Praise the Pool
Der Maler Teun Verheij spielt mit der Begierde

3. Februar 2020 • Text von

Blaues Wasser, Palmen, sexy Beine, Daiquiri in der Linken, Hunderteuroschein in der Rechten, um sich damit die Zigarette im rot angemalten Mund anzuzünden. Gerade auf dem Weg zum Dinner. Es gibt Hummer. Na? Lust?

Licorice and Migraine, 2019. Oil and acrylic on canvas, 200 x 160 cm, Teun Verheij (c) Teun Verheij

gallerytalk.net: Was steht bei deinen Arbeiten im Mittelpunkt?
Teun Verheij: Mich interessieren die menschliche Begierde und deren Objekte. Es fasziniert mich, dass Gegenstände so extrem überdesigned werden und die menschliche Begierde nach extrem glatten und luxuriösen Dingen strebt, deren Funktionalität fast unwichtig geworden ist. Glänzende Oberflächen und sensuelle Formen stehen für eine Art Wohlstand, Luxus, Bequemlichkeit. Ich spüre das Verlangen nach solchen Sachen und ich glaube, ich bin damit nicht allein.

Kitchenscape with texas sinks and mystic sinks, Teun Verheij (c) Teun Verheij

Man findet immer wieder ähnliche Elemente in deinen Bildern. Zum Beispiel Wasser, Essen und Teile von Körpern.
Das sind Gegenstände, die Menschen begehren. Suche ich mein Urlaubsziel auf booking.com, sehe ich diese Symbole. Gleiches gibt es in der Sexualität und beim Essen. Und wir sehnen uns danach, in den Bildern zu leben. Menschen streben nach Authentizität außerhalb der Wirklichkeit und es gibt Elemente, die wir dabei immer wieder sehen wollen. Zum Beispiel den Pool, der viel mehr ist als nur ein Becken, in dem man baden kann. Hip-Hop-Videos sind voll mit ihnen und Maler wie David Hockney haben ihn wiederholt dargestellt. Man hat es geschafft, wenn man einen Pool hat. Das ist wie ein Fetisch, der Gott ersetzt hat. Diese glänzenden Oberflächen versprechen Glück, aber dieses Glück ist fast immer eine Lüge. Das wissen wir alle aber wir wollen es trotzdem immer wieder sehen. Ich versuche immer das Dekadenteste zu malen, was ich mir vorstellen kann. Dieses Verlangen und ein „kleiner Trump“ stecken in jedem von uns und man sollte die Angst ablegen, dieses Begehren auch zu empfinden. Die menschliche Leidenschaft führt manchmal in richtig miese Richtungen. Es geht ja auch nicht wirklich um die Objekte sondern um das was sie uns versprechen: ewige Jugend, grenzenloses Glück und wilde Freiheit.

Untitled, 2019. Oil on antique canvas by Franz Waldegg, 60,5 x 79 cm, Teun Verheij (c) Teun Verheij

Deine Bilder erinnern mich an surrealistische Welten. Sie wirken wie eine Illusion. Welche Bedeutung hat das?
Ja, aber ich sehe diese Illusion auch in der echten Welt. Meine Bilder haben fast etwas karikatives, weil eben die menschliche Begierde manchmal regelrecht absurd ist. Ein Beispiel ist das Greenhouse, in dem ich mein Atelier habe. Das ist kein besonders edler Ort aber es gibt einen Fahrstuhl mit unechtem Marmor und in der Ecke stehen tropische Pflanzen, wie in einem Luxushotel. Viele Orte wollen mehr sein, als sie sind und genau das möchte ich in meinen Bilder zum Ausdruck bringen. Die Unbeholfenheit, die damit oft einhergeht, sehe ich überall in der von Menschen gemachten Welt. Plötzlich steht zum Beispiel im Bahnhof eine Dschungelecke – Man sieht dann aber, dass die Steine aus Plastik sind und noch ein Wasserrohr sichtbar ist. Alles in der gleichen Farbe bemalt, damit die Merkwürdigkeit nicht auffällt. Im ersten Moment mag das überzeugend erscheinen aber man sieht doch meist recht schnell, woran es scheitert.

Landscape with Calder’s Teodilapio and Le Corbusier’s La Chaise LC4 Lounge, 2017. Oil on canvas, 260 x 190 cm, Teun Verheij (c) Teun Verheij

Wenn man merkt, dass alles nur Schein ist, dann fehlt einem ja jegliche Sicherheit. Es wird nie Verbindlichkeit geschaffen und du weißt nie, ob du dem was du siehst, wirklich trauen kannst.
Das stimmt. Es geht auch darum, was man sehen will, denn den Rest blendet man häufig aus.

Man verliert sich schnell in einzelnen Teilen deiner Arbeiten. Wenn man die Bilder anschaut, versucht man sofort zu sortieren und wenn das nicht direkt klappt, arbeitet man sich etappenweise durch das Bild. Man versucht Elemente zusammenzufügen und wenn das nicht funktioniert, dann wundert man sich. Wie erzeugst du diesen Effekt? 
Das mag ich besonders, weil es zum längeren anschauen einlädt. Meine Bilder sind natürlich auf einer zweidimensionalen Fläche gemalt, aber ich versuche zwischen dreidimensional tief und zweidimensional flach zu wechseln, wodurch eine Spannung erzeugt wird. Zusätzlich möchte ich durch das Collagenhafte eine Art Offenheit kreieren. Ich orientiere mich dabei stark an David Salle, der es schafft, durch Collagentechnik die klassische Komposition hinter sich zu lassen und das hat eine beeindruckende Dynamik. Gleichzeitig finde ich in Kompositionen auch eine gewisse Unbeholfenheit und Unvorhersehbarkeit spannend. Ein Waschbecken eins zu eins nachzumalen ist leicht – der wirkliche Anspruch besteht darin, ein Bild zu erschaffen, in dem die Elemente nicht nur nebeneinander existieren und so ein Puzzle mit einer Dynamik im Ganzen entstehen zu lassen.

Mehr Arbeiten kann man auf Teun Verheij’s Website oder Instagram anschauen. 

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