Nürnberger Kunstgriff
22.01. - 29.01.2016

22. Januar 2016 • Text von

Hinter transparente Vorhänge blicken im Kunstverein, elektronischen Klavierklängen lauschen im Lichterhof des Neuen Museums und mehr über „Passion“ und Fankultur erfahren von eve massacre: Diese Nürnberger Kunstwoche bietet sehr cooles und zeitgenössisches Programm.

Eine persönliche Begrüßung poppt auf: Hallo. Sie sind das erste Mal auf unserer Seite! Sowie dass 0,27% der eigenen Freunde heute Geburtstag haben. Weitere Push-Mitteilungen am rechten Bildschirmrand: Die eigene IP-Adresse wird angezeigt, ein „unique fingerprint“ wird erstellt . Herkunftsland und Muttersprache. Was ist das alles? Ein nerviges Programm, das sich eingeklinkt hat, ein Virus? „You visit this homepage now for 00:59 minutes and 58 seconds“ – als konsequentes Medienkonzept verrät die Homepage www.transparencies.de schon beim ersten Besuch, worum sich das ganze Kooperationskonzept des Kunstvereins Nürnberg und des Bielefelder Kunstverein handelt. Wie transparent sind wir, die Medien, die öffentliche Kommunikation, die Politik, Wirtschaft – und alles andere?!
Die neun ausstellenden Künstler der Ausstellung „TRANSPARENZEN. Zur Ambivalenz einer neuen Sichtbarkeit“ sind Entwicklungen der „Transparenzgesellschaft“ auf der Spur. In einer komplexen Medienwelt mit einer noch nicht definierten Privatsphäre im medialen Raum wächst das Diskussionsbedürfnis. Daher beleuchten die künstlerischen Arbeiten unter anderem die grundlegende Bedeutung von Präsenz und Absenz, das Potential von Enthüllung und Verhüllung sowie den Umgang mit Wissensvermittlung und Unwissenheit innerhalb unserer Gesellschaft.
Am kommenden Dienstag gibt es dazu ein Ausstellungsgespräch der Direktorin des Kunstvereins Nürnberg Simone Neuenschwander mit Deborah Schamoni, Galeristin und Filmemacherin aus München (wir berichteten bereits viel über die junge Galerie aus München, unter anderem in dieser Review). Bei einem gemeinsamen Rundgang durch die Räumlichkeiten des Kunstvereins lässt das Gespräch der beiden Frauen auf viele interessante Gedanken und Ansichten zu einem vielschichtigen Thema hoffen.

WANN: 26. Januar, 19 Uhr; Ausstellungsdauer: bis 31. Januar
WO: Kunstverein Nürnberg, Kressengartenstraße 2, Nürnberg

Image Credits: Installationsansicht, Katja Novitskova, »Transparenzen«, Kunstverein Nürnberg, 2015. Photo: Annette Kradisch, Nürnberg. Courtesy the artist; Kraupa-Tuskany Zeidler, Berlin

© Installationsansicht, Katja Novitskova, »Transparenzen«, Kunstverein Nürnberg, 2015

Eine Kooperation zwischen dem Neuem Museum und der Hochschule für Musik Nürnberg präsentiert seit 2013 die Konzertreihe „Klavier aktuell“. Mit wechselnden Vorführungen rund um das Thema Klavier beginnt nun das dritte Jahr mit der Thematik: Klavier und Elektronik. Seit Mitte des 20. Jahrhunderts spielt die elektronische Komposition eine immer größer werdende Rolle in der Musikbranche: der Pianist kann sich so Klänge selbst produzieren und mit dem Computer verändern und diese dann in ein Duett mit dem Live-Piano treten lassen. Spannend, wie wir finden! Und auf jeden Fall einen (kostenlosen) Besuch wert.
Zur Aufführung kommen unter anderem Werke von Karl-Heinz Essl, Luigi Nono, Christian Ofenbauer und Projektbetreuer Professor Peter Gahn. Die Stücke werden von Studierenden der Klavierklassen der Musikhochschule unter Leitung von Gottfried Rüll vorgetragen.

WANN: 26. Januar, 20 Uhr
WO: Lichthof im Neuen Museum, Luitpoldstraße 5, Nürnberg

Courtesy: Neues Museum Nürnberg

© Neues Museum Nürnberg

Im Rahmen der Ausstellung „PASSION – Fanverhalten und Kunst“ bekommt ihr die Künstlerin eve massacre im Zentralcafé zu sehen. Sie ist Künstlerin, Autorin und DJ. Und nebenbei bloggt sie über Social Media, Digitalisierung, Kulturelles und Sozial-politisches (evemassacre.de und breakingthewaves.de). Am Mittwoch wird sie was zur Fankultur im Pop sagen. Wie es über die Ausstellung heißt, ist Fankultur eher der sehnsuchtsvolle Blick aus der Ferne und die Fankunst dann das, was diese Distanz zu überbrücken versucht.
So geht eve massacre auf die Suche, inwiefern ein solches Fanverständnis dazu beitrug, eine Genderkluft im Pop aufrechtzuerhalten, und ob durch verschiedene Formen der Vernetzung inzwischen neben einer hyperkommerzialisierten auch eine interaktivere und selbstermächtigendere Fankultur gewachsen ist.

WANN: Der Vortrag findet am 27. Januar um 20 Uhr statt. Die Ausstellung läuft noch bis zum 14. Februar im Kunsthaus im KunstKulturQuartier
WO: Zentralcafé, Königstraße 93, Nürnberg

Susanne Bürner, 50.000.000 CAN'T BE WRONG, Video Installation © Susanne Bürner: 50.000.000 CAN'T BE WRONG, Experimental Video, Deutschland 2006

© Susanne Bürner: 50.000.000 CAN’T BE WRONG, Experimental Video, Deutschland 2006

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