OPEN art Spezial #2
Der Kunstherbst ist eröffnet

7. September 2016 • Text von

Auf das Sommerloch folgt der Kunstherbst. Und während mit ein paar warmen Tagen doch bitteschön noch zu rechnen ist, kann die dritte Jahreszeit in Sachen Ausstellungen eigentlich nicht früh genug anbrechen. Wie jedes Jahr zelebrieren die Münchner Kunstinstitutionen die neue Saison mit einem Wochenende geballter Großartigkeit. Ein Wochenende lang ist OPEN art.

Michaela Melián: "Tomboy", 1995, Tusche auf Papier, 39 x 29 cm (l.), "Tomboy", 2000, Genähte Zeichnung, Tusche, Faden, Papier, 39 x 29 cm. © Barbara Gross..

Michaela Melián: „Tomboy“, 1995, Tusche auf Papier, 39 x 29 cm (l.), „Tomboy“, 2000, Genähte Zeichnung, Tusche, Faden, Papier, 39 x 29 cm (r.). © Barbara Gross Galerie.

Wir haben für euch in einem zweiteiligen „OPEN art Spezial“ die Ausstellungen gesammelt, die ihr auf keinen Fall verpassen solltet. Einige haben bereits eröffnet, andere laufen erst an – alle sind ein Vergnügen.

Hier könnt ihr die Ausstellungstipps aus dem „OPEN art Spezial #1“ nachlesen.

Barbara Gross Galerie

Frauenkunst, würde der Vater sagen – und Michaela Mélian damit gewaltig Unrecht tun. Schon klar, zum Oevre der Künstlerin zählen Stoffbilder, zu ihren Motiven auch mal ein BH. Herrgott nochmal, es werden eben unter anderem Körper diskutiert beziehungsweise die Idealvorstellungen, die Mann diesbezüglich so vorgibt.

Mit „Electric Ladyland“ zeigte das Lenbachhaus jüngst Mélians erste museale Einzelausstellung. Bei Barbara Gross war man schon 1989 von der Münchnerin überzeugt. Neben neuen Werken zeigt die Galerie deswegen auch Arbeiten aus den Jahrzehnten zuvor, Übermalungen bestickter Tischwäsche etwa oder Skulpturen aus Pappmaschee.

Klangvoll wird es außerdem. Zwei Druckkammer-Lautsprecher beschallen die Ausstellung. Mélian steht mit ihrer Band F.S.K. seit den frühen 80er Jahren für musikalische Dekonstruktion. In der Hör-Skulptur „Mannheim Chair“ kann der Besucher Platz nehmen und sich ganz ihren Kompositionen hingeben.

Pomona Zipser, Stumme Diener, Galerie van de Loo Projekte

Pomona Zisper: Stumme Diener.

Galerie Van de Loo Projekte

Der Sinn von Bildender Kunst soll sich einem erst einmal erschließen. Doch auch wenn er dann einmal erschlossen ist, bleibt das Werk dahinter ohne Funktion. Mit einer solchen wäre das Ding ganz schnell Angewandte Kunst, nicht wahr? Seit 2014 wagt Pomona Zipser den Spagat zwischen – wie sich herausstellen sollte – gar nicht so gegensätzlichen Genres.

„STUMME DIENER. Möbel für Persönlichkeiten und Gäste“ heißt Zipsers Werkreihe von Plastiken, die auch als Einrichtungsgegenstände durchgehen würden. Ursprünglich sind damit Kleiderständer für Herrenmode gemeint. Auf ihnen solle die Klamotte vom Vortag tags drauf noch völlig knitterfrei darauf warten, erneut ausgeführt zu werden.

An Zispers „Stummen Dienern“ sollen sich allerdings nicht nur Männer freuen – und bedient werden sie freier. Wie? Das zeigen die Schuhmacherin Lotte Post und Modedesigner Michael Wagner bei Van de Loo Projekte.

Nan Goldin: Jimmy Paulette + Tabboo! im Badezimmer, NYC 1991, Cibachrome, 75 x 101,5 cm Courtesy Sammlung Goetz, München.

Nan Goldin: Jimmy Paulette + Tabboo! im Badezimmer, NYC 1991, Cibachrome, 75 x 101,5 cm Courtesy Sammlung Goetz, München.

Kunsthalle München

Große Show, dieses Leben. Deins und meins und das der anderen sowieso. „Die ganze Welt ist Bühne und alle Frauen und Männer bloße Spieler“, hat schon Shakespeare geschrieben. Die Kunsthalle München hat in Kooperation mit der Sammlung Goetz die Schnittstelle von Illusion und Realität erforscht. Das Ergebnis ist die Ausstellung „Inszeniert! Spektakel und Rollenspiel in der Gegenwartskunst“.

Arbeiten namenhafter Künstler wie Matthew Barney, Stan Douglas, Nan Goldin, Candida Höfer, Ulrike Ottinger, Cindy Sherman und Jeff Wall nehmen Bezug auf die Welt des Bühnengeschehens. Dabei ist es gar nicht die perfekte Illusion, die es abzubilden geht. Erst die offensichtliche Inszenierung am Schminktisch etwa verdeutlicht doch den Schein.

Welche Rollen haben wir alltäglich zu spielen? Und wie viel Ich bleibt bei der Performance über? Im Internetzeitalter könnte das Thema Maskerade nicht passender gewählt sein.

Zum OPEN art Spezial #1 geht’s hierlang.

WANN: Freitag, der 9. September: 18-21 Uhr, Samstag, der 10. September: 11-18 Uhr, Sonntag der 11. September: 11-18 Uhr; Führungen finden am Samstag und am Sonntag zwischen 11 und 16 Uhr statt.
WO: Überall in München. Eine Übersicht aller teilnehmenden Institutionen findet ihr hier.

Der Beitrag erschien bereits in der September-Ausgabe des Super Paper.

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