Nürnberger Kunstgriff
29.06. – 05.07.18

29. Juni 2018 • Text von

Genauso wie der Sommer grad noch nicht so recht zu wissen scheint, ob er sich für ein Kommen, Bleiben, oder doch lieber Verstecken entscheiden soll, können wir uns diese Woche nicht entscheiden, wohin wir Euch zuerst schicken sollen. Mit Doppelausstellungen in Kunstpalais und Atelier- und Galeriehaus Defet, der Jahresausstellung der Akademie und einem Vortragstip habt ihr, nach einem bisher superruhigen Nürnberger Sommer, in dieser Woche die Qual der Wahl.

Rinus Van de Velde: „Seemingly quiet, still half awake, ...“, 2018, Kohle auf Leinwand, Künstlerrahmen, 105 x 200 cm. Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin/London

Rinus Van de Velde: „Seemingly quiet, still half awake, …“, 2018, Kohle auf Leinwand, Künstlerrahmen, 105 x 200 cm. Courtesy KÖNIG GALERIE, Berlin/London

Mit Rinus Van de Velde bringt der Erlanger Kunstpalais einmal mehr einen der jungen Shootingstars am Kunsthimmel in die Region und zeigt damit wieder aufs Neue, dass auch die Franken international können. Der junge belgische Künstler ist für seine großformatigen Kohlezeichnungen bekannt, in denen er nicht selten selbst als Protagonist auftritt. Seine Charaktere sind Suchende, Forschende, zuweilen auch Findende – nach dem eigenen Ich, nach Inspiration oder schlicht nach der nächsten Tankstelle und einer Schachtel Zigaretten. Die Erlanger Ausstellung zeigt unter anderem einen neuen Zeichnungszyklus, der die Grundlage und einen exklusiven Einblick in den Plot seines ersten Filmprojekts gibt.

WANN: Auf keinen Fall verpassen solltet ihr die Eröffnung der Ausstellung am heutigen Abend, Freitag, den 29. Juni, ab 18 Uhr.
WO: Der Kunstpalais ist im Palais Sutterheim am Marktplatz 1 in Erlangen.

Raphaela Vogel: „I smell a Massacre“, 2016, Videostill. Courtesy Raphaela Vogel und BQ, Berlin

Raphaela Vogel: „I smell a Massacre“, 2016, Videostill. Courtesy Raphaela Vogel und BQ, Berlin

Wild gewordenen Raubvögeln gleich stürzt sich die Drohnenkamera aus schwindelerregenden Höhen in Richtung der Protagonistin, die über karge Landschaften klettert, stets das Vogeltier im Blick. Raphaela Vogel, meist selbst die Hauptdarstellerin in ihren Videoarbeiten, ist vor allem in der Region (und mittlerweile auch weit darüber hinaus) definitiv nicht mehr unbekannt. Ihre raumgreifenden Video-Installationen sind Abenteuer und Erlebnis, stets fein inszeniert und oft aufwendig gebaut. Sie ist eine Virtuosin der Inszenierung, eine kühne Träumerin mit radikaler Ästhetik, gebürtige Fränkin und Absolventin der hiesigen Kunstakademie. Sie spielt mit Perspektiven, Technik und ihrer eigenen Person, zeigt sich in unterschiedlichsten Rollen und Situationen und erschafft so ihren ganz eigenen vielschichtigen, bildgewaltigen Kosmos.

WANN: Eröffnet wird Raphaela Vogels „Gipsy King Kong“ ebenfalls heute Abend, am Freitag, den 29. Juni, ab 18 Uhr.
WO: Der Kunstpalais ist im Palais Sutterheim am Marktplatz 1 in Erlangen.

Daniel Bischoff, 2015_32, Acryl und Eitempera auf grundiertem Karton, 40 x 35 cm. Foto Wolfgang Gillitzer, Courtesy Oechsner Galerie

Daniel Bischoff, 2015_32, Acryl und Eitempera auf grundiertem Karton, 40 x 35 cm. Foto Wolfgang Gillitzer, Courtesy Oechsner Galerie

Einen weiteren Doppelschlag, den ihr nicht verpassen solltet, gibt es am Samstag Abend im Südwesten der Stadt: Daniel Bischoffs Malerei zeugt von Freude und tiefem Interesse an Form- und Materialforschungen. Seine ebenso komplexen wie präzise gesetzten Bildmotive entstehen in unterschiedlichsten Techniken, wirken teilweise fragil, fast verträumt, aber an anderer Stelle sehr direkt. Äußerst bewusst gesetzte Farbflächen bilden seltsame Formkonstrukte, die zuweilen noch im Bildtableau miteinander zu ringen scheinen. Die Oechsner Galerie zeigt den Bildkosmos von Daniel Bischoff zum ersten Mal in einer Einzelausstellung – finden wir fast überfällig und verleihen der Ausstellung das prädikat ‚besonders sehenswert‘.

WANN: Am morgigen Samstag, den 30. Juni, eröffnet Daniel Bischoffs „Mäandern“ um 19 Uhr.
WO: Die Oechsner Galerie ist im Atelier- und Galeriehaus Defet in der Gustav-Adolf-Straße 33.

Michael Fanta: „Night Out“, 2018, Öl auf Baumwolle, 39 x 31 cm

Michael Fanta: „Night Out“, 2018, Öl auf Baumwolle, 39 x 31 cm

Deutlich düsterer aber nicht weniger faszinierend ist die Malerei von Michael Fanta, der der 14. Stipendiat des Marianne-Defet-Malerei-Stipendiums ist und nun mit der Ausstellung „Night Out“ seinen Aufenthalt in Nürnberg beendet. Zwielichtig sind seine Bilder und beleuchten nächtliche Szenen, die teilweise das Geschehen nur erahnen lassen. Viel Kopfkino, viele Erinnerungsfetzen, tiefe Assoziationen und Aufmerksamkeitsspots setzt Michael Fanta ein. Die beeindruckenden Malereien sind das Ergebnis des fünfmonatigen Stipendiumaufenthaltes.

WANN: Wie immer zeitgleich mit der Oechsner Galerie eröffnet auch das Institut am morgigen Samstag, den 30. Juni, ab 19 Uhr.
WO: Der Ausstellungsraum des Instituts für moderne Kunst ist im Atelier- und Galeriehaus Defet in der Gustav-Adolf-Straße 33.

Motiv zur Jahresausstellung 2018, digitale Fotografie von Lorena Thunn, Klasse für Grafik-Design/Visuelle Kommunikation

Motiv zur Jahresausstellung 2018 (Ausschnitt), digitale Fotografie von Lorena Thunn, Klasse für Grafik-Design/Visuelle Kommunikation

Mit dem Tusch der Jahresausstellung verabschiedet sich auch in diesem Jahr die Kunstakademie in den Sommer. Zwischen, in, vor, hinter und vielleicht auch bisweilen auf den Pavillons im Wald unweit des Tiergartens bildet sich eine Spielwiese künstlerischer Auseinandersetzungen mit Arbeiten und Projekten aus dem aktuellen Semester. Sämtliche Klassen öffnen ihre Pforten, neben künstlerischen und kulinarischen Highlights gibt es unzählige Kleinigkeiten zu entdecken und vielleicht auch schon irgendwo den neuen Shootingstar von morgen.

WANN: Am Mittwoch, den 4. Juli, findet um 19 Uhr die feierliche Eröffnung statt. Nicht verpassen solltet ihr auch das legendäre Sommerfest, das wie jedes Jahr am Samstag (7. Juli) stattfindet.
WO: Die Nürnberger Kunstakademie ist in der Bingstraße 60.

Im Rahmen der neu gegründeten Freien Wissenschaftsakademie finden an Dienstagen wöchentlich zwei Kurzvorträge im interdisziplinären Setting zu thematisch freien, aber aufeinander abgestimmten Themen statt. Das anschließend jeweils stattfindende „hardcore-weiche Kreuzverhör“ zwischen den beiden Vortragenden wird vermutlich in der kommenden Woche besonders spannend: Jenny Schäfer, die in ihrer künstlerischen Arbeit installative Arrangements ihrer Fotografien in Kombination mit Objekten und Text entwickelt, trifft nach ihrem Vortrag über Hyperkulturalität auf Theobald Fuchs, Nürnberger Physiker und Autor, der über natürliche Radioaktivität berichtet. Dass das ziemlich clasht, finden wir gut, und empfehlen einen Besuch (nicht nur wegen der Drinks und des Wassereises)!

WANN: Dienstag, den 3. Juli, ab 19.30 Uhr geht’s los – Plätze sind begrenzt!
WO: Die Freie Wissenschaftsakademie ist im Hinterhaus der Hochstraße 23.

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