ausstellungen nach der Sommerpause

3. September 2025 • Text von

Bis zur Berlin Art Week ist es noch ein paar Tage hin, doch schon bevor das offizielle Programm startet, eröffnen diverse Ausstellungen, die direkt auf die Merkliste gehören. Wir empfehlen zum Warmwerden: CHB, Max Mayer und Sauers. Und dann: Louche Ops, Anton Janizewski, den Sexauer Showroom, Shahin Zarinbal, Åplus und die Weserhalle.

CHB Berlin gallerytalk
Courtesy of CHB.

CHB: “Dour Ether”

Wer heute von Glasfasernetzen und Rechenzentren weiß, ohne wirklich zu verstehen, was da wie übertragen wird, kann sich vorstellen, wie sich noch bis ins frühe 20. Jahrhundert die Ätherhypothese hielt. Ein unsichtbares, Raum durchdringendes Medium als Lichtträger? Es blieb ein Erklärungsversuch und unterm Strich eine Fehlinformation, womit der Bogen zu einem hohen Anteil dessen geschlagen wäre, was via Rechenzentren und Glasfasernetze auf Millionen mobile Endgeräte gespielt wird. Außerdem ist Diethylether ein Narkosemittel, das Schmerzen betäubt, aber auch die Wahrnehmung verändert. Ausgehend von derlei Gedanken ist bei CHB die Ausstellung “Dour Ether” von Zoe Agnes Jungbluth, Earl Schumacher und Hilda Stammarnäs entstanden.

WANN: Die Gruppenausstellung “Dour Ether” eröffnet am Samstag, den 6. September, von 17 bis 20 Uhr.
WO: CHB-2, den Ausstellungsort erfahrt ihr auf Nachfrage per Mail an mail@chb.berlin.

Ei Arakawa Nash galerie max mayer sauers nelson heinemann gallerytalk
Ei Arakawa Nash. Foto: Ricardo Nagaoka. // Nelson Heinemann: PORTABLE PHERRUM SEED BASIN 04, 2025. Foam rubber core, PVC panel coating, stainless steel, polyester cover, tin, cotton. 160 x 72 x 19 cm. Courtesy of the artist.

Max Mayer: Ei Arakawa-Nash

Sorry, Düsseldorf, aber eine eurer coolsten Galerien ist jetzt in Berlin. Max Mayer eröffnet den neuen Standort mit einer Ausstellung von Ei Arakawa-Nash. “Non-Gestational Co-Nursing” umfasst LED-Gemälde sowie eine Videoinstallation – das Ergebnis Arakawa-Nashs Auseinandersetzung mit seiner Vaterrolle. Im kommenden Jahr wird der Künstler den japanischen Pavillon auf der Venedig-Biennale bespielen. Die Schau bei Max Mayer bietet einen Vorgeschmack.

WANN: Die Ausstellung “Non-Gestational Co-Nursing” von Ei Arakawa-Nash eröffnet am Freitag, den 5. September, um 19 Uhr. Sie läuft bis zum 1. November.
WO: Galerie Max Mayer, Hardenbergstraße 9a, 10623 Berlin.

Sauers: Nelson Heinemann

Was ist männlich und wie erfährt die Welt, dass Mann Träger eben jenes Attributes ist? Nelson Heinemann setzt gefundene wie gefertigte Objekte zu skulpturalen Konstellationen zusammen, die sich optisch sowohl im Baumarkt als auch auf einer Fetischparty bestens integrieren ließen. Schwarze Riemen, Karabiner oder ein Abflusssieb funktionieren, aber irritieren auch als visuelle Marker männlicher Dominanz. Erotik ist in Heinemanns Ausstellung “High Fertility Compounds” im Kunstraum Sauers ein ambivalentes Konzept.

WANN: Die Ausstellung “High Fertility Compounds” von Nelson Heinemann eröffnet am Donnerstag, den 4. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 4. Oktober.
WO: Sauers, Dennewitzstraße 7, 10785 Berlin.

Steve Reinke louche ops gallerytalk
Steve Reinke: After Baudelaire (still), digital video, 1989-1996. Courtesy of the artist and Isabella Bortolozzi.

Louche Ops: „Against Erection“

Fünf Künstler:innen verbindet eine gewisse Skepsis gegenüber der Architektur. Gegenstand ihrer Kritik sind jedenfalls Maßnahmen, die bürgerliche Strukturen jenseits der Grenzen gesamtgesellschaftlichen Konsenses zementieren. Im Ausstellungsraum Louche Ops sind unter dem Titel „Against Erection“ die Perspektiven von Sebastián Garbrecht, Yun Heo, Steve Reinke, Purvis Young und Jeff Zilm vereint.

WANN: Die Ausstellung „Against Erection“ eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 17 bis 20 Uhr. Sie läuft bis zum 12. Oktober.
WO: Louche Ops, Viktoria-Luise-Platz 6, 10777 Berlin.

marc henry anton janizewski david roth gallerytalk
Marc Henry, Theorie der Feinen Leute, courtesy the artist & Anton Janizewski. // David Roth: prints (Antinoüs Braschi), 2024, FineArt Print auf Canson Rag Photographique, 118,9 x 81,6 cm (linke Seite des Dyptichons). Courtesy of the artist.

Anton Janizewski: Marc Henry

Was tun die feinen Leute so? Sie schauen mit Opernglas von der Loge herab oder doch mit Nachtsichtgerät den Nachbarn jenseits der sauber gestutzten Buchsbaumhecke zu? Jedenfalls war ihr Trenchcoat teuer. Wie Kleidung, Architektur und Kunst gebraucht werden, die eigene Feinheit in Abgrenzung zur Unfeinheit anderer zu abzusichern, beschrieb der Ökonom und Soziologe Thorstein Veblen in seinem Buch “Die Theorie der feinen Leute”. Den Titel hat sich Marc Henry für seine Ausstellung in der Galerie Anton Janizewski geborgt. In seiner Malerei greift der Künstler gesellschaftliche Codes auf und übersetzt sie in surreal-vertraut anmutende Bildwelten.

WANN: Die Ausstellung „Theorie der feinen Leute“ von Marc Henry eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 18. Oktober.
WO: Galerie Anton Janizewski, Weydingerstraße 10, 10178 Berlin.

Sexauer Showroom: David Roth

Im Louvre residiert die Mona Lisa sicher hinter Schutzverkleidung, doch es sind eben nicht alle Kunstwerke vor nicht einvernehmlicher Begrabbelung gefeit. David Roth hat Skulpturen im Pariser Museum mithilfe eines Geräts untersucht, das ursprünglich für den Einsatz an Tatorten konzipiert wurde. Mit dem “8K-Fingerprint Detection Tablet” hat er Fingerspuren lokalisiert und diese aus der Distanz sowie aus nächster Nähe festgehalten. Die Galerie Sexauer präsentiert in ihrem Showroom Diptyche, die beide Perspektiven kombinieren. Roths Werkserie “prints” beweist, womit zu rechnen war: Dem menschlichen Berührungsdrang kann museales Regelwerk kaum Einhalt gebieten.

WANN: Die Ausstellung “prints” von David Roth eröffnet am Donnerstag, den 11. September, von 18 bis 22 Uhr. Sie läuft bis Sonntag, den 14. September.
WO: Sexauer Showroom, Grolmannstraße 53, 10623 Berlin.

Shahin Zarinbal Sitara Abuzar Ghaznawi gallerytalk
Sitara Abuzar Ghaznawi, detail from ongoing work, 2025. Courtesy the artist and Shahin Zarinbal, Berlin.

Shahin Zarinbal: Sitara Abuzar Ghaznawi

Wer hat Angst vor Sitara Abuzar Ghaznawi? Oder: Wer spricht da aus dem Titel ihrer Ausstellung bei Shahin Zarinbal? “Ich kenne Sitara nicht so gut. Sie macht mir wahnsinnige Angst.” lautet der. Dahinter verbirgt sich eine Art Selbst-Exploration der Künstlerin. Nachdem sie in den vergangen Jahr viel mit Installation und Skulptur, teils auch mit industriell produzierten Elementen gearbeitet hat, kehrt Ghaznawi nun zu den Ursprüngen ihrer künstlerischen Praxis zurück: der Collage. Ihre gestempelten Rosenmotive jedenfalls wirken erst einmal gar nicht so furchteinflößend.

WANN: Die Ausstellung “Ich kenne Sitara nicht so gut. Sie macht mir wahnsinnige Angst.” von Sitara Abuzar Ghaznawi eröffnet am Freitag, den 12. September, von 16 bis 20 Uhr.
WO: Shahin Zarinbal, Muskauer Straße 24, 10997 Berlin.

Merlin Reichart aplus Aks Misyuta weserhalle gallerytalk
Merlin Reichart: Trace Fossil (AR-08272432-AMS45), 2024. Xyrarock plaster, chalk varnish, medium-density fibreboard, anodized aluminium, acrylic glass, 27 x 37 x 6 cm. Courtesy of the artist. // Aks Misyuta: Orphan. Courtesy of the artist.

Åplus: „Hands Down“

Die menschliche Hand taugt zu vielerlei. Sie kann schaffen oder zerstören, grüßen, unterwerfen oder Trost spenden. Kunsthistoriker:innen lesen sie als Symbol – für göttliche Schöpfung etwa, auch für Macht oder Widerstand. Die Gruppenausstellung „Hands Down“ in der Galerie Åplus bietet unter anderem mit Arbeiten von Nicl Barbro, Merlin Reichart und Manuel Stehli den idealen Anlass für eine facettenreiche Interpretation eines vertrauten Motivs.

WANN: Die Ausstellung „Hands Down“ eröffnet am Freitag, den 12. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 4. Oktober.
WO: Åplus, Stromstraße 38, 10551 Berlin.

Weserhalle: Aks Misyuta

Ein kurzes Blinzeln, ein schneller Lidschlag – für Aks Msyuta ein Symbol für das Leben an sich und die schmerzliche Vergänglichkeit des Seins. Ihre Bildwelten speisen sich aus fernen Erinnerungen und flüchtigen Eindrücken. Die Weserhalle zeigt im Rahmen der Ausstellung „Blink Flurry“ zehn kleinformatige Malerein.

WANN: Die Ausstellung „Blink Flurry“ von Aks Msyuta eröffnet am Freitag, den 12. September, von 18 bis 21 Uhr. Sie läuft bis zum 4. Oktober.
WO: Weserhalle, Weserstraße 56, 12045 Berlin.

Tipps für Ausstellungen und Performances aus dem offiziellen Programm der Berlin Art Week gibt’s nächste Woche.

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