Permanente Veränderung

21. Mai 2016 • Text von

Begonnen hat alles mit der Bildhauerei. Es folgte das Interesse für informelle Kunst. Dann entstanden Porträts, Zahlenbilder, Collagen, Skulpturen, Modeentwürfe sowie Malerei und Zeichnung. Es ist ein laufender Prozess der Veränderung. Das Credo: nur kein Stillstand. Oswald Oberhubers Arbeiten werden derzeit im 21er Haus gezeigt, denen eines gleich ist: die Ungleichheit.

Belvedere Wien, Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Belvedere, Wien, Mischtechnik auf Leinwand 573 × 432 cm.

Belvedere Wien, Leihgabe aus Privatbesitz, Foto: © Belvedere, Wien, Mischtechnik auf Leinwand 573 × 432 cm.



Die von Luisa Ziaja und Alfred Weidinger kuratierte Ausstellung führt in 13 Kapiteln durch die verschiedenen Schaffensphasen Oswald Oberhubers. Oberhuber gilt als Wegbereiter des Informel in Österreich, deren Anstrebung es ist, Formen in einem spontanen Schaffensprozess aufzulösen. Die Folge: Gegenstandlose Kunst. Durch sein Konzept der „Informellen Plastik“ konnte sich Oberhuber auch außerhalb der Landesgrenzen einen Namen machen. Dennoch, Mitte der 50er Jahre, am eigentlichen Höhepunkt der informellen Kunst, bricht Oberhuber mit dieser Phase – der erste einer Vielzahl von künstlerischen Sprüngen.

Ausstellungsansicht Oswald Oberhuber, 2016 Foto: © Belvedere, Wien.

Ausstellungsansicht Oswald Oberhuber, 2016, Foto: © Belvedere, Wien.

1956 postuliert Oberhuber den Gedanken der permanenten Veränderung. „Mich interessiert immer die Infragestellung eines Vorgangs. Es ist ja laufend etwas anderes möglich. Das ist meine Grundidee. Man sollte keinen Stil entwickeln, eigentlich soll jedes Bild neu sein. Du bekommst irgendwann eine Routine und weißt, wie es wird. Sobald ich die gespürt habe, ist mir langweilig geworden.“ (Zitat Oswald Oberhuber).  

Oswald Oberhuber, Enge Stadt, 2001, Leihgabe des Künstlers, Foto: © Belvedere, Wien, Papier auf Leinwand (auf Keilrahmen), auf Obststeige (Karton, von hinten auf die Leinwand montiert), teilweise bemalt

Oswald Oberhuber, Enge Stadt, 2001, Leihgabe des Künstlers, Foto: © Belvedere, Wien, Papier auf Leinwand (auf Keilrahmen), auf Obststeige (Karton, von hinten auf die Leinwand montiert), teilweise bemalt.

Zu lange kann der Künstler sich also nicht einer Richtung hingeben, sobald Routine aufkommt, wird ein Neuanfang gesucht. Oberhuber setzt sich im Laufe seines Schaffens mit vielen Strömungen auseinander, experimentiert mit Materialen und Formen, immer mit dem Ziel, zum nächsten Neuen zu gelangen.

Oswald Oberhuber, ABC, 1968, Schenkung des Künstlers © Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand 73 x 98 x 3,5 cm.

Oswald Oberhuber, ABC, 1968, Schenkung des Künstlers © Belvedere, Wien, Öl auf Leinwand 73 x 98 x 3,5 cm.

Oberhubers Einfluss auf die österreichische Kulturlandschaft findet sich aber auch in vielen weiteren Bereichen wieder. Er war unter anderem als künstlerischer Leiter der Galerie Nächst St. Stephan tätig und wurde 1972, gemeinsam mit Hans Hollein, mit der Gestaltung des österreichischen Pavillons in Venedig beauftragt. Ebenso prägend war seine Zeit als Rektor der Universität für angewandte Kunst in Wien, in der er die Hochschule zu einer fortschrittsorientierten Institution wandelte. 

Oswald Oberhuber, Zerstörte Formen, 1949 Privatbesitz, Foto: © Belvedere, Wien, Leimfarbe, Öl und Lack auf Jute auf Holzfaserplatte 119 × 128,6 cm

Oswald Oberhuber, Zerstörte Formen, 1949, Privatbesitz, Foto: © Belvedere, Wien, Leimfarbe, Öl und Lack auf Jute auf Holzfaserplatte 119 × 128,6 cm.

In der Kunstgeschichte wird oft davon gesprochen, dass ein Künstler eine ganz klare Handschrift trägt. Einen Picasso, Klimt oder Schiele würde sogar ein fast Ahnungsloser erkennen, heißt es dann. Auf Oswald Oberhuber würde diese Beschreibung keineswegs passen. Nach Besuch der Ausstellung kommt das Gefühl hoch, sämtliche Kunstepochen durchreist zu haben. Etwas mehr Zeit sollte für den Besuch also eingeplant werden, um die verschiedenen Materialen und Stile auf sich wirken zu lassen.

WANN: Die Ausstellung läuft noch bis 26.06. 
WO: 21er Haus, Arsenalstraße 1, 1030 Wien.

 

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